Sprach-Debatte

03. Mai 2013 07:49; Akt: 03.05.2013 17:46 Print

«Hochdeutsch lernen, Dialekt trotzdem behalten»

Wie viel Schweizerdeutsch gehört in den Schulalltag? Die 20-Minuten-Leser diskutieren hitzig über einen Vorstoss, der dreissig Prozent Dialekt sprechende Kinder in einer Klasse vorsieht.

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Im Kanton Basel-Stadt sollen pro Klasse mindestens ein Drittel der Schüler Schweizerdeutsch als Muttersprache haben – dies fordert SP-Bildungspolitikerin Sibylle Benz. «Wenn Kinder mit verschiedenen Muttersprachen in der gleichen Klasse sind, sprechen sie untereinander automatisch schweizerdeutsch», argumentiert Benz.

Geht der Dialekt in den Schweizer Schulen verloren? «Unsinn», schreibt Leserin Luzi Fehr: «Den Kindern vorschreiben, wie sie miteinander zu sprechen haben, ist übertrieben. Die Kinder finden immer einen Weg, um miteinander zu kommunizieren.» Der gleichen Meinung ist User «Beelzebub»: «Solange man zuhause und auf dem Spielplatz schweizerdeutsch spricht, geht da nichts verloren.»

«Dialekt soll man zuhause lernen»

Auch Reto Meier versteht «diese Stammtischdiskussion» nicht: «Schweizerdeutsch ist ein Dialekt und keine Sprache. Ich kenne kein Land der Erde, das in der Schule Dialekt unterrichtet. Wozu auch? Das lernt man zu Hause.» Maggie kontert: «Es geht doch nicht in erster Linie um Schweizer- oder Schriftdeutsch als Unterrichtssprache, sondern um die vielen Kinder, die kein Schweizerdeutsch zu Hause hören und es so nicht lernen.»

Unterstützung erhält sie von Leserin Sabrina Fontana. Würde es nach ihr gehen, sollten nicht nur die Schüler untereinander, sondern auch die Lehrkräfte früh genug beginnen, schweizerdeutsch zu sprechen: «Ich würde es begrüssen, wenn schon im Kindergarten Mundart geredet wird! Ich bin selber zweisprachig aufgewachsen, lege aber grossen Wert darauf, dass meine Kinder Baslerdeutsch reden.»

Heisst es jetzt Kartoffel oder Härdöpfel?

Für Leserin Minni ist die ganze Aufregung um die Unterrichtssprachen unverständlich. Schliesslich geht es doch darum, dass mindestens 30 Prozent der Kinder mit Mundart als Muttersprache in einer Klasse sind, die Unterrichtssprache bleibe ja trotzdem Hochdeutsch – und auch da versteht sie den Ärger nicht: «Hochdeutsch ist doch auch ein Schweizer Kulturgut! Die meisten unserer Bücher sind auf Hochdeutsch verfasst, unser TV-Programm ist hochdeutsch, sämtliche Beschilderungen und Informationen – selbst unsere Gesetzesbücher. Hochdeutsch ist der einzige Dialekt, der auch über die Kantönligrenze hinaus gleich ist!»

Edith nimmt dies dennoch zum Anlass, ihrem Ärger über die vielen hochdeutschen Begriffe in der Schweizer Sprache Luft zu machen: Sie findet es schade, wenn Kinder nicht nur in der Schule hochdeutsch sprechen, sondern auch in der Freizeit. Beispiele dafür liefert sie auch gleich mit: «Kartoffel statt Härdöpfel, Mittagessen statt Zmittag, Treppe statt Stägä.»

Userin Lilu fragt «Warum schade?» und führt aus: «Wichtig ist doch nur, dass sich alle verstehen. Unsere Kinder sagen auch Pferd und nicht Ross. Und in unserem Dorf leben 98 Prozent Schweizer. Warum immer das Getue um die Sprache? Wenn man sich versteht, ist es doch egal, ob man Pneu oder Autoreifen sagt – Sprachen verändern und bewegen sich eben.» Ginge es nach Stefan, würde sich die Angelegenheit ganz leicht klären lassen – er fordert: «Lernt Hochdeutsch! Den Dialekt könnt ihr ja trotzdem behalten.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Aber dann bitte auch die Lehrer im Unterricht und beim Elternabend! Ich habe mich immer geärgert, wenn an Elternabenden die erste Frage war: verstehen alle Dialekt? Und "Hochdeutsch" ist eh eine falsche Bezeichnung... Das sollte Schriftsprache heissen und die wird in der CH eben nur geschrieben. Man sollte in der Schule mehr Gewicht auf den korrekten schriftlichen Ausdruck legen. "Schriftsprache" hören sie genug am TV: Mich stört auch, dass z.B. bei Sportübertragungen usw. im schweizer TV nur die Co-Kommentatoren Dialekt sprechen dürfen. Ich hoffe, Schwiizerdüütsch ist kein Auslaufmodell! – Dan_Mami

Meines Erachtens ist das alles die Ernte unserer seit Jahren gesäter Fehlpolitik. Es beginnt schon damit, dass man versucht die Leute zu "integrieren" und nicht zu assimilieren. Das wäre mit ein wenig mehr Patriotismus und dem öffentlichen zur Schau stellen der Vorteile eines Schweizers sicher gut möglich. Die USA haben auch durchmischte Völker in ihrem Land und trotzdem ist jeder stolzer Amerikaner. Warum sollte das bei uns nicht funktionieren ? – L.B.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yviamora am 03.05.2013 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kuderweldsch

    Mammi i ga schnell dtreppen ufe go der pferd ga hole damit es karotte cha esse.... was soll ich davon halten???

  • Holländerin am 03.05.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbare Sprache

    Ich als Holländerin höre lieber Schweizerdeutsch als Hochdeutsch. Als ich vor 16 Jahren das erste Mal in der Schweiz gearbeitet habe, habe ich sofort versucht Schweizerdeutsch zu lernen. Schweizerdeutsch hat ein gewisser Charme, wenn jemand Schweizerdeutsch spricht tönt es wie ein Lied. Also von lernt Hochdeutsch in die Schule aber spricht doch bitte mit einander Schweizerdeutsch.

  • Steven E am 01.05.2013 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Werdet doch mal selbsbewusst!

    Darf ich als Deutscher mal eine Frage stellen? Warum habt ihr Schweizer eigentlich immer so Minderwertigkeitskomplexe? Nur weil an Schulen Hochdeutsch unterrichtet wird, habt ihr Angst euer Dialekt ginge verloren....werdet doch mal ein wenig offener und selbstbewusster! In letzter Zeit dreht ihr voll am Rad....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paddy am 05.05.2013 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsch lernen...

    Deutsch lernen, Dialekt behalten! War das nicht früher schon so? Und hat super funktioniert! Aber der Schweizer passt sich lieber an als stolz zu sein. Schade!

  • Marco Weber am 03.05.2013 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mann oh Mann!!

    Haben den diese Linken keine anderen Probleme. Lasst doch die Kinder miteinander kommunizieren, so wie wir es auch getan haben. Wir haben nichts verloren. Wir können Hochdeutsch und Schweizerdeutsch. Mann oh Mann!!

  • Sonusfaber am 03.05.2013 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Willst du mit mir - Tessiner - reden?

    Willst du dich, lieber Deutschschweizer, mit mir - einem Tessiner - unterhalten? Obwohl ich zu Hause Tessiner Dialekt rede, komme ich dir gerne entgegen und bemühe mich, mit dir Hochdeutsch zu reden: Bist du auch bereit, mir entgegenzukommen, also ebenfalls Hochdeutsch zu reden (war dir übrigens leichter fallen dürfte als mir)? Meiner Erfahrung nach bist du es nicht, du erwartest, dass ich als Tessiner dein CH-Deutsch nicht nur verstehe, sondern auch spreche - sonst bist du beleidigt! Am liebsten würdest du alle Sprachen der Welt abschaffen - bis auf deinen Dialekt!

    • Urs Meyer am 03.05.2013 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Totaler Blödsinn!!!

      Totaler Blödsinn!!! Ich war die letzten 4 Jahre im Tessin in den Ferien und habe mich mit meinen 2 Schuljahren Italienisch (welche über 20 Jahre zurückliegen) versucht mich zu unterhalten. Die 'Missverständnisse' habe ich in Hochdeutsch und Englisch geklährt. 'Echte' Schweizer mit langjährigen Schweizer Wurzeln passen sich dem Gegenüber mehrheitlich an und sei es 'nur' mit dem Hochdeutsch.

    • Fritz am 04.05.2013 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mit

      Dir, lieber Tessiner probiere ich sogar italienisch zu sprechen,obwohl ich es kaum kann. genau wie ich mit Welschen Französisch spreche!(das kann ich). Was ist dein Problem mit den Deutschschweizer? Ich habe deine hasserfüllten Kommentare gegen Deutschschweizer schon bei anderen Themen mitverfolgt! Was hast du gegen die Deutschschweizer???

    einklappen einklappen
  • laguigne am 03.05.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation

    Die hauptsache ist die Kommunikation und sich richtig zu verstehen.

  • Sonusfaber am 03.05.2013 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich rede, um verstanden zu werden!

    Als Tessiner habe ich im Elternhaus stets Dialekt gesprochen, sonst entweder Italienisch oder Dialekt, je nachdem, was mein Tessiner Gegenüber lieber spricht bzw. besser versteht - im Unterricht spricht man nur Italienisch. Ich bin sehr froh, dass dem so gewesen ist. Da ich rede, UM VERSTANDEN ZU WERDEN, möchte ich vor allem eine Sprache lernen, die möglichst viele Menschen verstehen - also eine Standardsprache. Warum Deutschschweizer so ungern Hochdeutsch sprechen, werde ich nie verstehen. Ich rede jede Sprache, die ich kann, genauso so gern.

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