Tag der guten Tat

23. Mai 2019 14:32; Akt: 23.05.2019 14:32 Print

«Es wird dir bewusst, wie zerbrechlich das Leben ist»

von Patrick Stopper - Der 20-jährige Richard Benaglia verbringt einen Grossteil seiner Freizeit als freiwilliger Feuerwehrmann in Lugano. Eine Familientradition.

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«Wenn man wegen eines schlimmen Verkehrsunfalls ausrücken muss, wird einem bewusst, wie zerbrechlich das eigene Leben ist und wie einfach man es verlieren kann.» Solche Momente erlebt der 20-jährige Richard Benaglia aus Cureglia im Kanton Tessin immer wieder.

Zurzeit macht er eine Lehre als Mechaniker. Seit drei Jahren arbeitet er aber auch als freiwilliger Feuerwehrmann im Corpo Civici Pompieri von Lugano. «Ich mache das, um den Nächsten zu helfen, um mich für die Gesellschaft nützlich zu machen», erzählt er.

Bei seiner Entscheidung, sich als Feuerwehrmann für andere zur Verfügung zu stellen, spielte auch seine Familie eine Rolle. «Es ist eine Leidenschaft, die mir mein Vater und mein Grossvater übertragen haben. Auch sie waren Freiwillige. Gewissermassen ist es also eine Familientradition.»

«Es braucht viel Flexibilität»

Nun macht er den Spagat zwischen seinem Job in der Werkstatt und seinen Feuerwehreinsätzen. Vor allem bei Bränden und Unfällen rückt er aus. «Man muss mindestens ein- oder zweimal pro Monat einsatzbereit sein. Und jeden zweiten Monat hat man eine Woche Pikettdienst.» In dieser Woche muss der 20-Jährige jederzeit einsatzbereit sein. «Es braucht viel Flexibilität, denn es kann passieren, dass man die ganze Nacht draussen sein muss.»

Besonders in Erinnerung bleibt Richard ein Einsatz im letzten Herbst, als im Tessin ein Unwetter mit Überschwemmungen und umgestürzten Bäumen wütete. «Um acht Uhr abends wurde ich in der Kaserne angerufen und war danach bis morgens um 3.30 Uhr im Einsatz.» Wenige Stunden später musste er bereits wieder im Büro sein und seinem alltäglichen Job nachgehen. «Natürlich ist das anstrengend», gibt der 20-Jährige zu, «aber es ist wichtig, dass man auch Opfer bringt.»

«Die Erfahrungen machen mich nachdenklich»

Einer seiner schwierigsten Momente war sein erster Einsatz bei einem schlimmen Verkehrsunfall. Dabei konnten alle Beteiligten gerettet werden. «Trotzdem war es eine Erfahrung, die einen trifft und nachdenklich macht.»

Richard bereut seine Wahl nie. «Feuerwehrmann sein? Das lohnt sich!» Auch wenn es auch Verzicht bedeute. «Man findet immer Zeit. Und wenn es nötig ist, frage ich nach freien Tagen bei der Arbeit und opfere dafür meine Ferientage.» Denn für ihn ist die Arbeit als Feuerwehrmann eine «unbezahlbare» Tätigkeit.

Dieser Artikel ist im Rahmen des «Tag der guten Tat» entstanden. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Füür & Flamme am 23.05.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiw. Füürwehrmaa

    Danke für deinen Einsatz Richard! Viele Leute können es nicht verstehen warum man seine eigene Freizeit für andere aufopfern sollte. Du denkst nicht primär an dich, sondern an deine Mitmenschen. Respekt dafür!

  • Arthur20 am 23.05.2019 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow, Hut ab!

    Schöner Beitrag ist der sonst von Negativschlagzeilen zerrütteten Welt.

  • Yasmin W. am 23.05.2019 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Ich bin auch in der ffw und bin eigentlich stolz darauf. nur leider erfahren wir im alltag meist kein lob dafür, sondern sprüche wie "aha, besch im suuf-verein debi", etc. Ja, es gibt 2 bis 3 anlässe im jahr, da gönnen wir uns nach getaner arbeit auch gerne 2, 3 bier zuviel. aber an den restlichen tagen sind wir engagiert, motiviert, mutig und fleissig. oder steigt z.b. einer der kritiker einfach so freiwillig "zum plausch" in seiner freizeit bei 30C in brandschutzausrüstung ohne sicherung auf eine 20m hohe leiter?

Die neusten Leser-Kommentare

  • alphonso ferrari am 23.05.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso?

    es gibt so wenige positive berichte in den medien neben mord und unfällen. aber genau bei so etwas gutem werden genau mal 2 lumpige kommentare veröffentlicht? ernsthaft? ist sowas den administratoren zu langweilig?

  • kiu am 23.05.2019 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke...

    Big up!! Ganz grosse Klasse!

  • Yasmin W. am 23.05.2019 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Ich bin auch in der ffw und bin eigentlich stolz darauf. nur leider erfahren wir im alltag meist kein lob dafür, sondern sprüche wie "aha, besch im suuf-verein debi", etc. Ja, es gibt 2 bis 3 anlässe im jahr, da gönnen wir uns nach getaner arbeit auch gerne 2, 3 bier zuviel. aber an den restlichen tagen sind wir engagiert, motiviert, mutig und fleissig. oder steigt z.b. einer der kritiker einfach so freiwillig "zum plausch" in seiner freizeit bei 30C in brandschutzausrüstung ohne sicherung auf eine 20m hohe leiter?

  • Reto Petitprince am 23.05.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    wertvoll

    Es wäre wünschenswert, es gäbe noch mehr junge Leute, die dieser notwendigen und wertvollen Beschäftigung nachgehen würden. Jeder gesunde Mensch kann in der Feuerwehr seinen Beitrag leisten, auch wenn er während der Arbeitszeit nicht ausrücken kann. Neben Kameradschaft, lernt man im Feuerwehrdienst sehr viel wertvolles für das ganze Leben

  • LX8046 am 23.05.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Traummann

    Wann macht Ihr einen Feuerwehr-Kalender ? Passendes Model hättet Ihr ja - Traummann mit toller Einstellung

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