Mindestlohninitiative

10. März 2014 23:37; Akt: 10.03.2014 23:37 Print

«Ein Schlag ins Gesicht für alle Lehrlinge»

Die 20-Minuten-Leser äusserten sich zahlreich zur Mindestlohninitiative und den Folgen in der Coiffeurbranche. Besonders die garantierten 4000 Franken Lohn sorgen für rote Köpfe.

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«Viele Arbeitgeber in der Coiffeur-Branche können es sich nicht leisten, all ihren Angestellten einen monatlichen Lohn von 4000 Franken zu bezahlen», sagt Kuno Geiger, Präsident des Verbands Coiffure Suisse.

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Nach dem Ja zur Einwanderungsinitiative der SVP steht nun die nächste Abstimmung vor der Tür, die für heftige Diskussionen sorgt. Am 18. Mai entscheidet das Schweizer Stimmvolk über einen staatlichen Mindestlohn von rund 4000 Franken pro Monat oder 22 Franken pro Stunde. Bundesrat Johann Schneider-Ammann warnte bereits vor weniger Arbeitsplätzen und faulen Jugendlichen, die auch ohne Ausbildung 4000 Franken verdienen könnten.

GastroSuisse-Präsident Klaus Künzli spricht von einem «Beizen-Sterben», das Luzerner Theater befürchtet schwerwiegende finanzielle Folgen und Kuno Geiger, Präsident des Verbands Coiffure Suisse, prophezeit einen massiven Anstieg der Schwarzarbeit, weil viele Stellen abgebaut werden müssten: «Viele Geschäfte können es sich nicht leisten, all ihren Mitarbeitenden einen Lohn von 4000 Franken pro Monat zu bezahlen.»

«Wohin fliesst das ganze Geld?»

Die aktuellste Warnung der Coiffeure sorgt auch bei den 20-Minuten-Lesern für viel Gesprächsstoff. Besonders das Verhältnis der Kosten für einen Haarschnitt zu den Löhnen der Angestellten wirft viele Fragen auf. «Ich frage mich, wo das ganze Geld eines Coiffeurgeschäfts landet», schreibt «Frögeli» und erhält dafür viel Zuspruch. Auch «Missy» stellt sich diese Frage: «In der Stadt Zürich zahle ich 120 Franken für einen Haarschnitt und trotzdem verdienen Hairstylisten so wenig? Wohin fliesst das restliche Geld?» Laut Kuno Geiger von Coiffure Suisse liegt das Problem aber nicht bei den Geschäften in der Stadt Zürich: «Wer 120 Franken für einen Haarschnitt verlangt, zahlt schon jetzt gute Löhne an seine Angestellten.» Der Grossteil der Schweizer zahle aber unter 50 Franken für einen Haarschnitt. «Es würde also vor allem die Geschäfte ausserhalb der Grossstädte treffen», so Geiger.

Eine Arbeitgeberin meldet sich ebenfalls zu Wort und versteht die Diskussion um den Mindestlohn in ihrer Branche nicht. «Meine Angestellten bekommen zusätzlich zum Mindestlohn von 3600 Franken eine Umsatzbeteiligung zwischen 30 und 38 Prozent. Das heisst, eine Coiffeuse, die 12'000 Franken Umsatz macht (liegt in der Norm), bekommt ausbezahlt rund 4400 Franken – da reden wir von einem Lohn, der im mittleren Bereich liegt», schreibt Mirjam Dux.

«Wer keine Ausbildung macht, ist selbst schuld»

Deutlich mehr Kritik gibt es zum Fakt, dass auch Personen ohne Ausbildung einen Lohn von 4000 Franken garantiert hätten. Es würde keine Anreize mehr geben für die Jugendlichen, eine Ausbildung zu machen: «Dass jeder ohne Ausbildung beim Einstieg gleich 4000 Franken verdient, halte ich für falsch», schreibt zum Beispiel Leser «J». Und «rabb» geht noch einen Schritt weiter: «Wer eine Ausbildung macht, sollte dafür honoriert werden – das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die eine machen!» Man sei schliesslich selber schuld, wenn man keine Ausbildung mache und dadurch weniger Geld verdiene.

Leser Peter Spelt sieht die Diskussion deutlich entspannter. Er habe einen Haarschneider für einmalige 80 Franken gekauft und müsse daher nie mehr zum Coiffeur.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Brügger am 11.03.2014 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative ergreifen statt Mindestlohn

    Jeder hat es selber in der Hand etwas aus sich zu machen. Wer bleibt heute schon längerfristig auf dem erlernten Beruf? Nach meiner Ausbildung vor 10 Jahren musste ich mich mit 3200Fr. zufrieden geben. Habe mich aber mit 23 weitergebildet und bin momentan an einer weiteren Ausbildung. Übrigens alles selber bezahlt. Mittlerweile ist mein Einkommen über 2000fr gestiegen. Man muss einfach Einsatz und Initiative zeigen, dann wird das auch mit dem Einkommen. Das ewige Gejammere geht mir auf den Wecker. Von nichts, kommt nichts!

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  • Denja R. am 11.03.2014 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz, bitte wach auf!!

    Wer von euch ist bereit im Restaurant 18 Franken für eine Cola oder einwn Kaffee zu bezahlen? Habt ihr mal darüber nachgedacht was für Konsequenzen ein Ja für alle Dienstleistungen und Geschäfte Detailhandel bedetet?! Wenn wir weiter so unbedacht abstimmen treiben wir die Schweiz selbst zu Grunde! Wo stehen wir in 20 Jahren! Was bedeutet das für unsere Nachkommen? Ps: bin selbst Lehrling und habe genau aus diesem Grund eine Lehre angefangen, es würde keine kompetenten Fachleute mehr geben, wenn die Initiative angenommen würde, weil auch einen Lehrling auszubilden nicht gerade günstig ist!

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  • jayjay am 11.03.2014 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Höhere Löhne, höhere Kosten

    Beispiel Autobranche. Ein Automobilassistent verdient 3600, ein Fachmann 4100 und ein Mechatroniker 4400 chf. Nun wenn der mindestlohn auf 4000 ansteigt dann bekommt ein assistent also die 4000. Gleichzeitig muss aber der des Fachmanns auf min 4500 und der des Mech. auf 4800 ansteigen. nun was denkt ihr was dann passiert? Richtig die kosten für den Kunden steigen enorm an!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Loob am 12.03.2014 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke unia

    Wer gegen die hochpreisinsel Schweiz ist, kann der Mindestlohninitiative nicht zustimmen, da die höheren Betriebskosten logischerweise auf die Preise überwälzt werden. Die mehr Arbeitslosen müssen dann auch noch von allen über Sozialhilfe durchgefüttert werden. Danke unia!

  • Alberto Ulianov am 12.03.2014 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Relativlohn

    Ich befürworte den Mindestlohn. Sinnvoller wäre jedoch ein minimaler Relativlohn. So dass ein mindestens ein bestimmter Prozentsatz des Mehrwertes wieder zu den Arbeitenden zu-rückfliesst, wodurch verhindert werden könnte, dass ein zu grosser Anteil des gesellschaftli-chen Produktes in die Tasche der besitzenden Klasse (Profit) gerät. Auf diesem Wege würde auch das Argument entkräftet, dass sich es einige Unternehmungen nicht leisten könnten ei-nen Mindestlohn zu bezahlen. Fakt ist aber die Löhne sind viel zu tief im Vergleich zum ab-geschöpften Mehrwert in den Händen der Kapitalklasse.

  • Beobachterin am 12.03.2014 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    Schaut mal was unsere geliebte Post jetzt macht ! Postchefin will Personal sparen, also her mit dem Stellenabbau ! Schon im 2011 / 2012 gegen 820 abgebaut. Wegen abnehmenden Briefmengen & zunehmender Automatisierung ! Die Wirtschaft macht mit den Menschen was sie will als ob wir nur eine Ware wären. Und dann sagen Gegner des Mindestlohnes dass Stellen abgebaut werden ! Eigentlich nur eine Teil Wahrheit oder ? Scheint mir mehr darum zu gehen dass billige Arbeiter aus dem Ausland dann nicht mehr rendieren. Firmen suchen immer die billigste Möglichkeit ! Allerdings zum Leid der Mitarbeiter !

  • büetzerin am 12.03.2014 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber simon

    es gibt leute (mich eingeschlossen) denen ihr beruf spass mache. der niedrige lohn ist dann halt ein trauriger nebeneffekt! nicht jeder will im bürosessel sitzen, es gibt leute die gern einen handwerklichen beruf ausüben!

  • S. G. am 12.03.2014 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontraproduktiv

    Grundsätzlich werden dort hohe Löhne bezahlt, wo eine grosse Wertschöpfung erzielt wird. Dies ist leider nicht in allen Branchen (z. B. beim Coiffeur) so einfach. Durch den Mindestlohn kann dieses Problem nicht gelöst werden, denn wo nicht viel Geld vorhanden ist, kann auch nicht mehr ausgezahlt werden. Die logischen Folgen sind Entlassungen, Überstunden und das Aussterben von kleinen Unternehmen, was eine starke Schwächung der Wirtschaft und des Wohlstandes zur Folge hätte. Ein Lohn von 4000 Fr. mag zwar für viele v. a. junge Leute cool klingen, die Folgen sind aber das genaue Gegenteil. Wieder ein typisches Beispiel einer Initiative, bei der Ängste und Neid, Leute animieren soll, falsche Entscheidungen zu treffen.

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