Lohntransparenz

18. Juli 2014 08:28; Akt: 18.07.2014 15:25 Print

«Mir ist das Arbeitsklima wichtiger als Geld»

Die VBZ sind Vorreiter in Sachen Lohntransparenz, sie kommunizieren im Stelleninserat das Gehalt des Arbeitnehmers. Eine Idee, die die 20-Minuten-Leser kontrovers diskutieren.

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Die Zürcher Verkehrsbetriebe schreiben den Lohn ins Stelleninserat. Das ist im Schweizer Arbeitsmarkt ein Novum. Wie gut Schweizer Jobs bezahlt sind, erfahren Sie auf den folgenden Bildern... Die Lohnangaben stammen aus dem , das 9000 Angaben aus Gesamtarbeitsverträgen und Statistiken von Verbänden und dem Bundesamt für Statistik enthält. : Verdient bis zwei Jahre Berufserfahrung 6692 Franken. Zwischen zwei und fünf Jahren Berufserfahrung 7923 Franken und ab fünf Jahren 8462 Franken. : In einer Bierbrauerei wird im Schnitt 41 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein gelernter Brauer verdient 4459 Franken. Nach acht Jahren sind es 4896 Franken. : In einer Confiserie steigt der Lohn mit der Ausbildung. Mit Berufsattest beträgt er 3445 Franken, mit Fähigkeitsausweis 3845 Franken und mit Meisterdiplom als Produktionsleiter 5313 Franken. : Drogisten arbeiten pro Woche 42 Stunden. In wirtschaftlich schwächeren Regionen verdienen sie 3708 Franken, in wirtschaftlich stärkeren Regionen 4225 Franken. Als Geschäftsführer mit höherer Fachschule beträgt der Zahltag sogar 6542 Franken. : Ein Elektroingenieur arbeitet 41,5 Stunden pro Woche. Sein Einstiegslohn beträgt 5959 Franken, mit Erfahrung gibts satte 9285 Franken. : Mitarbeiter ohne Berufslehre erhalten 3407 Franken, Mitarbeiter mit Berufsattest 3707 Franken. Mit Berufslehre gibts 4108 Franken. : Ein Senn verdient trotz der harten körperlichen Arbeit gerade einmal 160 bis 225 Franken pro Tag. : Bis zum 25. Altersjahr verdienen Softwareentwickler 5169 Franken, ab dem 30. Altersjahr 6746 Franken. : Ein Journalist verdient als Volontär durchschnittlich 4099 Franken, als Redaktor 7541 Franken und als Ressortleiter 8310 Franken. : Köche arbeiten 42 Stunden pro Woche und verdienen dafür 4810 Franken. : Lastwagenchauffeure fahren 48 Stunden pro Woche. Ab dem vierten Berufsjahr verdienen sie 4450 Franken, vorher verdienen sie 4250 Franken. : Ein gelenter Mauer verdient 5553 Franken, ein Vorarbeiter 6080 Franken. : Eine Näherin verdient 3420 Franken mit Berufslehre. Nach 3-jähriger Berufspraxis gibts 4360 Franken. : Ein Oberarzt verdient 8506 Franken im Monat. Zum Vergleich: Ein Assistenarzt erhält 7463 Franken, ein Chefarzt 12'824 Franken und der Direktor eines Unispitals gar 14'732 Franken. Eine Arztgehilfin hingegen verdient zwischen 4000 Franken und 5170 Franken. : Laut dem Zürcher Personalgesetz verdienen Aspiranten 5217 Franken, ein Gefreiter 5511 Franken und ein Wachtmeister 6197 Franken. . Er verdient ab dem 24. bis zum 29. Altersjahr 6823 Franken. Für Vierzigjährige gibt es laut dem Lohnbuch 8182 Franken, für Fünfzigjährige sogar 8359 Franken. : Unter 18-jährige Raumpflegerinnen verdienen 3351 Franken, über 18-jährige 4655 Franken oder 25 Franken pro Stunde. : Als Schneesportlehrer lohnt es sich, eine Ausbildung zu machen. Denn mit eidgenössischem Fachausweis verdient ein Lehrer minimal 70 Franken pro Stunde, als Hilfslehrer minimal 30 Franken. Sie verdient bei höchstens 23 Arbeitstagen im Monat einen Nettolohn von 2300 Franken. Die Tagespauschale beträgt 190 Franken. : Uhrmacher werden für ihr Geschick mit dreijähriger Lehre mit 3650 Franken, mit vierjähriger Lehre mit 4000 Franken entlöhnt. : Detailhandelsangestellte arbeiten rund 41 Stunden in der Woche und werden nach einer dreijährigen Lehre dafür mit 3900 Franken entlöhnt. Mit vierjähriger Lehre gibts 200 Franken mehr. : Wäschereimitarbeiterinnen profitieren von einer guten Ausbildung. Mit Berufsattest gibts 3375 Franken, Mit dreijähriger Lehre 4264 Franken. : Sogar dieser ungewöhnliche Beruf wird im Buch aufgeführt. Ein gelernter Yachtbauer verdient 5454 Franken, ab 30 sogar 6729 Franken. : Spezielle Entlöhnungen gibts für Zirkusartisten. Der angegebene Mindestlohn richtet sich nach Können und Bekanntheitsgrad des Künstlers, beträgt aber mindestens 2000 Franken oder 9.20 pro Stunde. Berufsüblich ist eine 50-Stunden-Woche.

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So viel vorweg, die Leser des 20-Minuten-Artikels «Erste Firmen schreiben Lohn in Stelleninserate» sind sich einig: Die Löhne in der Schweiz sollten transparenter werden. Auf die Frage: «Was halten Sie von Lohnangaben in Stelleninseraten?» haben 78 Prozent geantwortet, dass diese ein gutes Hilfsmittel bei der Jobsuche seien. 13 Prozent möchten nicht wissen, dass jeder weiss, was Sie verdienen und 9 Prozent ist die Lohntransparenz egal.

Auch Kommentare wie der von Leser Marc Heusser werden von den Mitlesenden grösstenteils positiv bewertet. Er schreibt: «Wenn die Löhne transparent sind, muss sich ein Arbeitgeber auch überlegen, wem er was zahlt. Das ist heilsam. Habe es mit meinen Mitarbeitern auch so gehalten und keiner wollte was anderes.» Genauso goutiert wird der Beitrag von Peter: «Glückwunsch an die VBZ für diesen mutigen Schritt. Wenn ich einkaufen gehe, möchte ich auch gleich sehen wie viel etwas kostet.»

«Mir sind die Mitarbeiter und das Arbeitsklima wichtiger als das Geld»

Und doch geben Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Kommentaren zu bedenken, dass der Lohn nicht das Hauptargument sein sollte, um einen Job anzunehmen. So schreibt Leserin Minu: «Ich möchte keinen Topverdienst und dafür in einem schlechten Umfeld arbeiten. Mir sind die Mitarbeiter und das Arbeitsklima wichtiger als das Geld.»

In dasselbe Horn stösst Arbeitgeberin Mirka: «Als Unternehmerin möchte ich in erster Linie motivierte Mitarbeiter, die sich gerne mit ganzer Leidenschaft einbringen möchten und denen eine langfristige Zusammenarbeit wichtig ist.» Viele der Kommentierenden halten mit dem Argument dagegen, dass im Grunde jeder, unabhängig vom Arbeitsumfeld, den besten Lohn für sich rausholen möchte. So auch Leser Ingo. Er schreibt: «Schlussendlich geht es immer ums liebe Geld! Dafür wechseln die Menschen ihre Stelle, dafür machen sie ihre Ausbildungen, darum bilden sie sich weiter.»

«Als bauleitender Sanitär verdiene ich 6'500 Franken brutto»

Das es den kommentierenden 20-Minuten-Lesern ernst ist mit der Lohntransparenz, zeigen einige ganz deutlich, indem sie ihr Salär gleich selber transparent machen. So auch Sanitärinstallateur Tom: «Als bauleitender Sanitär bekomme ich dreizehnmal 6'500 Franken brutto, plus 300 Franken Essensspesen, plus Firmenhandy, plus Firmenfahrzeug und fünf Wochen Ferien. Ich bin knapp unter vierzig und arbeite in Zürich.»

Was ein Grossteil der Leser in der Schweiz für längst überfällig hält, sei in vielen Ländern schon alltäglich und wird von den Berichtenden sehr geschätzt. Leserin «Auslandschweizerin» schreibt: «In anderen Ländern ist das gang und gäbe. Genau aus dem bereits erwähnten Grund. Der Arbeitgeber kann sich so einige Bewerbungsgespräche sparen. Über den Lohn zu sprechen ist ehrlicher.»

(bsg)

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