Sammler

04. März 2015 16:17; Akt: 10.03.2015 11:43 Print

«Ich gehe auch in Jeans auf die Skipiste»

von G. Hummel - 20-Minuten-Leser Ruedi Karrer besitzt über 12'000 Paar Jeans. Im Interview erzählt er von seiner Sammelleidenschaft – und wie Sie ihn unterstützen können.

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«Verewige deine ausgetragenen Lieblingshosen oder -jacken im Jeansmuseum, egal, wie krass totgetragen, zerfetzt, schmutzig oder stinkig sie sind.» So wirbt Ruedi Karrer dafür, dass seine Jeanssammlung stetig weiterwächst. Die Leidenschaft für den sogenannten Raw-Denim-Spirit geht so weit, dass Karrer sogar in Jeans Ski fahren geht.

Herr Karrer, wie kamen Sie zu Ihrer ersten Jeans?

Ich bin in einem sehr kleinen Dorf in einfachen Verhältnissen im Bündnerland aufgewachsen. Als ich noch ein Junge war, haben wir eine Kleiderspende erhalten, in der auch zwei Jeanshosen waren. Wir kannten das gar nicht und ich fand den Jeansstoff von Anfang an super.

Diese erste Jeanshose besitzen Sie heute noch. Was ist mit anderen besonderen Stücken in Ihrer Sammlung?

Einerseits sind die alten Modelle besonders, aber auch diejenigen mit sehr starken Abnutzungsspuren. Das ist das, was ich am geilsten finde. Darum geht es in meinem Museum: Es soll ein Ort sein, an dem die alte Jeans – egal wie abgetragen sie ist – verewigt werden kann. Mit dem Vergleich von neu zu stark ausgetragen soll die Denim-Evolution aufgezeigt und damit der Raw-Denim-Spirit weitergegeben werden.

Wie viel Zeit investieren Sie in die Sammlung?

Ich arbeite zu 80 Prozent als Geograf. Daneben gehe ich viel in die Berge, aber die übrige Zeit investiere ich in das Jeansmuseum zum Sortieren, Dokumentieren, E-Mails beantworten sowie auf Instagram, Rawr Denim, Superfuture und dem Iron Heart Forum. Aber auch, um auf Jeansmessen Präsenz zu zeigen.

Und wie lagern Sie Ihre Stücke?

Ich habe zwei Räume in Zürich von etwa 120 Quadratmetern. Einer ist vier Meter hoch bis zur Decke mit Bananenschachteln voller Jeans gefüllt – etwa zehn Tonnen. Der andere ist der Ausstellungsraum. Und einen kleinen Teil, etwa 800 Stück, habe ich noch bei mir in der Wohnung.

Was haben Sie durch die Jeanssammlung schon erlebt?

Es kommt ab und an vor, dass ich Anfragen bekomme, um einige meiner Stücke innerhalb einer Ausstellung zu zeigen. So zum Beispiel im letzten Jahr im Zürcher Museum für Gestaltung an einer Vintage-Ausstellung, wo drei meiner Jeanshosen mit den stärksten Abnutzungen – sogenannten Fadings – gezeigt wurden. Weitere Stücke waren bereits in Ausstellungen in Amsterdam oder in Berlin. Momentan sind 81 Leihgaben im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen. Aber das ist natürlich alles immer eine Kostenfrage, ich verdiene dabei ja nichts und zahle meist drauf.

Wie sieht es mit der Zukunft aus? Haben Sie Ziele mit der Sammlung?

Das Ziel ist auf jeden Fall ein richtiges Museum und das Finden einer Stiftung oder eines Trägers für die Sammlung. Und ich möchte noch mehr Stücke erhalten, die richtig lange getragen wurden. Aber es ist schwierig, Menschen zu finden, die ihre langjährige Lieblingsjeans wegwerfen wollen und bereit wären, diese an uns abzugeben. Das ist schade, denn es gibt so viele Leute, die extrem ausgetragene Stücke besitzen – mir ist ja egal, ob sie zerfetzt oder komplett verdreckt ist. Leider kann ich nicht genügend Werbung dafür machen. Ich versuche es auf Instagram, da habe ich bald 8000 Follower. Wer also ausgetragene Raw Denim Hosen oder Jacken hat, kann sich gerne melden unter ruedi.karrer@jeansmuseum.org oder mittels Kontaktformular auf der Webseite www.jeansmuseum.org.

Wie ist es bei Ihnen? Tragen Sie ständig Jeans?

Immer, sogar beim Skifahren. Meine aktuelle Jeanshose trage ich seit etwa 700 Tagen. Mit meinem Bürojob sind die Fadings natürlich noch nicht so stark, wie wenn ich damit auf den Bau müsste. Ich trage die Hosen immer eine Nummer zu gross. Dadurch sind die steifen Dinger bequemer zu tragen und man schwitzt auch weniger, was die Stofffasern schont und dadurch bricht der ungewaschene Stoff im Schritt auch weniger schnell. Zudem bin ich ein Jeans-Puritaner, das heisst, ich wasche sie nicht. Denn nach nur einer Waschung verliert sie die natürliche Indigo-Farbton und wird irreversibel königsblau. Wir Jeans-Puritaner stehen halt auf Indigo.

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