Mein Beruf

03. November 2015 22:08; Akt: 03.11.2015 22:13 Print

«Als Berufstaucher bin ich manchmal eine Diva»

Miklos Erismann ist einer von nur 35 Berufstauchern in der Schweiz. Im Rahmen der Serie «Leser stellen sich vor» erzählt er von seinem ausgefallenen Job.

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Egal ob auf Baustellen, in Kläranlagen und Kraftwerken oder an Schiffen: Weil Miklos Erismann das Tauchen liebt, erledigt der 44-Jährige alle Aufträge, die unter Wasser anfallen.

Miklos Erismann, wie wird man Berufstaucher?
Ich war vorher schon ein angefressener Sporttaucher. Das hat mir aber nicht gereicht. Ein befreundeter Berufstaucher hat mich dann zum Probearbeiten eingeladen und ich konnte bei ihm einsteigen. Unterdessen bin ich selbstständig und der einzige Berufstaucher in Luzern.

Wie viele Berufstaucher gibt es in der Schweiz?
Ich schätze etwa 35 Vollamtliche. Es gibt noch einige Freelancer. Die miete ich manchmal auch dazu, wenn ich bei einem Auftrag Hilfe brauche.

Was für Arbeiten erledigen Sie unter Wasser?
Vor allem Bauarbeiten, die über Wasser auch gemacht werden: schweissen, mauern, bohren, schneiden, spitzen. Das sind meistens Arbeiten, die in 2 bis 15 Metern Tiefe stattfinden. Grundsätzlich kann man mich aber für alle Aufgaben anfordern, die unter Wasser anfallen. Das können Erkundungen sein, Reinigungsarbeiten, Unterhaltsarbeiten in Hafenanlagen, Bergungen oder auch für Film- und Fernsehaufnahmen. Dann kann es auch mal tiefer runtergehen.

Gab es Jobs, die Sie besonders gerne gemacht haben?
Die Installation der Seesicht-Treppe in Zug war schon ein besonderes Erlebnis. Und 2012 durfte ich zwei Pfeiler an der Kapellbrücke in Luzern auswechseln. In der Pfahlbausiedlung Rapperswil-Jona hatte ich die Gelegenheit, mit einem Archäologen zusammenzuarbeiten. Das war interessant und lehrreich.

Aber nicht alle Aufträge werden so toll sein, oder?
Grundsätzlich mag ich jeden Job. Ich tauche einfach sehr gerne.

Haben Sie niemals Angst?
Nein. Das darf auch nicht passieren, sonst ist man in diesem Beruf falsch. Natürlich hat man Aufträge, vor denen man mehr Respekt hat. Ich musste beispielsweise schon stundenlang in körperengen Röhren unter Wasser arbeiten. Man sollte schon mit Leidenschaft dabei sein, um den Job zu machen – aber normalerweise geht ja alles gut.

Und wenn es mal nicht gut geht?
Grundsätzlich kann immer etwas passieren, aber mit einem gut eingespielten Team kann man das Risiko kalkulieren. Wenn jemand einen Fehler macht oder etwas vergisst, können die anderen das ausgleichen. Das hat bis jetzt immer geklappt.

Also sind die Mitarbeiter eine wichtige Absicherung?
Unbedingt. Man muss sich voll und ganz auf die Menschen im Team verlassen können.

Sind Sie dabei wählerisch?
Schon etwas. Schliesslich hängt auch mein Leben davon ab. Ich muss mich ganz auf das Team einlassen können – und sie auf mich. Als Berufstaucher bin ich nämlich manchmal eine kleine Diva.

Eine Diva? Was heisst das?
Wenn ich etwa nach zwei Stunden aus dem Wasser steige, brauche ich meinen Kaffee und eine Zigarette. Das sollte dann schon bereitstehen. Und ich entscheide, mit wem ich zusammenarbeiten will und mit wem nicht.

Tauchen Sie bei jeder Temperatur?
Es darf einfach nicht zu warm sein. Grundsätzlich gilt: Der Naturschutz hat Priorität. Deshalb sind wir meistens zwischen Oktober und April im Wasser. Ich hab dann manchmal Mitleid mit den Menschen oben im Trockenen. Die bewegen sich weniger und frieren deshalb an der Luft mehr als ich im Wasser.

Was ist das Wichtigste, um den Job ausüben zu können?
Man muss bereit sein, Ungewöhnliches zu machen und man muss einen Knall haben. Glücklicherweise habe ich den – also lasst mich so viel wie möglich tauchen!

(kam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark Gefälltes am 03.11.2015 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Eine Supereinstellung zum Job!!

  • Landratte am 03.11.2015 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchgeknallt? Aber ja :-)

    Weiterhin viel Spass und vor allem Sicherheit! Bin beeindruckt - wusste nicht dass es diesen Job gibt. Würde ich mich nie getrauen!

  • Amarone am 03.11.2015 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rentiert das auch?

    Ich frage mich auch ob man von diesem speziellen Job (gut) leben kann? Wäre interessant zu erfahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Taucher am 04.11.2015 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Untersuch

    Seriöse Berufstaucher haben keine Knall, die werden nämlich jährlich durch die Suva untersucht.

  • Beckenrieder am 04.11.2015 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Orientierung

    Das Bild vom Wallis zeigt klar, die Sicht von Beckenried sprich die Berge und Hügel von Weggis, Vitznau und Gersau. Hoffen wir, das er unter Wasser besser die Orientierung hat. Gruss

  • Martina Züllig am 04.11.2015 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder ...

    ganz toll... als erstes Rauchen nach dem Tauchen. er hat offensichtlich die Vorgänge im Körper beim Tauchen nicht verstanden

    • Diver am 04.11.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      keine ahnung

      ...schon mal getaucht...?...wohl eher nicht bei einer solchen aussage - theoretische besserwisser - ob unter und/oder über wasser - mag keiner - blub

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  • Martin Berger am 04.11.2015 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    bitte etwas recherche

    nur 35 Berufstaucher? wers glaubt... da gibts auch noch ein paar Tauchlehrer, die auch Berufstaucher sind. aber er sagt ja selbst, er sei eingebildet

    • A Oberst am 04.11.2015 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Das würde ich auch sagen

      Denn ich habe auch als Berufstaucher im Ausland gearbeitet. Es ist nicht mein Hauptberuf aber einige Monate im Jahr, wieso nicht?

    • nepo am 04.11.2015 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      ist ein Unterschied

      Tauchlehrer sind vorwiegend im Sporttauchen tätig. Berufstaucher sind im technischen Tauchen tätig. Ein riesengrosser Unterschied.

    • D.Iver am 04.11.2015 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      @ Martin Berger

      Berufstaucher bist du dann wenn du von der Taucherei leben kannst, nicht wenn es auf irgend nem Wisch von PADI steht. Vom Tauchlehrer-Job zu leben kannst du in CH vergessen. Zu zeitintensiv, zu teure Infrastruktur, zu billige Kurse und du kriegst die Kurse trotzdem nicht voll. Wenn du Glück hast kommst du Ende Jahr auf null raus. Die einzigen die in CH mit der Sporttaucherei gut Geld verdienen sind die grossen Shops und die halten sich ihre Tauchschulen um sich ihre künftige Klientel zu sichern, nicht weil es ein gutes Geschäft ist. Und das sind keine Berufstaucher mehr sondern Geschäftsleute.

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  • Keine Wasserratte am 04.11.2015 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    gibt es Menschen die so was arbeiten können. Ich hätte unter Wasser Dauerpanik.

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