WhatsApp-Style

17. Juni 2013 20:40; Akt: 18.06.2013 09:34 Print

«Mit YOLO bruchsch mir gar nid cho»

von Olaf Kunz - In der Schweiz werden Kurznachrichten vor allem in Dialekt geschrieben. Trotzdem: Rechtschreibung wird enorm geschätzt und englische Abkürzungen wie «OMG» sind verpönt.

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Ob Dialekt oder Hochdeutsch - peinliche Vertipper und schludrige Nachrichten gibt es in beiden Lagern.

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Um den Erhalt des Schweizerdeutschen müssen sich Sprachtraditionalisten auch im Zeitalter von Smartphones keinerlei Sorgen machen. Im Gegenteil: Dreiviertel der Nutzer geben an, SMS mehrheitlich in Dialekt zu verfassen. Bei WhatsApp-Nachrichten ist der Mundart-Anteil sogar noch höher – 84 Prozent schreiben über diesen Anbieter in Schweizerdeutsch. Das ist das Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage von 20 Minuten.

Dabei zeigt sich auch: Je jünger die Befragten, desto höher die Neigung, in Dialekt zu schreiben. Ausserdem steht Dialekt bei Bewohnern auf dem Land noch deutlich höher im Kurs als bei Städtern. Welche Schule besucht wurde oder wird – ob Real-, Sekundar, Berufs-, Maturitätsschule oder Gymnasium -, spielt bei der Dialektverwendung allerdings keine Rolle. Lediglich unter Akademikern ist der Dialekt-Anteil in Kurznachrichten geringer, wie aus den Antworten 3988 Teilnehmer deutlich wird.

Dumme Nachricht = dumme Schreiber

Die Hälfte der Befragten hat auch bei Kurznachrichten, die in Dialekt verfasst werden, kein Pardon wenn es um Rechtschreibung geht. Dabei klafft zwischen Anspruch und eigener Praxis offenbar eine Lücke. Denn nur 37 Prozent achten nach bestem Wissen und Gewissen darauf, Nachrichten fehlerfrei zu schreiben.

Nur die Minderheit nimmt sich übrigens die Zeit, die SMS oder WhatsApp-Nachricht vor dem Absenden noch einmal gründlich durchzulesen. Hinzu kommt, dass 86 Prozent die Autocorrect-Funktion an ihrem Handy deaktiviert haben. Dabei könnte sich das durchaus lohnen – zumal wenn dies mit einer Portion Selbstkritik geschieht. Denn für mehr als zwei Drittel spiegelt die Art und Weise, wie eine Kurznachricht verfasst wird, den Bildungsstand wieder. Wer schludrig schreibt, dem haftet schnell das Makel des Ungebildeten an. Nebst Rechtschreibung lohnt es sich dabei auch auf ein, zwei andere Dinge zu achten.

«OMG – WTF – das ist SWAG 0»

Kurznachrichten durch die Verwendung von Abkürzungen von Anglizismen zu komprimieren kommt nicht bei allen Empfängern gut an. Ob YOLO (=You only live once) über SWAG (Wörtlich übersetzt bedeutet «to swagger» stolzieren, prahlen oder schwadronieren und gibt den Coolness-Grad an – je mehr SWAG, desto cooler) bis hin zu OMG (=Oh my god) – ein Drittel geht bei solchen Buchstabenaneinanderreihungen der Hut hoch.

Und obwohl in Nachrichten via WhatsApp oder Viber der Ton noch legerer ist im Vergleich zum SMS-Stil, stossen auch hier Anglizismen wie «kiss» oder «miss you» nicht nur auf Gegenliebe. Ein Drittel verzichtet deshalb komplett auf die Verwendung. Damit bestätigen die Leser-Umfragewerte eine Studie vom Romanischen Seminar der Universität Zürich zu Anglizismen Kurznachrichten. Ganz anders sieht es aus mit Smileys. Lediglich 10 Prozent bauen :-), *g* oder :-P nie ein. Und auch Emoticons, also grafische Smileys und Symbole, fehlen in nur wenigen Nachrichten, die unter Handybesitzern verschickt werden.

Wahre Flut an WhatsApp-Nachrichten

Weltweit wurden laut einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmenens Informa im Jahr 2012 17,6 Milliarden Kurznachrichten via SMS verschickt. Allein auf dem Swisscom-Netz werden derzeit pro Tag im Durchschnitt 7,7 Millionen SMS verschickt. Was überrascht: Das 160 Zeichen lange Briefchen scheint über alle Altersklassen hinweg etwa gleich beliebt. Es spricht also einiges dafür, dass die SMS allen Unkenrufen zum Trotz auf absehbare Zeit nicht aussterben wird. Diese Einschätzung teilt auch Olaf Schulze, Mediensprecher von Swisscom: «Wenn man sich die stabile Entwicklung der SMS-Zahlen anschaut, sieht man, dass WhatsApp und ähnliche Anbieter SMS nur in geringem Masse substituieren. Vielmehr werden sie ergänzend verwendet.»

Trotz allem: Die relative Bedeutung der SMS bei Kurznachrichten nimmt massiv ab. Selbst bei den über 40-Jährigen findet der IP-basierte Austausch von Mitteilungen grossen Anklang. So geben knapp 30 Prozent an, täglich 10 oder mehr Kurznachrichten über diesen Anbieter zu verschicken. Doch das ist kein Vergleich zu den Jugendlichen. Vier von fünf jüngeren Befragten schreiben pro Tag mindestens 10 Nachrichten via WhatsApp, 57 Prozent sogar über 30.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Name Vorname am 18.06.2013 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    SH statt SCH

    Mit Abstand das Schlimmste in Textnachrichten sind Dinge wie "sh" statt "sch" oder "q" statt "g".

    einklappen einklappen
  • Noel Breguet am 18.06.2013 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autokorrektur

    Zu Anfangs hatte ich die Autokorrekur eingeschaltet, doch wenn dieses Programm einem immer wieder ins Wort fällt, unzuverlässig ist und einfach nur stört, schalten es die meisten sowieso ab! Auch wenn manche Leute in Schriftdeutsch schreiben, diese Autokorrektur korrigiert meist falsch! Ich schreibe in Schweizerdeutsch, weil ich mich so besser ausdrücken kann. Ich kann meine Gefühle in die Sprache besser einfliessen lassen, denn es ist immernoch meine eigentlich erste Muttersprache!

  • Ironieker am 18.06.2013 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OMG

    Zum glück heisst die abkürzung auf deutsch nicht gleich. *ironie off

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy S. am 18.06.2013 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Angaben

    Nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, habe ich das Gefühl eine grosse Ausnahme zu sein, obwohl das im Alltag nicht der Fall ist. Mit meinen Akademischen Freunden die ein Dialekt beherrschen schreibe ich nur im Dialekt und es gibt nur Nachfragen, wenn man einen Tippfehler gemacht hat, der das Wort unerkennlich macht. Rechtschreibung im Dialekt - das gibt es doch gar nicht. Jeder schreibt so wie er will und es stimmt trotzdem, solange die Laute und die Grammatik in etwa stimmen. Das wir viele Anglizismen und vor allem englische Abkürzungen benutzen ist nicht abzustreiten, wobei ich das eherauf unsere online Spielkarriere zurückführe. OMG verstehen wir aber mehr als deutsche Abkürzung für "Oh mein Gott" und YOLO sowie SWAG ist bei jüngeren Leuten gebräuchlich. Diese zwei finden wir einfach nur dämlich. Am meisten benutzen wir WTF, lol und btw.. Allein bei der Autokorrektur gehöre ich zur Mehrheit. Diese ist nämlich debiler als manch andere Funktion und ändert anfangs die Wörter vom Dialekt ins Hochdeutsche, manchmal gibt es auch komplett andere Wörter heraus. Mit der Zeit kann man sich vielleicht daran gewöhnen, mir geht es aber nur auf die Nerven.

  • Jerry am 18.06.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dialekt + Kurznachrichten

    Seit ich so viele Kurznachrichten versende auf Dialekt kann ich kaum mehr richtig Hochdeutsch. Schade eigentlich.

  • hans am 18.06.2013 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    computer

    sorry aber fuer das gibt es e-mail. ich hasse es auf diesen kleinen handy's nachrichten zu schreiben. da rufe ich lieber an! ich wuenschte mir andere leute wuerden sich auch daran halten dann bekaeme ich nicht so viele sinnlose texte.

    • Dimitri Fehr am 18.06.2013 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Hans

      Dann werfen sie doch ihr Handy weg...

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  • Noel Breguet am 18.06.2013 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autokorrektur

    Zu Anfangs hatte ich die Autokorrekur eingeschaltet, doch wenn dieses Programm einem immer wieder ins Wort fällt, unzuverlässig ist und einfach nur stört, schalten es die meisten sowieso ab! Auch wenn manche Leute in Schriftdeutsch schreiben, diese Autokorrektur korrigiert meist falsch! Ich schreibe in Schweizerdeutsch, weil ich mich so besser ausdrücken kann. Ich kann meine Gefühle in die Sprache besser einfliessen lassen, denn es ist immernoch meine eigentlich erste Muttersprache!

  • Zack am 18.06.2013 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gute alte zeit

    Ich wünsche mir die gute alte Zeit zurück wo es noch kein Whats app gab und SMS nicht was kostete. Vielleicht würden die Leute dann weniger mist schreiben.

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