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Lieber Phil Geld

11. Mai 2012 11:01; Akt: 23.06.2012 13:13 Print

Darf mein Chef «Big Brother» spielen?

Raphael (44) fühlt sich dauernd beobachtet. Er verdächtigt den Chef, dass er seinen Mailverkehr kontrolliert. Ist das eigentlich zulässig?

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Für Unternehmen ist es heute eine Kinderspiel, den Mailverkehr der Mitarbeitenden zu überwachen. (Bild: Keystone/Patrick Straub)

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Lieber Phil Geld,
Ich bin im Verkauf tätig. Die Aussagen meines Chefs lassen darauf schliessen, dass er mich in meiner Tätigkeit extrem kontrolliert. Er ist über die Intensität des E-Mail-Verkehrs in unserer Abteilung bestens informiert. Manchmal habe ich sogar den Verdacht, dass er meine Mails liest. Wie sieht rechtlich die Situation aus?

Liebe Raphael

Selbstverständlich hat dein Chef kein Recht, deine Mails zu lesen. Das wäre nicht nur ein Vertrauensbruch, sondern ebenso eine klare Verletzung deiner Persönlichkeitsrechte. Der Arbeitgeber muss deine Privatsphäre respektieren. Kommt hinzu, dass eine dauernde Überwachung nicht nur illegal ist, sondern auch das Arbeitsklima vergiftet.

Obwohl dies heutzutage in Mode kommt, bin ich darüber hinaus skeptisch, was die quantitative Auswertung des Mail- und Internetverkehrs angeht. Kommt hinzu, dass gesendete und empfangene E-Mails keinen hinreichenden Indikator für die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters oder eines Teams bilden. Hingegen kann der Abteilungschef durchaus Wasserstandsmeldungen bezüglich Kundenkontakten verlangen.

Heute müssen Mitarbeitende in vielen Betrieben beim Stellenantritt Datenschutzreglemente unterschreiben - zum eigenen Schutz sowie zum Schutz der Firma, geht es doch oft um die sorgfältige Behandlung von vertraulichen Firmendaten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Häufig ist in diesen Reglementen auch festgehalten, dass im Verdachtsfall (z.B. Pornographie-Konsum) der Internetverkehr des betreffenden Mitarbeitenden überwacht werden darf. Das ist ebenfalls rechtens. Die Privatsphäre des Arbeitnehmers findet dort ihre Grenzen, wo sie mit den Geschäftsinteressen oder mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat sich dezidiert zur Überwachung der Brief- und elektronischen Post geäussert: Demnach darf der Arbeitgeber den Inhalt von als privat gekennzeichneten oder erkennbaren E-Mails selbst dann nicht lesen, wenn die private E-Mail-Nutzung laut Nutzungsreglement verboten ist. Ferner ist eine systematische Überwachung von E-Mails durch Spionprogramme (Content Scanner) nicht zulässig. Erlaubt sei dem Arbeitgeber hingegen die Leistungs- und Geschäftskontrolle. Das systematische Auswerten von geschäftlichen und nicht ausdrücklich als privat gekennzeichneten E-Mail müsse jedoch gerechtfertigt und verhältnismässig sein und den Angestellten im Voraus mitgeteilt werden.

Freundlich grüsst

Phil Geld
phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 11.05.2012 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Chance nutzen!

    Diesen Verdacht hatte ich auch. Ich habe also einer Mitarbeiterin von uns eine Mail geschrieben, und darin auch einige böse Worte über die Leitung der IT gelassen. Zack, wurde ich gerügt und mein Mailaccount gesperrt. 2 Minuten später hatten sie meine Kündigung auf dem Tisch, 2 Monate später hatte ich meine Abfindung von 4 Monatslöhnen da ich drohte sie zu Verklagen. Da der betreffende IT Chef schonmal vor Gericht sass und auf Bewährung war (wegen Wirtschaftsspionage) wollten sie blos nicht das ich vor Gericht gehe.

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  • Horst B. am 11.05.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Gefühl von Privatsphäre im Büro

    Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer vorgängig informieren, welche Daten ausgewertet werden. Stellt der Arbeitgeber Infrastrukturen zur Verfügung (z.B. Notebooks) kann der Arbeitgeber mehr Rechte zur Auswertung des eigenen Inventars einräumen. Oft gibt es Regeln, die eingehalten werden müssen (z.B. keine Installation von unerlaubter Software, mässiges privates Surfen) und diese dürfen auch "gemessen" werden. Wer sich korrekt verhält, hat nichts zu befürchten. Jeder Missbrauch (beidseitig!) kann jedoch geahndet werden!

  • D.D. am 11.05.2012 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Stumpfsinniger Beitrag

    In der heutigen Zeit besitzt jeder ein Smartphone. Wer dann noch über Firmen PCs Mails schreibt oder in Social Networks surft, sich dann noch Gedanken macht ob das kontrolliert werden kann, ist selber Schuld. Sicherlich ist eine Spionage nicht rechtens. Aber welche grössere Firma macht das nicht? Ist zwar kein Beweis, aber dennoch hat man dann irgendwie die A...Karte gezogen, wenn man auf dem Radar ist. Vor allem, wenn ich das Gefühl einer Kontrolle schon habe, dann lasse ich solche Sachen definitiv sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • D.D. am 11.05.2012 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Stumpfsinniger Beitrag

    In der heutigen Zeit besitzt jeder ein Smartphone. Wer dann noch über Firmen PCs Mails schreibt oder in Social Networks surft, sich dann noch Gedanken macht ob das kontrolliert werden kann, ist selber Schuld. Sicherlich ist eine Spionage nicht rechtens. Aber welche grössere Firma macht das nicht? Ist zwar kein Beweis, aber dennoch hat man dann irgendwie die A...Karte gezogen, wenn man auf dem Radar ist. Vor allem, wenn ich das Gefühl einer Kontrolle schon habe, dann lasse ich solche Sachen definitiv sein.

  • Ruedi Walser am 11.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    eigenverantwortung

    eine gewisse kontrolle ist schon ok, da es im interesse der arbeitgeberin liegen kann. die verhältnismässigkeit der kontrolle ist dabei zu beachten. ist die private nutzung der geschäftsmailadresse untersagt, so ist der arbeitnehmer selbst schuld, wenn er sich nicht daran hält und so der chef allenfalls einblick in private dinge erhält.

  • Jamc am 11.05.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben beantwortet ...

    Hier geht es wohl um den Privatgebrauch vom Internet & E-Mails. Jede Firma hat doch das Recht zu überprüfen in wiefern Internet & E-Mails für den Privatgebrauch missbraucht wird. Wer will schon jemandem 8 Stunden / Tag zahlen wenn er/sie 4 davon auf Facebook verbringt ?

    • D.D. am 12.05.2012 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Richtige Aussage

      ...ganz Deiner Meinung. Im Umkehrschluss würden wir gleich handeln.

    einklappen einklappen
  • IT ler am 11.05.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutzfragen

    Beantwortet alle Fragen korrekt.

  • Amonymus am 11.05.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig :-)

    Hier ärgert sich einer dass seine Mails evtl. gelesen werden, aber abends wird dann sicher fröhlich bei Facebook gechattet, ohne sich auch nur einen einzigen Gedanken darüber zu machen, das FB unter Garantie auch mitliest. Facebook + Schutz der Privatsphäre? Träumt weiter!!!

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