CL-Achtelfinal

19. Februar 2019 18:44; Akt: 19.02.2019 18:54 Print

Darum besiegt Liverpool im Kracher die Bayern

von Tim Zimmermann - Am Dienstag steht das Highlight der bisherigen Champions-League-Saison an. Der Leader der Premier League empfängt den deutschen Rekordmeister.

«Es ist eine harte Partie gegen ein echt starkes und sehr erfahrenes Team», sagt Liverpool-Coach Jürgen Klopp vor dem Duell gegen die Bayern. (Video: Teleclub)
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Für Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic ist der Achtelfinal-Gegner aus England ein «Brocken» und «die Mannschaft der Stunde». Es werde «hart und interessant», sagte Liverpool-Coach Jürgen Klopp nach der Auslosung der Achtelfinals. Das war Mitte Dezember. Seither hat sich an der Lage der beiden Teams nicht viel geändert.

Liverpool steht auch zwei Monate später an der Spitze der Premier League – punktgleich mit Manchester City, aber mit einem Spiel weniger. Und die Bayern jagen weiterhin die Borussia aus Dortmund. Den Abstand zum Tabellenführer konnten sie seit Dezember von neun auf drei Punkte verkürzen. Und so dürften im Duell (ab 21 Uhr im Ticker) Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage entscheiden. Für Sie nehmen wir die einzelnen Mannschaftsteile unter die Lupe.

Weltklasse vs. ehemalige Weltklasse: Die Torhüter

Liverpool: Der Mann im Tor des Heimteams heisst Alisson Becker, genannt Alisson, ist 26 Jahre alt und seit 2015 Brasiliens Nationalgoalie. Vor der Saison wurde er für 62,5 Millionen Euro, die damalige Rekordablöse für Torhüter, von der AS Roma verpflichtet und hat an seiner neuen Wirkungsstätte voll eingeschlagen. 14-mal blieb er in der Premier League bereits ohne Gegentreffer. Alisson hat den Strafraum im Griff, ist reaktionsschnell auf der Linie und auch mit dem Fuss stark.

Bayern München: Den 18. April 2017 wird Manuel Neuer wohl nie mehr vergessen. Nicht nur, dass seine Bayern an diesem Dienstag das Rückspiel gegen Real Madrid 2:4 nach Verlängerung verloren und sich aus der Königsklasse verabschiedeten – an diesem Tag verabschiedete sich der deutsche Nationalkeeper (vorerst) auch aus der Weltklasse. Er zog sich im Spiel einen Mittelfussbruch zu. Der Beginn einer nicht enden wollenden Verletzungsserie, die ihn 57 Pflichtspiele verpassen liess.

Seit Saisonbeginn steht der 32-Jährige nun wieder zwischen den Pfosten der Bayern, ganz zurück zu alter Stärke hat er aber (noch) nicht gefunden. Doch er ist nach wie vor einer, der auch mal die Unhaltbaren pariert. Oft in grossen Spielen.

Zwischenstand: 1:0 Liverpool. Die Zahlen sprechen für die Reds.

Aussen top, innen flop: Die Verteidigung

Liverpool: Er ist ein Modellathlet. Der Holländer Virgil van Dijk hält die Liverpool-Abwehr zusammen. Das Dumme – er verpasst das Hinspiel an der Anfield Road gelbgesperrt. Zudem fehlt mit Joe Gomez eine weitere Stammkraft, der 21-Jährige erlitt im Dezember einen Beinbruch. In der Innenverteidigung am Dienstag ist Joel Matip aufgrund der Absenzen gesetzt. Hinter dem Einsatz von Dejan Lovren steht noch ein Fragezeichen. Sollte der Kroate ausfallen, wird der Brasilianer Fabinho ins Abwehrzentrum zurückrücken.

Auf den Aussenpositionen sind die Reds mehr als solide aufgestellt: Andrew Robertson (24) links und Trent Alexander-Arnold (20) bilden das junge Duo. Liverpools 15 Gegentore in 26 Ligaspielen sind Bestwert in den Top-5-Ligen Europas. Doch da stand meist ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo auf dem Platz.

Bayern München: Wie beim Gegner ist auch bei den Münchnern die Innenverteidigung das Epizentrum der Probleme. Jerôme Boateng und Mats Hummels, Deutschlands Weltmeister-Verteidiger von 2014, übertrafen sich in dieser Saison in erschreckender Häufigkeit mit Fehlern. Derzeit hat Hummels bei Trainer Niko Kovac die Nase vorn. Er wird neben dem gesetzten Niklas Süle zum Einsatz kommen – aus Mangel an Alternativen, da Boateng am Montag mit Magen-Darm-Problemen in München bleiben musste.

Auf den Aussenpositionen tun es die Bayern dem Heimteam nochmals gleich. Mit Joshua Kimmich auf rechts und David Alaba auf links sind sie hervorragend aufgestellt. Kimmich ist Dauerläufer, offensiv gefährlich und stark in der Rückwärtsbewegung. Bei Alaba zeigt die Formkurve nach oben – nach einem schwachen Saisonstart fing er sich in den letzten Partien. Er ist erfahren, schnell und auch wieder torgefährlich.

Zwischenstand: 1:1-Ausgleich der Münchner. Die Erfahrung der Münchner Zentrale macht den Unterschied.

Erfahrung steht im Zentrum: Das Mittelfeld

Liverpool: Über 100 Millionen haben die Reds vor der Saison auch im Mittelfeld investiert: 65 Millionen Euro wurden für Naby Keita nach Leipzig überwiesen, 40 Millionen gingen für Fabinho nach Monaco. Der Brasilianer wird wahrscheinlich in der Innenverteidigung gebraucht. Keita ist bei den Reds nicht so recht angekommen, er kommt bisher nur auf sechs Einsätze über die volle Distanz – zweimal im Cup und viermal in der Liga gegen Teams der hinteren Ränge. Es darf bezweifelt werden, dass Jürgen Klopp ihm in einer so wichtigen Partie wie der heutigen das Vertrauen schenkt.

Und so werden Captain Jordan Henderson, James Milner und Georginio Wijnaldum bei den Reds das Mittelfeld bilden. Sie kommen gemeinsam auf 587 Einsätze für Liverpool. Laufleistung, Kampfgeist und defensive Stärke zeichnet das Trio aus – doch auch einen starken Schuss und das Auge für den Mitspieler haben die drei gemeinsam.

Bayern München: Bei den Deutschen sind zwei Drittel des Mittelfelds gesetzt. Thiago und Leon Goretzka gehören zum Stamm, vor allem der ehemalige Schalker Goretzka spielte in den letzten Partien gross auf und stellte auch seine Torgefahr (4 Tore) unter Beweis.

Somit ist bei den Münchnern noch eine Position frei. Thomas Müller ist für die beiden Spiele gegen Liverpool nach seinem Kung-Fu-Tritt in der Partie gegen Ajax Amsterdam gesperrt. Europameister Renato Sanches und Weltmeister Corentin Tolisso sind verletzt. So bleiben Trainer Kovac nur zwei Optionen: Javi Martinez oder James Rodriguez. Im Duell gegen die wirblige Reds-Offensive dürfte der Coach die defensivere Variante Martinez bevorzugen.

Zwischenstand: Keine weiteren Tore im Mittelfeld. Das eingespielte Trio aufseiten des Heimteams und die etwas grössere individuelle Klasse bei den Münchnern halten sich die Waage.

Das Nonplusultra gegen die Sorgenkinder: Der Sturm

Liverpool: Was soll man da nur sagen? Unglaublich, grandios oder Weltklasse; so wird das Trio oft beschrieben. Der Ägypter Mohammed Salah, der Senegalese Sadio Mané und der Brasilianer Roberto Firmino bilden das derzeit beste Sturmtrio der Welt. 44 Tore schossen sie in dieser Saison wettbewerbsübergreifend. Mit Tempo, Technik und Spielwitz stellen sie jede Abwehr der Welt vor eine Mammutaufgabe. Erst dreimal ging Liverpool ohne Torerfolg vom Platz – allerdings zweimal davon in der Champions League (in Belgrad und Neapel).

Der angeschlagene Xherdan Shaqiri muss zu Beginn auf der Ersatzbank Platz nehmen, sollte sich nicht noch einer des Stammtrios verletzen.

Bayern München: An Robert Lewandowski führt bei Bayern kein Weg vorbei. Der Pole steht in der Königsklasse nach sechs Spielen bei acht Toren – und dennoch steht der 30-Jährige oft in der Kritik: Er sei ein Einzelgänger, verwerfe zu oft die Hände, wolle weg. Doch mit seinen Toren hat er die Münchner oftmals gerettet.

Aussen dürfte mit Kingsley Coman und Serge Gnabry die Flügelzange der Zukunft auf dem Platz stehen. Und sollte der angeschlagene Franzose Coman doch nicht rechtzeitig fit werden, so wird wohl Franck Ribéry zum Einsatz kommen. Das wäre für Bayern ein herber Schlag – nichts gegen Ribérys Klasse, aber die Schnelligkeit von Coman würde im Bayern-Spiel schwer vermisst. Da auch Arjen Robben nicht fit ist, wäre ein 18-Jähriger die Alternative: Alphonso Davies. Im Winter für aus der MLS von Vancouver verpflichtet. Die Königsklasse kommt für den Jungen, trotz toller Veranlagungen, zu früh.

Endstand: Schneller Konter von Liverpool, und der Sturm macht den 2:1-Siegtreffer für die Reds.