Leserkommentare

11. August 2014 17:23; Akt: 11.08.2014 17:23 Print

«Am Lehrlingslohn kann es nicht liegen»

Die Forderung der Unia nach höheren Lehrlingslöhnen stösst bei den 20-Minuten-Lesern auf null Verständnis. Sie halten den Ansatz für falsch und die Jugendlichen für zu verwöhnt.

storybild

550 Franken Lohn im dritten Lehrjahr: Eine Berufsbildnerin erzählt vom Problem, Coiffeur-Lehrstellen potentiellen Lehrlingen schmackhaft zu machen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wo sonst rege diskutiert wird, herrscht für einmal Einigkeit. In über 450 Leserkommentaren ärgern sich die Leserinnen und Leser über die Forderung der Unia nach höheren und weniger unterschiedlichen Löhnen für Lehrlinge. Die Gewerkschaft will damit einen zusätzlichen Anreiz schaffen im Kampf gegen den akuten Lehrlingsmangel. Die 20-Minuten-Leser halten das für den falschen Ansatz.

Das Elternhaus ist schuld

Sie sehen unter anderem die zunehmende Akademisierung als Ursache für das Problem. «Wer heute nicht studiert und eine seriöse Fachausbildung macht, wird schon fast als Loser abgestempelt», schreibt ein Leser. Darum würden auch viele das Gymnasium einer Berufslehre vorziehen. «Im Gymi erhalten sie auch keinen Lohn und müssen die Lehrmittel selber kaufen», schreibt ein Familienvater, «trotzdem ist der Andrang gross. Am Lohn kann es nicht liegen.»

Viel eher fehle es der «Jugend von heute» an Bescheidenheit. «Immer nur jammern, aber jedes Wochenende Party, teures Handyabo, nur Markenklamotten und das erste Auto muss ordentlich Eindruck machen bei den Kollegen», enerviert sich Leser «Fohlen». Ivo bezeichnet das als «Haben-Wollen-Syndrom». «Die wenigsten lernen heute einen richtigen Umgang mit Geld», weiss er zu berichten und ahnt, wo der Hund begraben liegt: «Das wird aber vermutlich im Elternhaus bereits versäumt.» Mit dieser Meinung ist er nicht allein. «Zuerst müssen sie lernen, zu arbeiten und Leistung zu erbringen», schreibt «Reseph». «Das können die meisten in der heutigen Zeit nicht mehr, weil sie zu Hause nicht mehr gelernt haben zu arbeiten.» Mit 340 positiven Bewertungen ist dies der zweitbeliebteste Kommentar zum Artikel.

Berufsbildnerin weiss nicht weiter

Statt für die Auszubildenden fordern die Leserinnen und Leser mehr Verständnis für die Anbieter von Lehrstellen. «So ein Lehrling kostet den Betrieb auch eine Menge Geld», schreibt Joseph. Viele würden vergessen, wie viel Geld für Schulkosten, Kurse oder «durch den Lehrling entstandene Schäden» einberechnet werden müssten. Die Argumentation von Dani, der gerade eine Lehre als Gebäudereiniger abgeschlossen hat, können daher die wenigsten nachvollziehen. Er schreibt, dass er im dritten Lehrjahr 500 Franken weniger als seine Mitstiftin in einer anderen Firma verdient habe und gleich hohe Löhne innerhalb derselben Branche befürworte. Sein Kommentar wurde von den Lesern 30-mal negativ und 7-mal positiv bewertet.

Ramona kennt das Problem aus einer anderen Perspektive. Sie ist Berufsbildnerin in der Coiffeur-Branche und langsam am Ende ihres Lateins: «Im 3. Lehrjahr verdient der durchschnittliche Lernende gerademal 550 Franken. Ein 13. Monatslohn ist in der Branche nicht üblich und das Schulniveau ist auf Sekundarschnitt gestiegen.» Sie wisse beim besten Willen nicht mehr, wie sie den Beruf potentiellen Lehrlingen schmackhaft machen soll: «Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, die Lehrstellen zu besetzen. Einen Attraktivitätsschub wäre also durchaus sinnvoll», findet sie. Auf ihren Kommentar wurde indes nicht reagiert.

Die gesamte Diskussion lesen Sie hier >>

(hüt)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 11.08.2014 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wissen nicht was sie wollen

    Machen die Lehrlinge nur minderwertige Arbeiten, dann motzen sie, dass sie nichts lernen, gibt man ihnen anspruchsvolle Arbeit, dann fühlen sie sich ausgebeudet, weil sie das gleiche tun wie die normalen Angestellten zum tieferen Lohn. Was wollt ihr eigentlich?

    einklappen einklappen
  • lel am 11.08.2014 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde ich nicht

    hab gerade meine lehre als informatiker gestartet. für dass ich so viel in der schule bin, ist der lohn extrem gut. (im vergleich mit einem gärtner etc.)

    einklappen einklappen
  • swissgirl am 11.08.2014 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Das Problem ist das Sie sich schon sehr früh entscheiden müssen!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • brigitte am 12.08.2014 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel zu wenig Lohn definitiv!

    Die Lernenden verdienen für die geleistete arbeiten einfach viel zuwenig! Was ist der Grund das sie viel weniger Geld verdienen als eine ungelernte arbeiterin? die lernenden gehen ja 1-2 tage pro woche in der schule aber arbeiten trozdem wie eine normaler mitarbeiter! das ist einfach eine ausnutzung damit die betriebe geld sparen können!!

  • Sonja am 12.08.2014 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrlingslohn

    Viele Schulabgänger wollen gar keine Lehre mehr machen nur die hohle hand ausstrecken, bevor die Unia mehr Lohn für Lehrlinge verlangt, sollen die mal zeigen das sie etwas lehrnen wollen, wenn ich seh wie sie demotiviert zur einer schnupper woche gehen und ihnen schon am ersten tag alles zum hals raushängt finde ich es gut wie die Lohnverteilung ist wir konnten früher auch keine autos und jeden tag im ausgang sein und hatten noch weniger Lehrlingslohn als die heutige Jugen..Zuerst sollten mal die Eltern nicht nur studierte kinder wollen und ihnen weniger taschen geld zur verfügung stelle

  • ETH Studentin am 12.08.2014 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheitsinsel in Europa

    Guckt euch in Europa um!! Da gehört eine Matura zur Grundausbildung, und wer danach nicht mehr studieren will ist dem selbst überlassen. Ich verstehe einfach nicht, warum alle besorgt sind dass jeder fünfte die Matura im Sack hat. Mich grault es eher, dass 80% des schweizer Volkes noch nie etwas von Pythagoras oder der Atmungskette gehört hat!! Aber ein dummes Volk, dass nicht lernt zu denken und dem das Geld als Lockmittel genügt, das freut natürlich das Gesellschaftskontrollsystem. Bravo!! Weiter so!!

  • Heinz von Allmen am 12.08.2014 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Lernen oder Geldverdienen?

    Ich habe eine 4jährige Lehre gemacht als Werkzeugmacher. Mein Lohn war im ersten Jahr 25 Rappen. Jedes weitere Jahr bekam ich 10 Rappen mehr. Ich kam mit dem Geld aus. Habe aber sehr viel Gelernt. möchte meinem Lehrmeister auf diesem Weg meinen besten Dank aussprechen. Das war etwa nicht vor 100 Jahren. Aber eben, will man etwas Lernen so Spielt der Lohn eine nebensächliche Rolle. Was ich alles 2 mal machen musste die Gewerbeschule und andere Kurse besuchen wo ich in der Firma nichts geleistet habe, sondern nur Profitiert geht in die Tausenden von Franken die der Lehrmeister bezahlt hat.

  • Der Mondschein am 12.08.2014 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verzicht, was ist das? Wo bist du?

    Der heutige Vipe geht einfach in Richtung: Jeder muss mir alles geben, aber wenn ich mal an der reihe bin mit geben, dann ist mir alles zuviel und ungerecht. Ihr müsst ja keine Lehre machen, ihr könnt auch nach der Schule gleich arbeiten gehn, nur kommt ihr so nie vom Existenzminimum weg, wenn ihr also nicht aufm Existenzminimum leben wollt, dann müsst ihr halt, drei - vier jahre auf die zähne beissen und danach habt ihr einen Abschluss. Verzicht gehört auch mit zum leben, auch wenn das heute für die meisten ein Fremdwort ist.

Twitter-Accounts von 20 Minuten Online
 
  • 20min
    Unser Haupt-Account: Die wichtigsten News aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
     
  • 20min_sportnews
    Alles Wichtige aus der Schweizer und internationalen Sportwelt.
     
  • 20min_digital
    20 Minuten Digital: Social Media, Netzkultur, Computer und Gadgets.
     
  • 20min_people
    Schweizer und internationale Stars und Sternchen.