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Lieber Phil Geld

12. Januar 2015 11:24; Akt: 12.01.2015 11:25 Print

Muss ich dem Lehrmeister das Handy abgeben?

Fabio (18) soll tagsüber sein Handy seinem Lehrmeister abgeben. Ist das erlaubt?

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Der Arbeitgeber darf ein Handyverbot am Arbeitsplatz aussprechen. Das Einziehen der Handys geht in der Regel aber zu weit. (Bild: Sigrid Olsson)

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Lieber Phil Geld
Wir Lehrlinge hatten neulich mit unserem Lehrmeister eine Sitzung. Er teilte er uns mit, dass wir unsere Handys sowie Smartphones tagsüber abgeben müssen und es nur noch während der Mittagspausen sowie nach Feierabend wiederbekommen. Ist das zulässig? Und was passiert, wenn ich in einem Notfall nicht erreichbar bin?

Lieber Fabio

In der Schweiz hat bisher noch kein Gericht über diese Frage entschieden. Vor einigen Jahren hat aber ein deutsches Arbeitsgericht entschieden, dass der Arbeitgeber ohne Weiteres ein Verbot für die Benützung von Handys und Smartphones am Arbeitsplatz erlassen kann. Im konkreten Fall stellte sich das Arbeitsgericht sogar auf den Standpunkt, dass ein solches Verbot gar nicht ausgesprochen werden müsse. Vielmehr wurde vorgebracht, dass sich das Verbot der aktiven und passiven Handynutzung während der Arbeitszeit schon aus der Arbeits- und Treuepflicht des Arbeitnehmers ergebe.

Nach Schweizer Arbeitsrecht ist die private Handy- oder Internetnutzung am Arbeitsplatz grundsätzlich eine Pflichtverletzung des Arbeitnehmers. Ausser in Notfällen oder bei nicht aufschiebbarer Dringlichkeit darf ein Arbeitnehmer sein Handy am Arbeitsplatz nicht benutzen.

Dein Argument mit dem Notfall greift allerdings nicht. In einem echten Notfall kann der Lehrbetrieb telefonisch erreicht werden. Zudem gewährleistet der Besitz eines Handys noch keine dauerhafte Erreichbarkeit.

Ein entsprechendes Verbot des Arbeitgebers für die Handynutzung wäre daher rechtens. Ein Verstoss könnte grundsätzlich eine Verwarnung, Kündigung oder gar eine Schadenersatzforderung zur Folge haben.

Das Einziehen und Wegschliessen von privaten Gegenständen am Arbeitsplatz geht aber weit über ein Verbot der Telefonbenützung hinaus. Ob ein solches Vorgehen zulässig ist, bleibt letztlich Ermessensfrage. Nach Art. 321d OR darf der Arbeitgeber Weisungen erteilen. Der Arbeitnehmer muss diese Weisungen so weit befolgen, wie ihm nach Treu und Glauben zumutbar ist. Diese Bestimmung gilt für den normalen Arbeitsvertrag, genauso aber auch für den Lehrvertrag.

Aus meiner Sicht geht es über das Zumutbare hinaus, dass der Arbeitgeber präventiv in das Eigentum der Lehrlinge, beziehungsweise seiner Arbeitnehmer, eingreift. Das wäre – wenn überhaupt – nur dann gerechtfertigt, wenn die Einziehung sachlich gerechtfertigt wäre, etwa aus Datenschutz- oder Sicherheitsgründen. In einem gewöhnlichen Lehrbetrieb sollte aber ein gewöhnliches Verbot ausreichen. Die Wegnahme der Geräte bis Arbeitsschluss als Sanktion wäre hingegen zulässig.

Dass die präventive Einziehung von Handys und Smartphones unverhältnismässig ist, ergibt sich in meinen Augen aus Art. 321d II OR in Verbindung mit Art. 2 ZGB.

Würde aber eine Weigerung, das Handy abzugeben, zu einer Kündigung führen, wäre die Kündigung wohl ungerechtfertigt.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat Heiniger am 12.01.2015 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrmeister wird seine Gründe haben

    Vermute einmal, dass Fabio und seine Kollegen während der Arbeitszeit ständig mit ihren Handy/Smartphone beschäftigt waren. Dann ist ein solcher Entscheid seitens des Lehrmeisters absolut nachvollziehbar!

  • Gustav am 12.01.2015 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lernen

    Du möchtest während deiner Lehre bestimmt möglichst viel lernen. Also brauchst du wohl dein Handy während der Arbeit nicht ;)

    einklappen einklappen
  • Hampi am 12.01.2015 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Besser man nimmt den Smartphonejunkies (egal ob jung oder alt) das Smartphone während der Arbeit weg, als das man zusätzlich die seriösen Mitarbeiter mit einem generellen Handyverbot am Arbeitsplatz bestraft! Und wenn ich unsere zwei "glorreichen" Nachwuchskräfte in der Bude anschaue, dann sind sie Gefühlte 4-5h am Tag nur mit ihrem Smartphone beschäftigt....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dingo am 13.01.2015 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Je nach Beruf und leistung der Arbeitnehmer fände ich es voll in Ordnung, wenn dieser auch hin und wieder mal zum privaten Telefon greift. Je nachdem wieso er dieses für nötig erachtet, würde es der Person vielleicht gut tun, Dinge aus der Welt zu schaffen, welche ihn sonst den ganzen Tag verfolgen würden. Dies könnte dann auch Motivation und Tatkraft steigern. Wenn jemand den ganzen Tag nur am Tratschen oder Spielen ist, wäre es aber auch in Ordnung klare Grenzen zu setzen. So meine Meinung.

  • marc am 12.01.2015 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    handy brauchen

    bin selber lehrling und ich nehme mir das recht aufs handy zu schauen während der arbeit. andere bei uns rauchen bis zu 1.5 stunden pro tag auf arbeitszeit....

  • Mike am 12.01.2015 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher:-)

    Wenn ich zurückdenke an meine Lehrzeit, wäre ich froh gewesen ein anständiges Smartphone gehabt zu haben. Womit ich Fotos hätte machen können von meiner Arbeit. Stattdessen hatten wir eine schittere Polaroid Kamera. Auch wäre es mir leichter gefallen mein Arbeitstagebuch zu führen. Ich musste zum Glück nur in den ersten 2 Jahren eines führen, weil sich ja eh alles wiederholt. Und weiter hätte ich noch heute Bilder davon.

  • Bürger am 12.01.2015 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gut für Dokus

    Generell wegsperren ist sicher nicht die Lösung. Chats und Sozialmedias verbieten finde ich ok. Geräte können auch fürs Lernen gebraucht werden wie zB. für Dokumentationen von Arbeiten, technischen Details oder Endprodukten. Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte.

  • Tiberius am 12.01.2015 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    ganz ruhig Kleiner

    Bei einem Notfall (und zwar einem echten Notfall), würde man einfach deinen Lehrmeister kontaktieren, der dir dann die Hiobsbotschaft überbringen wird. Das Handyverbot ausserhalb der Pausen ist berechtigt und wird dir nur gut tun.

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