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Lieber Phil Geld

01. Dezember 2018 15:29; Akt: 01.12.2018 15:32 Print

Angetrunken gestürzt – zahlt die Versicherung?

Leo (21) ist angetrunken vor seiner Haustür gestürzt. Dabei hat er sich eine Knieverletzung zugezogen. Zahlt hier die Unfallversicherung?

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Bei selbstverschuldeten Unfällen kann die Unfallversicherung die Leistung kürzen oder verweigern. (Bild: «Hangover» / Warner)

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Lieber Phil Geld
Letztes Wochenende ging ich mit Freunden feiern. Aus einem Glas Alkohol wurden natürlich schnell zwei, drei Gläser mehr. Um sechs Uhr morgens machte ich mich schliesslich auf den Heimweg. Kurz vor meiner Wohnungstür stürzte ich blöderweise die Treppe hinunter. Dabei zog ich mir einige Schürfwunden sowie eine ziemlich üble Knieverletzung zu. Kann ich diesen Vorfall über die Unfallversicherung abwickeln oder ist mein Sturz nicht als Unfall zu werten?

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Findest du, die Unfallversicherung sollte in Leos Fall zahlen?

Lieber Leo

Nicht jeder Vorfall, der umgangssprachlich als Unfall bezeichnet wird, stellt aus rechtlicher Sicht auch einen dar.

Aus rechtlicher Sicht ist ein Unfall jede plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).

Die Einwirkung muss einmalig und unvorhersehbar sein. Eine Verletzung, die schleichend entsteht, wird demnach nicht als Unfall, sondern als Krankheit betrachtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschwerden plötzlich oder langsam auftreten. Entscheidend ist vielmehr, ob es sich um eine ungewöhnliche äussere Einwirkung handelt oder nicht. Praktisch immer als Unfall gelten Verletzungen, die man sich bei einem Sturz oder Zusammenstoss zuzieht. Denn laut Bundesgericht stört beides den natürlichen Bewegungslauf «programmwidrig», womit die Ungewöhnlichkeit gegeben ist.

Wird eine Verletzung nicht durch einen Unfall verursacht, kann die Unfallversicherung die Erbringung von Leistungen verweigern. Allfällige Arzt- und Heilungskosten können diesfalls über die Krankenkasse abgewickelt werden. Im Unterschied zur Unfallversicherung verlangt die Krankenkasse allerdings via Franchise und Selbstbehalt eine Kostenbeteiligung des Patienten. Weiter bezahlt die Krankenkasse weder Taggelder für den Arbeitsausfall noch Renten im Invaliditätsfall.

Ebenfalls kann die Unfallversicherung die Erbringung von Leistungen verweigern oder kürzen, wenn der Verunfallte den Unfall selbst verschuldet hat. Bei einem Unfall wegen Alkoholeinfluss wird das regelmässig der Fall sein. In diesem Fall können Leistungen, insbesondere die Unfalltaggelder, um bis zu 20 Prozent gekürzt werden. Ob es im Schadensfall tatsächlich zu einer Kürzung der Versicherungsleistung kommt, hängt grundsätzlich aber immer vom konkreten Einzelfall ab.

Viele Versicherungen zeigen sich jedoch bei leichten, insbesondere Bagatellfällen kulant und übernehmen die Kosten. Deshalb rate ich dir, lieber Leo, den Unfall auf jeden Fall deiner Unfallversicherung zu melden.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • meko am 01.12.2018 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso solltest du

    oder einfach nichts vom alkohol zu erwähnen ?

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  • Trollgeflüster am 01.12.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Ding!

    Du bist über die Katze des Nachbars gestolpert. Punkt.

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  • Anonym, m, 32, SZ am 01.12.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clever

    Hab mir mal vor rund 10 Jahren im Vollsuff den Arm gebrochen, da ich besoffen über eine Eisfläche gerannt bin. Nach dem Bruch heim gegangen, geschlafen und am morgen nüchtern zum Spital. Hatte natürlich den Alkohol nicht erwähnt und es wurde als normaler Fall abgerechnet. Wusste bereits im Suff das es evtl versicherungstechnisch relevant sein könnte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seko am 03.12.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Situationsbedingt

    Ich bin auch angetrunken von einer Bank gefallen. Habe den Arm gebrochen und bin in der gleichen Nacht In Spital röntgen gegangen. Musste dann sogar operieren doch der Unfallversicherer zeigte sich kulant und machte keine Kürzungen, obwohl der Alkohol erwähnt wurde...

  • Eternal am 02.12.2018 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    To much

    Für was zahlt man denn das ganz jahr?!!! Geht die doch nichts an! Unfall ist Unfall, punkt.

    • Anneliese am 03.12.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      Unlogisch

      Zuerst ratet ihr dem Fragesteller ernsthaft, den Suff zu verschweigen und Versicherungsbetrug zu begehen. Und im nächsten Atemzug plärrt ihr weil die Krankenkassenbeiträge zu hoch sind

    • David R. am 03.12.2018 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      logisch

      da bin ich gleicher Meinung, aus diesem Grund habe ich meine Versicherung bei Generali - die verzichten nämlich auf das Recht bei Wagnisen zu kürzen.

    • René am 10.12.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      @David R.

      Darum sollte ich eine Unfallversicherung bei irgendeiner Versicherung abschliessen, wenn ich per Arbeitgeber über die SUVA zwangsversichert bin? Deine Logik verstehe ich nicht!

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  • Denk Zettel am 02.12.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hans was Heiri

    auf Grund eines schweren Arbeitsunfalles vor bald einer Ewigkeit, rieten mir die Chirurgen mit Nachdruck davon ab, den Unfall gegenüber der SUVA für abgeschlossen zu erklären, weil niemand allfällige Spätfolgen voraussehen könnte. 5 Jahre hat die Versicherung versucht meine Unterschrift zu erhalten. Erst nachdem ein Rückgriffsrecht vermerkt wurde habe ich unterschrieben. Soviel zur Ehrlichkeit der Versicherer. Ohne Tipps der Chirurgen sässe ich heute zwischen Stühlen und Bänken bzw Niemandsland zwischen SUVA und KK. Getrickst wird auch seitens der Versicherer!!

  • Gigi Monti am 02.12.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Gehen wir doch mal von Tatsachen aus: ein Bekannter von mir hatte in der Beiz Zuviel intus. Wollte zuerst nach Hause, unterwegs überlegte er sich's anders und kehrte in die Beiz zurück. Im Suff stürzte er die Treppe der Wirtschaft runter und blieb liegen. Weil niemand mehr in der Beiz war, auch der Wirt war heimgegangen, wurde er am anderen morgen entdeckt. Körperlich kam er nach dem Spitalaufenthalt, wieder auf die Beine aber geistig nur noch HÄLI HÄLI. Er bekam folgende Jahresrenten: AHV 34'164.-Fr., PK 14'487.-Fr., Suva 48'172.- Alles klar?

    • die Ritterin am 02.12.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gigi Monti

      Klar, fast 100'000.- Rente...

    • Name am 03.12.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      @die Ritterin

      Im Jahr, nicht pro Monat. XD

    • Realist am 04.12.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gigi Monti

      Jetzt habe ich doch die Krankheit "Häli Häli" nirgends im Pschyrembel gefunden... Ist die neu?

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  • Villiger Rudolf am 02.12.2018 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ja , aber------------------

    bei der Basler Versicherung gibt es zum Beispiel für den Haushalt eine Versicherung "inkl Grobfahrlässigkeit" also zum Beispiel Herdplatten brennen lassen, Fenster nicht schliessen und dann Gewitterschäden etc. dies natürlich gegen Aufpreis der Prämie. So sollte es auch sein "für ein Gläschen oder zwei zu viel"

    • David R. am 03.12.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      gibt es

      gibt es bei Generali, dort werden Wagnise auch gedeckt. Sie müssen, dann halt damit Leben, dass Sie auch Basejumper damit unterstützen ;)

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