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Lieber Phil Geld

01. Juli 2014 12:35; Akt: 01.07.2014 12:41 Print

Wieso gibts keine Zulagen für Sonntagsarbeit?

Georg (28) arbeitet manchmal abends und auch an Sonn- und Feiertagen. Wieso erhält er keine Lohnzulagen?

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Lohnzulagen sind für Abendarbeit nicht vorgeschrieben. Nacht- und Sonntagsarbeit hingegen ist bewilligungspflichtig. Davon ausgenommen sind Gruppen von Betrieben wie Krankenhäuser, Telekommunikationsbetriebe, Betriebe für Reisende. (Bild: Colourbox)

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Lieber Phil Geld

Ich arbeite bei einer Personentransportfirma; manchmal auch nach 20 Uhr und an Sonn- und Feiertagen. Trotzdem erhalte ich immer denselben Lohn und nie Lohnzulagen für die unzeitige Arbeit. Ist das zulässig?

Lieber Georg

Das Arbeitsgesetz unterscheidet zwischen Tagesarbeit von 6 bis 20 Uhr, Abendarbeit von 20 bis 23 Uhr und Nachtarbeit von 23 Uhr bis 6 Uhr. Die Abendarbeit ist im Gegensatz zur Nachtarbeit und zur Sonntagsarbeit nicht bewilligungspflichtig. Der Arbeitgeber kann sie einführen, nachdem er die Arbeitnehmerschaft angehört hat (Art. 10 ArG).

Lohnzulagen oder Zeitkompensation sind für Abendarbeit nicht vorgeschrieben. Nacht- und Sonntagsarbeit hingegen ist bewilligungspflichtig. Davon ausgenommen sind Gruppen von Betrieben wie beispielsweise Krankenhäuser, Telekommunikationsbetriebe, Betriebe für Reisende. Unter letztes Beispiel fällt wahrscheinlich auch die Personentransportfirma, bei der du angestellt bist.

Wer nur ab und zu (weniger als 25 Nächte pro Jahr) ab 23 Uhr arbeitet, hat Anspruch auf eine Lohnzulage von 25 Prozent (ArG 17b und ArGV1 31). Wer regelmässig nachts arbeitet, wird mit zusätzlicher Freizeit entschädigt – nämlich mit 10 Prozent der in der Nacht gearbeiteten Stunden. Diese Zeitkompensation fällt aber weg, wenn durchschnittlich nicht länger als sieben Stunden gearbeitet wird, wenn nur in vier Nächten pro Woche gearbeitet wird, oder wenn gemäss Gesamtarbeitsvertrag eine andere, gleichwertige Regelung zur Anwendung kommt. Erhältst du keine Lohnzulage und keine Zeitkompensation, gehe ich davon aus, dass deine Arbeit jeweils vor 23 Uhr beendet ist.

Für die Entschädigung der Sonntagsarbeit wird ebenfalls unterschieden zwischen regelmässiger oder sporadischer Sonntagsarbeit. Wer ausnahmsweise – nicht mehr als sechsmal pro Jahr – am Sonntag arbeiten muss, hat für seine Sonntagseinsätze Anspruch auf eine Lohnzulage von 50 Prozent (ArG 19). Wer regelmässig an Sonn- und Feiertagen arbeitet, hat keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Lohnzulage. Man geht davon aus, dass die Sonntagsarbeit bereits im Grundlohn berücksichtigt ist.

In beiden Fällen hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die zeitliche Kompensation der Sonntagsarbeit (ArG 20). Weniger als fünf Arbeitsstunden am Sonntag können während der Woche eins zu eins kompensiert werden. Bei mehr als fünf Stunden hat man Anspruch auf einen Ersatzruhetag von 24 Stunden in der vorhergehenden oder in der nachfolgenden Woche. Mitarbeitende von Personentransportfirmen arbeiten in der Regel mehr als sechs Sonntage pro Jahr. Deshalb erhältst du wohl keine Lohnzulage. Anrecht hast du in diesem Fall aber auf die zeitliche Kompensation der gearbeiteten Sonntage.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dm am 01.07.2014 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    manchmal auch nicht

    ich habe mich mal bei einer apotheke am bhf beworben, wo ich 2 somntage pro monat gearbeitet hätte und der Lohn wäre gerade einmal bei 3800.- gelegen... soviel zum thema eingerechnet....

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  • flo am 01.07.2014 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zyniker

    es ist eben gerade nicht im grundlohn bereits berücksichtig. was der gesetzgeber denkt ist das eine, was die wirtschaft daraus macht das andere. insofern braucht es kontrollen und transparenz. ausserdem einfachere gesetze.

  • Mike am 01.07.2014 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeits- und Ruhezeitverordnung

    Wer beruflich Personen befördert, der untersteht der ARV1. Hier ist klar geregelt, wie es sich mit den Arbeits- und Ruhezeiten verhält. Daher muss auch die gesamte Tätigkeit anhand eines Fahrtenschreibers protokoliert werden und die Zeiten bei einem anderen Unternehmen als Auszug.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gastro am 02.07.2014 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gastgewerbe

    Also ich arbeite in der Gastronomie und wir arbeiten nach L-GAV. Hier bekommt man für Nachtarbeit auch zeit bzw lohnzuschlag wie im artikel beschrieben. Meist jedoch nur zeitzuschlag da es normal ist an mehr als 25 tagen im jahr nachts zu arbeiten. ausserdem kann mann in der Gastro die Nachtarbeitszeit unterschiedlich def. 22.00-5.00/23.00-6.00/24.00-7.00) und dadurch zulagen vermeiden. bei den modernen zeiterfassungssystemen, merkt der an die zulagen wahrscheindlich gar nicht bzw. 50% der ma interessiert eh nicht was genau auf dem lohnzettel steht...

  • Robi am 01.07.2014 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liegt wohl in der Natur der Sache

    Sorry, aber Fragen gibt es manchmal... Wie der Nachtwächter, der sich fragt, warum er keinen Nachtzuschlag erhält...

  • Moni am 01.07.2014 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    je nach dem!

    Jeder Arbeitgeber sitzt am längen hebel. Reklamiere ich und komme mit dem das Arbeitsgesetz schreibt das und das so vor bin ich bald meinen Jop los obwohl ich im recht wäre. Werden dann Reverenzen eingeholt ohne erlaubniss heisst es sehr schnell,pass auf der reitet ständig auf dem Arbeitsgesetz herum. Eine Anstellung kannst du dann lange vergessen. Ein Bekannter von mir gab sich als eventuellen neuen Chef aus und staume was alles erzählt wurde obwohl das nicht zulässig ist gab meon ex Chef bereitwillig auskunft. Ihn hätte ich auch so nie als Reverenzadresse angegeben. Daher ist manchmal besser man schluckt und macht,aber am ende des Mt konnt die volle Lohntüte.

  • Daniel am 01.07.2014 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache eine arbeit

    Icb habe nach langer Arbeitslodigkeit einen solchen Jop angenommen, klar stimmt nicht alles, aber ich habe Gott sei dank wieder eine Stelle. Mankmal muss man einfach ein Aug zu drücken um arbeiten zukönnen. Ps ich bin noch nicht 50 und nicht schlecht Qualiviziert.

    • Lol am 01.07.2014 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Haha

      Sorry aber ich glaube nicht, dass Sie gut "qualiviziert" sind.. Weiss auch nicht genau wieso, aber mein Bauchgefühl sagt es mir ;-)

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  • flo am 01.07.2014 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zyniker

    es ist eben gerade nicht im grundlohn bereits berücksichtig. was der gesetzgeber denkt ist das eine, was die wirtschaft daraus macht das andere. insofern braucht es kontrollen und transparenz. ausserdem einfachere gesetze.

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