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Lieber Phil Geld

06. Dezember 2016 14:20; Akt: 06.12.2016 14:20 Print

Sind Preisangaben im Internet verbindlich?

Andreas (41) hat im Internet ein Smartphone bestellt. Beim Abholen im Geschäft wurde ein höherer Preis verlangt. Ist das okay?

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Auch beim Onlineshopping kann ein Irrtum die Unverbindlichkeit eines Vertrags zur Folge haben. (Bild: Keystone)

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Lieber Phil Geld
Vergangene Woche habe ich mir ein neues Smartphone bestellt. Es wurde für 260 Franken angeboten. Als ich nun diese Woche das bestellte Smartphone abholen wollte, sagte mir der Verkäufer, dass ihnen ein Fehler unterlaufen sei und sie mir das Smartphone nur zum Preis von 860 Franken aushändigen können. Ist das erlaubt, beziehungsweise muss ich tatsächlich den höheren Preis bezahlen? Ich dachte, eine Preisangabe ist verbindlich?

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Mussten Sie auch schon für etwas mehr bezahlen als angegeben?
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21 %
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Insgesamt 84 Teilnehmer

Lieber Andreas

Grundsätzlich gilt, dass Auslagen von Waren mit Preisangaben verbindlich sind (Art. 7 Abs. 3 OR). Als Auslagen gelten dabei Schaufenster, Vitrinen oder Regale im jeweiligen Ladenlokal sowie auch solche im Freien. Die Ware muss – falls sie gekauft wird – unmittelbar ausgehändigt und mitgenommen werden können (Abschluss eines sogenannten Handgeschäfts).

Bei der Versendung von Tarifen, Preislisten und ähnlichem (Prospekte, Inserate, Kataloge, etc.), liegt in aller Regel keine bindende Offerte im Sinne von Art. 7 Abs. 3 OR vor (Art. 7 Abs. 2 OR). Der Grund liegt dabei in der meist wahllos an die Allgemeinheit gerichtete Verbreitung solcher Versendungen. Darum soll der Versender nicht riskieren, dass sein Leistungsvermögen überschritten wird. Zu beachten ist, dass bloss an einzelne Adressaten und individualisiert versandte Tarife unter Umständen als verbindlich angesehen werden können.

Im elektronischen Geschäftsverkehr beziehungsweise bei Online-Angeboten gelten grundsätzlich die gleichen Grundsätze. Damit diese allerdings als verbindlich angesehen werden können, müssen die Waren hinreichend spezifiziert und mit konkreten Preisangaben angeboten werden.

Ein Konsument, der nach einer Bestellung eine Online-Bestätigung erhält, darf sich grundsätzlich auf diese verlassen. Allerdings gibt es von dieser Regel eine wichtige Ausnahme. Von der Verbindlichkeit eines (Online-)Angebots kann nicht ausgegangen werden, wenn zwar ein Vertrag abgeschlossen wurde, sich später allerdings herausstellt, dass man sich in einem wesentlichen Vertragspunkt geirrt hat.

Dann ist der Vertrag unverbindlich. Man spricht von einem sogenannten Erklärungsirrtum (Art. 24 Abs. 1 Ziff. 1-3 OR). Der Verkäufer kann sich allerdings nicht auf einen Erklärungsirrtum berufen und sich weigern, den betreffenden Artikel herauszugeben, wenn es sich nicht um einen offensichtlichen, und für jeden Konsumenten klar erkennbaren, Irrtum handelt. Wird aber beispielweise eine Perlenkette irrtümlicherweise mit 1380 Franken statt mit 13 800 Franken angeschrieben, so kann sich der Verkäufer auf einen Erklärungsirrtum berufen und sich weigern, den betreffenden Artikel herauszugeben.

Soweit hier beurteilbar, hat der Online-Anbieter das Smartphone im Internet wohl zu einem falschen Preis angepriesen. Zwar möchte er das Smartphone verkaufen, jedoch zu einem bedeutend höheren Preis. Daher ist der Online-Anbieter womöglich berechtigt, das Smartphone zurückzubehalten, und kann nicht gezwungen werden, das Smartphone zum (deutlich) niedrigeren Preis herauszugeben.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 06.12.2016 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die Sache ist doch klar

    Wenn ein Smartphone, das gewöhnlich über 800 Franken kostet, mit 260 Franken angeschrieben ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: a) etwas ist faul an der Sache (Fälschung, Hehlerware, o.ä.) oder b) es handelt sich offenbar um einen Irrtum.

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  • Vima5 am 06.12.2016 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verkäuferin

    ist irgendwie witzig das fast alle verständnis haben bei diesem artikel wenn bei uns im laden mal was falsch angschrieben ist hat niemand verständnis komisch würde ich mal sagen.

  • Herr Bünzliger Theophil am 06.12.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Herr Andreas, wenn eine echte Rolex Uhr oder ein neuer Audi RS8 mit 99.-- SFr angeschrieben ist, muss man davon ausgehen das ein Fehler darliegt

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vima5 am 06.12.2016 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verkäuferin

    ist irgendwie witzig das fast alle verständnis haben bei diesem artikel wenn bei uns im laden mal was falsch angschrieben ist hat niemand verständnis komisch würde ich mal sagen.

  • O. N. Lineshopper am 06.12.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    CDs, DVDs, Kleider etc.

    Ich verlasse mich ganz auf bewährte Online-Shops mit günstigen Preisen. Immer wieder erhalte ich auch Gutscheine vom einen oder anderen. Damit und weil sie eh schon günstig sind, brauche ich nicht zu vergleichen. Namen darf ich hier nun wohl nicht nennen.

  • Herr Bünzliger Theophil am 06.12.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Herr Andreas, wenn eine echte Rolex Uhr oder ein neuer Audi RS8 mit 99.-- SFr angeschrieben ist, muss man davon ausgehen das ein Fehler darliegt

  • Freidenker am 06.12.2016 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sehe ich nicht ein...

    Das ist eine gängige Masche von Online-Shops, besonders bei Artikel wo der Konkurrenzdruck hoch ist (eben z.B. Smartphones) : Online sehr günstige Preise anbieten, Kunde bestellt, Ware muss abgeholt werden, Kunde wird in den Laden und von der Konkurrenz weg gelockt, vor Ort dann plötzlich höherer Preis, aber immernoch etwas günstiger als bei der Konkurrenz, Kunde greift zu, voilà!260 statt 860, für ein Handy das mit Abo 0.- kostet = NICHT offensichtlich für den Kunden!

    • Der Ironiker am 06.12.2016 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Freidenker

      Gängig? Ich shoppe sehr viel Online, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Es würde auch keinen Sinn machen dem Kunden einen dreifach so hohen Preis aufzuschwatzen, denn dann wäre schnell die Reputation des Shops im Keller.

    • Freidenker am 06.12.2016 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Der Ironiker

      Bei Elektronik wird das öfter gemacht, auch in den Läden selbst (angeblich die Preisschilder falsch platziert, oder die Spezifikationen vertauscht). Auch beliebt: Angeblich hohe Verfügbarkeit von streng limitierter Ware im Onlineshop, Kunde bestellt und bezahlt, Artikel kann dann aber nicht geliefert werden, weil bereits vergriffen - Der Artikel bleibt trotzdem im Katalog! Amazon macht das ständig!

    • Tech Guy am 06.12.2016 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freidenker

      Ist leider nicht alles schwarz oder weiss. Verfügbarkeitsanzeigen sind meistens genau das was das Lager hergibt. Auch Liefertermine können die Onlineshops oftmals nicht viel machen als zu aktualisieren was die Lieferanten und Hersteller ihnen angeben. Habe bei einem grösseren Lieferanten für Elektronik gearbeitet. Preisfehler können viele Ursachen haben. Viele Online Shops arbeiten mit Datenfiles wo die Lieferanten täglich Preis und Stock aktualisieren können. Hier könnte der Fehler gewesen sein dass fälschlicherweise ein anderer Artikel der günstiger ist als Einkaufspreis gebommen wurde ;)

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  • Martial2 am 06.12.2016 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Preis ist entscheidend...

    Wenn ein Jaguar im Auto Ricardo mit 6'500 CHF inseriert wird statt 65'000 CHF, dann nehme ich das Auto zum ersten Angebot, wie gedruckt und gesehen... Sonst kann der Verkäufer noch 2 Jahre lang inserieren, ich nehme es nicht. Einen solchen Text muss man drei mal lesen, sonst ist er missverständlich und nicht akzeptabel !

    • Patrick am 06.12.2016 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Ricardo ist auch kein Onlineshop sondern ein Online Auktionshaus. Bei einer Auktion kann ich auch die Airfocre One für 1.- kaufen wenn niemand einen höheren Betrag bietet.

    • Martial2 am 06.12.2016 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Auktionshaus ist nicht korrekt, dann gibt's ein Richter der zum höchsten Preis die Ware preis gibt. Ricardo ist ein Vermittler, der nach dem Kauf eine Provision verlangt !

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