Mono-Kultur

12. Dezember 2019 05:57; Akt: 14.12.2019 18:11 Print

So macht die Champions League keinen Sinn mehr

von Florian Raz - Die Königsklasse ist langweilig geworden. In den Achtelfinals sind nur Clubs aus den Top-5-Nationen.

In der Champions League vermöbeln die Grossen wie hier Paris St-Germain die Kleinen – hier Galatasaray. Und das Publikum soll das spannend finden.
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Es geht gerade wieder ein Gerücht um. Florentino Pérez, der Präsident von Real Madrid soll sich gemäss «New York Times» mit Fifa-Präsident Gianni Infantino getroffen haben, um mal wieder über eine Super-Liga mit europäischen Gross-Clubs zu diskutieren. Spätestens seit Mittwochabend stellt sich die Frage: Wozu machen sich die zwei eigentlich die Mühe? Schliesslich ist die Champions League ja schon jetzt ein Ort, an dem nur noch die Riesen der Branche willkommen sind.

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Am Ende hat es auch noch Dinamo Zagreb und Schachtar Donezk erwischt. Die beiden waren die letzten Vertreter der kleineren Ligen, die sich vor der letzten Runde der Gruppenphase wenigstens noch zaghafte Hoffnungen auf die Achtelfinals machen durften. Sie verloren die entscheidenden Spiele gegen Manchester City (Zagreb) und Atalanta Bergamo (Schachtar) mit dem Gesamtskore von 1:7.

Damit ist es so weit: Erstmals seit der aktuelle Modus auf die Saison 2004/05 eingeführt wurde, stehen 16 Teams aus den 5 grössten Ligen Europas in den Achtelfinals:

Die Königsklasse ist zur Mono-Kultur der Riesen geworden. Ganz nach dem Geschmack jener Vereine, die immer wieder damit drohen, die Champions League zu verlassen. Um mit einer eigenen Super-Liga noch mehr Geld verdienen zu können. Vom europäischen Fussballverband Uefa sind sie für diese Erpressungsversuche mit immer weiter gehenden Zugeständnissen belohnt worden.

Mit dem aktuellen Modus hat zum Beispiel Real Madrid vor dem ersten Anpfiff 34 Millionen Euro mehr verdient als der OSC Lille. Weil 585 Millionen Euro unter den 32 Teilnehmern der Gruppenphase so verteilt werden, dass jene mehr bekommen, die schon in der Vergangenheit erfolgreich waren. Warum das so ist? Nun, im europäischen Fussball muss offenbar zwingend dem mehr gegeben werden, der sowieso schon viel hat.

Ausreisser Ajax

Letzte Saison durften Fussball-Anhänger bis und mit Halbfinal noch mit Ajax Amsterdam einem Traum nachhängen: Dass es weiterhin möglich ist, auch als Club aus einer kleineren Liga mit den Grossen mitzuhalten. Aber der Graben zwischen den Superreichen und dem Rest wird mit jeder Saison grösser. Und wer wie Ajax mal einen Ausreisser nach oben hat, der wird im nächsten Sommer leergekauft.

Nein, es ist kein Zufall, dass die Kleinen in diesem Durchgang der Königsklasse einen Totalabsturz erlebt haben. Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Im Schnitt haben die 13 Clubs aus den kleineren Ligen aus ihren jeweils sechs Gruppenspielen nur gerade 4,6 Punkte geholt. Nicht einmal einen Zähler pro Spiel!

So etwas Ähnliches wie Spannung kommt so höchstens noch dort auf, wo gleich drei Clubs aus den grossen Ligen in eine Gruppe gelost werden. Oder wo sich ein eher kleiner Verein aus einer grossen Liga den Platz in der Champions League ergattert. So, wie Bergamo oder Lille.

Grundsätzlich aber gilt: Die Gruppenphase der Champions League in ihrer jetzigen Form kann getrost abgeschafft werden. Sie ist für die Grossen ein reines Warmlaufen. Für neutrale Beobachter ist sie stinklangweilig. Und für die kleineren Ligen schafft sie nur Probleme. Weil ihre Vertreter zwar im Vergleich mit den Top-Clubs mit Brosamen abgespiesen werden. Weil die Prämien aber trotzdem immer noch so hoch sind, dass sich Vereine in den nationalen Ligen eine Vormachtstellung erkaufen können.

Gibt es bald Auf- und Absteiger?

Es gäbe eine Möglichkeit, die Monotonie zu durchbrechen: eine solidarische Verteilung der Milliarden, die mit der Champions League eingenommen werden. Aber das werden die Grossclubs nie zulassen. Und bereits beschlossen ist ein neuer Modus (ab 2021) mit drei europäischen Ligen, in denen es Auf- und Absteiger geben wird.

Die Kleinen werden sich dann bloss noch draussen an den Schaufenstern die Nasen plattdrücken können. Und sich über all das Geld und all den Pomp drinnen in der Elite-Klasse wundern.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ringo am 12.12.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elite Verein

    Ganz einfach nicht mehr anschauen den elitären Mist.

    einklappen einklappen
  • Jo am 12.12.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsportlich

    Fussball verkommt zur legalen Geldwäscherei.

    einklappen einklappen
  • Michi am 12.12.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Geld schiesst eben trotzdem Tore!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Analyst am 16.12.2019 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Teleclub Abo kündigen

    damit schaue nur noch am Mittwoch auf SF wo es nichts extra kostet !

  • Hobbit am 16.12.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hat was, ABER ...

    Der Beitrag trifft es auf den Punkt. ABER ... will, ausser den eigenen Fans, jemand Schachtar oder Zagreb oder sonstige No-Names sehen?

  • Gast aus dem großen Kanton am 12.12.2019 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Trauriges Ergebnis

    Wenn alle Achtelfinalisten aus den Top-Ländern kommen, dann beweist es, dass die Zeit reif ist für eine Superliga der UEFA. Der Rest von Europa hat keine Chance mehr, die Champions League zu gewinnen. :'-(

  • Petroka am 12.12.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Gewinne steigern bis zum crash.

  • Arbeiter 58 am 12.12.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verteilen

    CL Gelder verfälschen die Meisterschaften der jeweiligen Ligas. Die in der CL spielen bekommen immer mehr. Gerechter wäre es die Gelder den Ligen auszuzahlen. Und unter allen Vereine zu verteilen. In den europäischen Meisterschaften werden immer die gleichen Teams Meister.