Süsses in Griffweite

07. November 2011 16:36; Akt: 07.11.2011 16:52 Print

Wie die Post die Kleinsten ködert

von A. Hirschberg - Während Migros quengelfreie Familienkassen einführt, positioniert die Post ihre Süssigkeiten auf Kinderaugenhöhe. Auf Reklamationen reagiert der gelbe Riese mit Erziehungsratschlägen.

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Welche Mutter und welcher Vater kennt das nicht: Man steht an der Kasse, ist mit aufs Band Legen, Zahlen und Eintüten beschäftigt und versucht, die Kasse nicht zu lange für den Nachfolger zu belegen. Währenddessen hängen einem die Kleinen an den Beinen, weil sie eine der Süssigkeiten aus dem Regal längs der Kasse wollen. Das ist Stress pur. Dies hat mittlerweile auch die Migros erkannt und nach jahrelangem Druck des Kosumentenschutzes süssigkeitenfreie Familienkassen eingeführt.

Doch während die einen abbauen, rüsten andere auf. Dazu gehört die Post. Sie hat in den letzten Jahren in zahlreichen Poststellen Süssigkeitenständer eingeführt. Der sogenannte Minikiosk steht auf dem Boden direkt neben dem Schalter. Erwachsene, die einen Schoggistengel wollen, müssen sich bücken. Für Kinder - insbesondere die ganz Kleinen - ist hingegen alles in Griffweite.

Geldangelegenheiten regeln und Kinder beaufsichtigen?

Ein Ärgernis für Eltern, weil gerade auf der Post oft heikle Geschäfte wie Zahlungen oder der Versand wichtiger Korrespondenz abgewickelt werden, bei denen Konzentration gefordert ist. «Wie soll ich gleichzeitig die Geldangelegenheiten regeln und die Kinder hinter mir vom Berühren der Süssigkeiten abhalten?», fragt darum Brigitte Hollinger aus Basel.

Sie ist nicht die Einzige, die sich über den Minikiosk ärgert. «Die sind für Eltern mit kleinen Kindern an der Stelle einfach nur mühsam. Dabei hätte es auf dem Tablar zwischen den Schaltern genügend Platz für sie», ärgert sich eine Mutter aus Zürich.

Erziehungslektion von der Post

Brigitte Hollinger hat nicht lange gefackelt, sondern einen Brief an die Post geschickt. Über die Antwort ist sie sehr enttäuscht. Denn Andreas Etter, Leiter Marketing-Kommunikation, erklärt der Mutter nicht nur, dass der Minikiosk beim Schalter zum Poststellen-Konzept gehöre. Er erteilte ihr auch gleich eine Lektion in Sachen Erziehung: «Einer Verlockung nachzugeben oder zu widerstehen ist eine Frage von Selbstverantwortung und Erziehung. Eine Unternehmung kann diese Verantwortung den Eltern nicht abnehmen.»

«Ich hatte eigentlich Kundenfreundlichkeit erwartet und nicht eine Belehrung», schreibt Hollinger in einem Mail an 20 Minuten Online. Doch die Post ist unnachgiebig: «Drittprodukte wie Handys, Papeterieprodukte oder Süssigkeiten sind für die Post wichtig», erklärt Pressesprecherin Nathalie Salamin gegenüber 20 Minuten Online. Weil sich die Menge, der am Schalter aufgegebenen Briefe und Pakete, innert 10 Jahren praktisch halbiert habe, sei dieses Verkaufssegment für die Erhaltung der Poststellen bedeutend.

Der Minikiosk sei zudem nicht das einzige Regal, das bis auf den Boden reiche, fügt Salamin an. Wichtig für die Platzierung sei, dass die Produkte die Aktivitäten am Schalter nicht stören. Und: «Wir zwingen niemanden, etwas zu kaufen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobi am 07.11.2011 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ich finde dies richtig. Ich kann meinen Kindern nein sagen. Es ist wichtig dass die Eltern endlich wieder nein sagen lernen. Mann kann nicht alles und immer haben.

  • K.D. am 07.11.2011 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die Post bring Post - und pasta

    Die "zusätzlichen" Dienste der Post sind lächerlich. Die sollen erst schauen, dass sie mit ihrem Kerngeschäft, nämlich Post ausliefern, klar kommen. Denn das können sie in Moment mehr schlecht als recht.

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  • Angela am 07.11.2011 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bald Pfannen und Unterwäsche zum Verkauf

    Die Initiative der Migros sollte ein Beispiel sein. Für ein kleines Kind ist es Versuchung pur und nicht immer eine Frage der Erziehung ! Zuhause lasse ich ja Süssigkeiten auch nicht rumliegen...und zudem verstehe ich nicht den Bezug zwischen Post und Minikiosk ! Sollen sie doch gleich auch noch Pfannen und Unterwäsche verkaufen um mehr Umsatz zu machen oder eher die Paketpreise senken, damit man vielleicht ein Paket mehr verschickt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Tritten am 09.11.2011 04:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Post, der Gemischtwarenladen!

    Wieso wird mir ein Millionenlos aufgedrängt? Wieso muss die Post alles Verkaufen? Die privaten Kioske werden aussterben. Die Post sollte sich ihrem Kerngeschäft widmen, und nicht zu einem Buntwarenladen werden.

  • J. Meyer am 08.11.2011 20:42 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Interessant diese mehrheitliche Argumentation, dass Eltern vermehrt auf ihre Erziehung Wert legen sollten. Grundsätzlich denke ich genauso, aber ich habe schon zu oft genug die Erfahrung gemacht, welche Kinder denn wirklich quengeln. Es sind mehrheitlich kleine Kinder von Eltern mit antiautoritärem Stil, weil sie generell nichts kriegen u auch mal möchten. Meine beiden Töchter haben nie so gequengelt u gestürmt, weil sie wussten, das ein Nein ein Nein war und sie wussten, gelegentlich kriegen sie auch so mal etwas zur Belohnung oder aus Freude, etc. u hatten daher keinen Grund, zu quengeln.

  • Peter Tobler am 08.11.2011 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jeden Mist...

    ...gibt es bei der Post zu kaufen... Aber als ich mal fragte, ob sie auch "Bitte keine Werbung"-Kleber hätten, wurde ich an die Papeterie verwiesen... Solange die Banken nicht auch noch mit dieser Kiosk-Unsitte anfangen, weiss ich wo mein Konto bleibt...

  • Peter Enis am 08.11.2011 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mies, aber verständlich.

    Ich finde es zwar auch nicht wirklich nett, aber ist eben auch nur eine verkaufsstrategie, wie im Migros, Coop und co. die teureren Artikel immer auf Augenhöhe sind.

  • Guschti Brösmeli am 08.11.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Umsatz

    Die Post wird immer mehr Produkte in den Poststellen aufstellen müssen, damit diese überhaupt tragbar ist. Ansonsten werden Poststellen abgebaut (was natürlich auch keinem recht ist --> *jammer* meine Poststelle schliesst). Und die Migros wird nie und nimmer auf die Gestelle an der Kasse verzichten. Zu gross ist doch der Umsatz mit diesen Produkten. Wer hat nicht schon eine Packung Kaugummi oder ein Schoggistängeli an der Kasse mitgenommen. Und wenn mein Kind an der Kasse noch so quängelt, dauert der Einkauf halt länger....