Weltfrauentag

08. März 2011 12:31; Akt: 14.03.2011 10:36 Print

Frauen aufgepasst – die Störche sind da

Um Nachwuchs muss sich in diesem Jahr in Emmen wohl niemand sorgen. Pünktlich zum Weltfrauentag landeten sechs Störche in der Luzerner Gemeinde.

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In ganz Westeuropa gilt der Storch auf dem Dach als Kinderbringer und Frühlingsbote. Dass sich die Klapperstorch-Gemeinde am Dienstagmorgen in Emmen ausgerechnet rund um das Schulhaus versammelt hat, müsste eigentlich angesichts der alten Mär beunruhigend sein. Doch ausgerechnet am 8. März – dem Weltfrauentag – Störche in der Gemeinde zu haben, ist für Leser Philipp Böse ein gutes Zeichen: «Um den Nachwuchs scheint sich dieses Jahr hier niemand Sorgen machen zu müssen.» Der Leser-Reporter hat gleich sechs Weissstörche am frühen Morgen bei Minus vier Grad in der Luzerner Gemeinde fotografiert.

Der Schnappschuss ist nicht nur selten, sondern auch eine gute Nachricht. Die Weissstörche ziehen in der Regel bereits im Juli in den Süden und kehren erst im Frühling wieder zurück. Trotz der Popularität gibt es in der Schweiz nur zwischen 190 und 200 Paaren, schreibt die Schweizerisch Vogelwarte Sempach. Die Vögel sind fast so selten geworden wie Nachwuchs in der Schweiz, der Bestand erholt sich allerdings seit 2005 allmählich.

In Skandinavien beisst der Storch ins Bein

Eine Korrelation zwischen dem steigenden Storch-Bestand und der wachsenden Kinderrate in der Schweiz ist allerdings reiner Zufall. Zwar haben deutsche Forscher in Niedersachsen und Brandenburg statistisch belegt, dass mit der Zunahme der Störche auch der Nachwuchs zunahm. Die Wissenschaftler um Thomas Höfner vom Bundesinstitut für Risikobewertung wollten mit ihrer Studie «Neue Beweise für die Theorie vom Storch» beweisen, dass sich mit Statistik auch unsinnige Behauptungen belegen lassen.

Dem Mythos des Storches als Kinderbringer schadete dies allerdings nicht. Zu lange ist die Sage ein Teil der europäischen Kultur. Erste Belege gibt es bereits aus dem 17. Jahrhundert: «Klapperstorch, Langbein! Bring meiner Mutter ein Kind heim», lautet beispielsweise ein Kinderreim von 1678. Der Mythos soll allerdings noch viel älter sein und von Skandinavien den Weg nach Mittel- und Westeuropa gefunden haben. In skandinavischen Ländern beisst der Storch der Legende nach der Frau ins Bein, daraufhin muss sie das Bett hüten und der Storch bringt der Gebissenen ihr Baby.

Prüde Bürgerliche und der «Storch des Mannes»

Es gibt verschiedene Theorien, wieso gerade der Storch der Kinderbringer sein soll. Eine mögliche Erklärung ist der liebevolle Umgang der Störche mit ihren Jungen. Die Vögel leben zudem monogam. Andere Theorien begründen die Wahl mit dem Lebensraum der Störche. Wasser, Moore und Sümpfe galten nach altem Glauben als Aufenthaltsort ungeborener Seelen. Eine weniger abergläubische Sichtweise hat mit der Form des Schnabels zu tun – oder vielmehr mit seiner Grösse.

Früher war «des Mannes Storch» eine gerne gebrauchte Umschreibung für den Penis. Nach dieser Deutung wäre auch klar, wofür das weibliche Bein bei den Skandinaviern steht. Auf jeden Fall ist der Mythos des Storches im 19. Jahrhundert populär geworden, wie Michael Simon, Professor für Volkskunde an der Universität Mainz, dem «PM-Magazin» erklärte: «Die prüde bürgerliche Gesellschaft in Europa hat damals das Thema Sexualität verdrängt.»

(amc)