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Lieber Phil Geld

03. Mai 2012 09:08; Akt: 04.05.2012 00:10 Print

Schludriges Arbeitszeugnis - was tun?

Fabienne (38) wurde mit einem - in ihren Augen - fehlerhaften und unvollständigen Arbeitszeugnis konfrontiert. Was kann sie dagegen unternehmen?

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Der Mitarbeiter hat Anrecht auf ein vollständiges Arbeitszeugnis, das wahrheitsgetreu, wohlwollend und klar abgefasst ist.

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Lieber Phil Geld
Mein Arbeitgeber hat ein Arbeitszeugnis geschrieben, das mir in verschiedener Hinsicht missfällt. Es ist äusserst kurz ausgefallen und ist schludrig abgefasst. So enthält es viele nichtssagende Floskeln. Dabei habe ich den Verdacht, dass vordergründig positive Wertungen codiert sind. Dass sich dahinter also in Tat und Wahrheit vernichtende Kritiken verbergen. Wie gehe ich am besten vor?

Liebe Fabienne

Das Arbeitszeugnis ist ein nicht zu unterschätzendes Element für deine berufliche Zukunft. Deshalb ist es richtig, dass du es genau liest und auch Passagen hinterfragst. Du hast Anrecht auf ein vollständiges Arbeitszeugnis, das wahrheitsgetreu, wohlwollend und klar abgefasst ist.

Du musst dir keinesfalls ein schludriges Zeugnis gefallen lassen. Verlange vom Arbeitgeber, dass er sich dafür Zeit nimmt. Allfällige Ausreden deines Vorgesetzten über Stressphasen gelten nicht. In der Regel wird der Text von der Personalabteilung verfasst - mit Elementen aus einem Fragebogen, die der Vorgesetzte auszufüllen hat.

Codierte Zeugnisse sind nicht erlaubt. Insofern ist der Zusatz «es handelt sich hier um ein nicht codiertes Zeugnis» nicht nur unnötig, sondern auch verwirrend. Macht es doch gerade auf die Existenz von codierten Schreiben aufmerksam. In der Tat kann die unterschiedliche Auslegung verheerend sein. In einem normalen, legalen Zeugnis bedeutet «hohe Kompetenz», was es ist: Der Mitarbeitende zeigte eine hohe Professionalität; wobei es gewiss im Markt noch sehr kompetente Mitarbeitende geben würde. Die höchste Bewertungsstufe wurde zwar nicht erreicht; doch der Mitarbeitende war hoch kompetent. Punkt. In einem codierten Zeugnis könnte jedoch «hohe Kompetenz» mit Inkompetenz gleichgesetzt werden.

Nichtsdestotrotz muss man auch zwischen den Zeilen lesen. Wenn das Verhalten gegenüber den Kollegen und Vorgesetzten nur als «korrekt» wiedergegeben wird, könnte dies dann negativ interpretiert werden, wenn keine weiteren Verhaltensangaben gemacht werden (über freundlichen Umgang etc.).

Bitte beachte noch folgende Punkte:

Tipp 1: Mache den Arbeitgeber auf jene Passagen aufmerksam, die unrichtig oder schwammig sind. Schlage als Gegenvorschlag konkrete Korrekturen vor. In Klammern kannst du gewisse Korrekturen kurz begründen.

Tipp 2: Wenn das Unternehmen (z.B. ein KMU) tatsächlich mit einer professionellen Berichterstattung überfordert ist, dann mache selber einen Textvorschlag. Orientiere dich an älteren Dokumenten und an Vorlagen im Internet (siehe weiter unten).

Tipp 3: Häufig zu kurz kommen in Arbeitszeugnissen der konkrete Beschrieb der Aufgabenbereiche (inklusive Projektarbeiten) sowie die Aufzählung einzelner Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse. Genau dieser Teil wird jedoch vom künftigen Arbeitgeber speziell beachtet. Lasse diesen Teil unbedingt nachbessern.

Tipp 4: Du darfst vom Arbeitgeber auch während des Arbeitsverhältnisses jederzeit ein Zeugnis bzw. eine Arbeitsbestätigung verlangen. Sinnvoll ist dies etwa dann, wenn du andere Tätigkeitsbereiche erhältst sowie im Zuge von Änderungskündigungen.

Tipp 5: Jobportale geben wertvolle Ratschläge zu Bewerbungen, Interviews und Arbeitszeugnissen. Hier wirst du fündig: Jobwinner.ch; Jobscout24.ch; oder Jobs.ch.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hai max am 03.05.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selber in die Hand nehmen!

    Bei der letzten Stelle hab ich meinem Chef mein Arbeitszeugnis vorgeschrieben. Basta!

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  • Ueli am 03.05.2012 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    meine empfehlung

    Eingeschriebener Brief, Frist ansetzten und mit klage drohen. Dazu eine Stellungnahme verlangen, wieso das zeugnis schlecht ist. Klappt fast immer, keine Firma lässt sich auf einen solchen rechtsstreit ein, da er in der Beweispflicht ist und meist verliert. (Hatte grosse probleme mit dem Ex Chef und dieser Schritt half mir zu einem, m.Erachtens, verdienten guten zeugnis)

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  • 1-Bär am 03.05.2012 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prüflesen lassen

    Ich machte sehr gute Erfahrungen mit dem Beobachter. Eine Beraterin machte mich auf alle fragwürdigen Passagen aufmerksam und machte mir Vorschläge für eine bessere Formulierung. Mein Arbeitgeber übernahm diese Vorschläge mehrheitlich. Als Abonnent kostet diese Beratung weniger als 100 Franken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Chef am 03.05.2012 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Für was eigentlich Arbeitszeugnisse?

    Was nützt ein "perfektes" Arbeitszeugnis eines Stellensuchenden dem neuen Arbeitgeber denn , wenn es sich in Tat und Wahrheit aber beim Bewerber um einen schlechten, nachlässigen oder einfach unzuverlässigen künftigen Mitarbeiter handelt? Das ist doch eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, die "perfekte Occassion" also, mit gravierenden aber vorerst gut versteckten Mängeln.

  • Jamc am 03.05.2012 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig ist

    nicht unbedingt was drinn steht, sondern was fehlt. Je kürzer, desto schlechter. Am besten lass es durch ein Headhunter durchleuchten.

  • Mr X am 03.05.2012 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch blauäugig...

    ...heute heisst es meistens: "Wenn sie freiwillig kündigen, bekommen sie ein gutes Zeugnis. Hingegen, falls wir ihnen kündigen müssten..."

  • Andy M am 03.05.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängige Prüfstelle beiziehen!

    Wenn man damit nicht einverstanden ist & nicht der Wahrheit entspricht sofort den nächsten Vorgesetzten vorlegen & auch die anderen Mitarbeiter evtl. beiziehen als Zeugen, den die wissen sicherlich auch was über die Mitarbeiterin. Verschluesselte Arbeitszeugnisse gar nicht tollerieren, den dies sind gemeine Tricks von den Personalverantwortlichen um dem Mitarbeiter die Zukunft sehr schwer zu machen (findet oftmals nur mühsam eine neue Arbeitsstelle). Solche Personen sollte man auf eine Schwarzeliste setzen oder sogar kündigen. Unfair jemanden das Leben extra noch schwieriger zu machen!

  • Ueli am 03.05.2012 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    meine empfehlung

    Eingeschriebener Brief, Frist ansetzten und mit klage drohen. Dazu eine Stellungnahme verlangen, wieso das zeugnis schlecht ist. Klappt fast immer, keine Firma lässt sich auf einen solchen rechtsstreit ein, da er in der Beweispflicht ist und meist verliert. (Hatte grosse probleme mit dem Ex Chef und dieser Schritt half mir zu einem, m.Erachtens, verdienten guten zeugnis)

    • Sarah am 03.05.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      bisschen heftig nicht???!!??

      wahrscheinlich kann man das ganze auch ohne drohungen lösen... find ich schon ein bisschen sehr krass deine aussage...

    • Stefan W. am 03.05.2012 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      Und dann?

      Wenn der nächste potentielle Chef sich dann telefonisch erkundigt, würde ich allerdings erwâhnen, dass Ueli mir mit einer Klage gedroht hat, falls ich das Zeugnis nicht so schreibe, wie er will....

    • Tom am 07.05.2012 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hart,Härter...

      Nein die Aussage ist ganz und gar nicht deftig oder übertrieben.Die Firmen machen was sie wollen und nützen die schlechte Wirtschaftslage total aus.Sie brechen rekord Einnahmen,jedoch Bonus wird gestrichen usw.Nicht anderst ist es mitt Zwischen Zeugniss oder Zeugniss,will ein guter Mittarbeiter aufgrund nicht eingehaltenen Versprechungen seine Stelle wächseln,kann man ihn sehr gut mit einen schlechten Zeugniss halten..so einfach ist das..

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