Doktor Sex

06. Februar 2019 07:40; Akt: 06.02.2019 07:40 Print

«Kann Polygamie auf Dauer funktionieren?»

Tomy ist fasziniert von der Möglichkeit, Sex mit mehreren Menschen zu haben. Aber so ganz traut er der Sache doch nicht.

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Tomy (36) ist fasziniert von der Polygamie. Er würde sie gern ausprobieren, zugleich hat er aber auch Bedenken. (Bild: Kiss me again/Sony)

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Frage von Tomy (36) an Doktor Sex: Immer mehr Frauen ziehen eine Freundschaft Plus einer monogamen Partnerschaft vor – manche führen sogar mit mehreren Partnern eine solche Beziehung, leben also polygam. In der Theorie fasziniert mich dieses Lebensmodell, aber ich kann mir die praktische Umsetzung nicht wirklich vorstellen.

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Was denkst du: Kann Polygamie auf Dauer funktionieren?

Wie soll das auf Dauer funktionieren? Wird es nicht irgendwann kompliziert werden, spätestens dann, wenn Gefühle ins Spiel kommen? Bestimmt wird eine der beteiligten Personen eifersüchtig. Zudem müssten ja alle die Möglichkeit haben, mehrere Partner zu haben. Das führt doch ins totale Chaos!

Letztlich müssen mehrere Menschen ihre Emotionen sehr stark kontrollieren, damit die ganze Sache nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Und irgendwie sind in diesem Modell alle gleich wichtig füreinander. Aber hat nicht jeder Mensch den Wunsch, für jemand anderes der oder die Wichtigste zu sein?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Tomy

Was für eine Frage – schon der Einstieg ist herausfordernd. Deine Formulierung suggeriert, dass es sich bei den geschilderten Phänomenen um Fakten handelt. Tatsache ist aber, dass du einfach deine subjektive Wahrnehmung als solche verkleidest. Es geht also nur um eine Behauptung, um etwas, von dem du glaubst, dass es so sei.

Trotzdem finde ich dein Anliegen interessant, denn es dürfte tatsächlich eine ziemliche Herausforderung sein, so transparent und offenen Herzens sich selbst und andere Menschen zu teilen.

Um dieses Modell zufriedenstellend im Alltag leben zu können, braucht es in erster Linie Mut und den Wunsch, Vielfalt nicht nur ertragen, sondern freudig auskosten zu wollen. Auch eine gute Portion Differenzverträglichkeit dürfte hilfreich sein, denn so zu leben entspricht überhaupt nicht dem, worauf die meisten Menschen als Kinder vorbereitet werden.

Bestimmt kommt es auch in dieser Beziehungsform zu Schwierigkeiten – genauso, wie dies auch in monogamen Beziehungen der Fall ist. Sie werden einfach eine andere Qualität haben und entsprechend sind andere Fähigkeiten im Umgang damit erforderlich. Und selbstverständlich wird sich der eine oder die andere verlieben. So what? Das geschieht ja sowieso dauernd – Singles genauso wie Personen, die in einer Beziehung leben oder verheiratet sind.

Faszination und Anziehung kümmern sich halt einen Deut um Ideen und Konzepte vom richtigen Leben. Das wäre aber eigentlich auch kein Problem, wollten Menschen nicht alles gleich für die Ewigkeit festlegen und konservieren. Es ist genau, wie du schreibst: Da ist stets der Wunsch, wichtig zu sein.

Dieser ist die Folge eines von Ängsten geprägten Erziehungsstils, der Kinder klein macht und in der Abhängigkeit von Autoritäten gefangen hält. Es sind die sich daraus ergebenden Zweifel am eigenen Wert und an der eigenen Selbstwirksamkeit, die letztlich zu diesem Wunsch führen, für jemand anderes das Wichtigste zu sein – weil man nie gelernt hat, frei zu sein und sich selbst zu lieben.

Ich denke, es ist eine grosse Herausforderung, so zu leben, denn man ist wirklich gezwungen, sich und die Welt völlig anders zu denken – ja geradezu neu zu erfinden. Aber warum nicht? Denn zu versuchen, ungestillte Sehnsüchte durch Konsum zu bewältigen, scheint mir jedenfalls keine echte Alternative zu sein. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helvetia am 06.02.2019 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Anders herum ..

    Interessant wäre ja, ob es die nun verzückt begeisterten Männer immer noch so locker sähen, wären es die Frauen die sich meherere Männer "hielten".

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  • Tüpflischiesser am 06.02.2019 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Polygamie ist der falsche Ausdruck

    Polygamie bezeichnet die Vielehe oder das Führen von mehreren eheähnlichen Beziehungen. In diesem Kontext wäre der Ausdruck Polyamorie treffender, obwohl auch dieser nicht ganz korrekt ist. Wie das Wort schon sagt, wäre hierbei Liebe im Spiel. Dem lieben Tomy geht es aber, so wie ich das sehe, in erster Linie um Sex mit div. Partnern.

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  • Elodie am 06.02.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und umgekehrt?

    Wieso geht es hier fast nur um die Konstellation "der Mann will 2 Frauen"?! Vielleicht will ja auch die Frau zwei Männer..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Solidaritäts Sanitäter am 06.02.2019 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Affentanz

    Schatz ich liebe dich--ja ich mich auch.So ist dass wenn das Ego einen Affentanz mit einem Macht.

  • KarinY am 06.02.2019 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Liebe

    Make love, not war!

  • brabra am 06.02.2019 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    vorstellen ja, umsetzen nein

    Ich bin seit 15 jahren glücklich mit meinem Mann zusammen. Ich möchte mit ihm alt werden. Trotzdem gibts da einen Kumpel bei dem ich mir vorstellen könnte dass wir eine 3er Beziehung hätten. Da ich aber weiss dass mein Mann das nie akzeptieren könnte (könnt ich glaub ich auch nicht wenn er noch eine Frau anschleppen würde) behalt ich meine Gedanken und Gefühle für mich. Denn meine Beziehung zu ihm ist mir wichtiger als dieses Wunschdenken.... Vermutlich wäre es schlussendlich sowieso nur halb so toll wie man im vornherein meint (wie die meisten Dinge im Leben).

  • Rässe am 06.02.2019 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Man zu Man

    ich hatte die gelegenheit einige solcher mädels kennenzulernen die polygam lebten... meiner meinung nach lass die finger davon... die mädels sehen nice aus aber innerlich... just garbage... die sind beziehungsunfähig... können oder wollen keine verantwortung übernehmen und sind meistens geistig und emotional irgendwo bei 20ig stehen geblieben... weiss nicht so recht ob das bei allen so ist aber bei den damen die ich kenne quatschen nur über ihre stecher... und ganz ehrlich ich finds abturnend.. der gedanke das schon 20-30 andere typen drüber sind und nicht zu vergessen die geschlechtskrankheiten die sie wohl mit sich tragen... das mit den geschlechtskrank. da redet keine gerne drüber wenn du mal eine polygame dame darauf ansprichst... ich habs gesehen lohnt sich nicht... ausser du kannst diesen misch masch der beziehungstechnisch entsteht handeln... das kann auf männer zutreffen!!!

  • Chäfer am 06.02.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    offen kommunizieren

    Das Buch - Offene Beziehung von Nils Terborg - sehr zu empfehlen. Er zeigt die verschiedenen Beziehungsformen auf. Das wichtigste ist wohl die offene Kommunikation, damit jede/r Beteiligte/r frei entscheiden kann ob er/sie IN oder OUT ist.

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