Umfrage Sex-Vokabular

02. März 2012 19:27; Akt: 02.03.2012 19:27 Print

«Schwanz» und «Muschi» sind in aller Munde

von Viktoria Weber - Wenn Schweizer über Sex reden, wählen sie dafür nicht unbedingt die edelsten Wörter aus - vor allem die Männer. «Doktor Sex» dagegen soll doch bitte ein Blatt vor den Mund nehmen.

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Penis oder Schwanz? Vulva oder Muschi? Um herauszufinden, ob, mit wem und vor allem wie die Schweizer über das Thema Sex reden, lancierte 20 Minuten Online eine grosse Umfrage, an der 10 637 Personen teilnahmen. Der Einstieg fiel ihnen angeblich schon mal nicht schwer: 84 Prozent der Männer gaben an, dass es ihnen «leicht» oder «eher leicht» falle, über Sex zu sprechen, bei den Frauen wählten über 81 Prozent diese Antworten.

Auch auf die Frage, wie leicht es ihnen fällt, mit dem Partner oder der Partnerin oder mit dem besten Freund oder der besten Freundin über Sex zu reden, antworteten die meisten Befragten «leicht» oder «eher leicht». Ein überraschendes Ergebnis für «Doktor Sex» alias Bruno Wermuth: In seinen Beratungen stellt er immer wieder fest, dass es den Menschen alles andere als leicht fällt, mit dem Partner über Sex zu reden.

Wieso Penis wenn auch Schwanz geht?

Hat man sich aber mal dazu entschieden, über Sex zu reden - egal wie gern oder ungern man das tut - welche Worte dazu verwenden? Eines wird deutlich: Vor allem die Männer reden frei drauf los. So nennen 53 Prozent - und damit die Mehrheit - der männlichen Befragten ihr bestes Stück ganz einfach «Schwanz». Diesen Begriff würden aber nur 40,5 Prozent der Frauen wählen, sie bevorzugen den medizinischen Ausdruck «Penis».

Ähnlich verhält es sich bei dem weiblichen Geschlechtsorgan. Dieses nennen 56,2 Prozent der Männer «Muschi», nur 36,2 Prozent der Frauen schliessen sich an. Die Mehrheit der weiblichen Befragten bevorzugt den Begriff «Scheide». Vergleichbar ist auch die Frage nach der weiblichen Oberweite. Während sich 77,5 Prozent der Frauen für das Wort «Brüste» entscheiden, sind es bei den Männern nur 58,3 Prozent. Denn ein knappes Drittel der Männer sagt dazu - unabhängig von Kontext und Gesprächspartner - «Titten».

Beim Gesäss sind sich Mann und Frau recht einig: 70 Prozent nennen es «Arsch». Geht es um den Darmausgang sagt ebenfalls eine deutliche Mehrheit von 57, 4 Prozent «Arschloch».

Frauen und ältere Menschen sind prüder

Bei den meisten Begriffen wird aber doch wieder deutlich, dass Frauen die etwas zurückhaltenderen Begriffe nutzen. So zum Beispiel beim Geschlechtsakt. Rund 66 Prozent der Frauen sagen «Sex haben» oder «miteinander schlafen», bei den Männern sind es nur 40 Prozent. Dafür sagen die männlichen Befragten zu 23,8 Prozent «ficken». Nicht mal halb so viele Frauen bringen dieses Wort über die Lippen. Ähnlich auch die Begriffe für die Selbstbefriedigung beim Mann. Sagt die Mehrheit der Männer (44,6 Prozent) einfach «wichsen», wählen bei den Frauen nicht mal 20 Prozent diesen Begriff. Und spricht man über Analverkehr, sagen immerhin ein knappes Drittel der Männer «arschficken», bei den weiblichen Befragten sagt dies nicht mal ein Fünftel.

Vergleicht man bei all den erfragten Begriffen die Antworten der unterschiedlichen Altersklassen, wird klar: Je jünger desto versauter (oder offener), je älter desto anständiger (oder verklemmter).

Vorstellungen einer «heilen Welt»?

Wenn unsere Leser mit Kindern über Sexualität sprechen, dominieren ganz eindeutig und unabhängig vom Geschlecht die «harmloseren» Begriffe, wie: «Penis», «Scheide», «Brüste», «Hintern» oder «Po», «Anus» oder «Poloch», «Liebe machen» oder «miteinander schlafen».

Und auch in den Beratungstexten von «Doktor Sex» wünschen sich die Leser eine zurückhaltendere Sprache. Es dominieren die ebengenannten Begriffe, wie man sie bei Kindern verwendet. Paradox, wenn man bedenkt, dass die jüngeren Leute - und damit die Zielgruppe von 20 Minuten Online - die weitaus versauteren Begriffe verwenden. Auch hier sind die Männer aber wieder etwas offener: Finden nur 15,4 Prozent der Frauen, dass der Experte «Muschi» sagen darf, so stimmen hier 37,4 Prozent der Männer zu. Finden nur 7 Prozent der Frauen «Titten» in Ordnung, ist hier sogar ein Viertel der Männer einverstanden. 7,5 Prozent der Frauen würden «ficken» durchgehen lassen, bei den Männern sind es mit 21,6 Prozent auch hier deutlich mehr. Sind nur 13,3 Prozent der Frauen mit dem Begriff «wichsen» einverstanden, sind es bei den Männern mehr als das Doppelte.

Wieso sind Frauen so deutlich zurückhaltender? Und wieso spricht man mit Kindern anders, wenn früher oder später doch wieder die «versauteren» Begriffe aufkommen. Wovor wollen wir Kinder beschützen? Und wieso soll «Doktor Sex» eine völlig andere Sprache verwenden als die Menschen, die sich mit ihren Sorgen an ihn wenden? Schreiben Sie Ihre Einschätzungen ins Kommentarfeld!

Fällt es Ihnen grundsätzlich leicht, über Sex zu reden?
Quelle: 20 Minuten Online

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefanie am 03.04.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Doktor Sex

    Wenn man sich schon Doktor Sex nennt, kann man auch medizische Begriffe verwenden. Ausdrücke wie Titten sind abschätzig, und mir mich als Frau abtürnend. Da lass ich einen Mann sitzen und er kann dann masturbieren oder wie er's auch immer nennen will.

  • Andi am 02.03.2012 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    mein Ding ist ein Schwanz...

    Ich sage meiner Freundin ja sicher nicht: "nimm doch min Penis ins Muul..." und wenn ich ihre Muschi lecken soll, dann bittet sie ja auch nicht meine Zunge zu ihrer Scheide... Ein Sexualpädagoge soll auch meine Wörter der Lust verwenden, denn es geht auch bei ihm um Lust, Genuss und Emotionen... Der Arzt, bei dem es um Krankheiten und oftmals weniger schönen Dinge geht, der soll dem Gespräch gerne mit Fachwörtern ein bisschen die Emotionen nehmen... Aber da die Sprache bei jedem und jeder anders ist, muss jeder und jede, ob Sexualpädagoge oder Ärztin, sich dem Gegenüber anpassen...

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  • auch jung am 03.03.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    ein klein bisschen Anstand

    Warum spricht man mit Kindern anständig, wenn sie doch fluchen? Was Jeder für sich und seinen Partner selber gut findet, ist OK. In der Oeffentlichkeit wird aber auch heute noch ein bisschen Anstand gewünscht. Dies kann doch wohl nicht so schwer sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paradoxus am 04.05.2012 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist die Aufgabe von Dr. Sex?

    Und wieso soll «Doktor Sex» eine völlig andere Sprache verwenden? -> Ganz einfach, weill er als "Dr." eine sachliche Sprache sprechen sollte?

  • Julia am 24.04.2012 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt vor beiden Geschlechtern

    Titel wie "die Freundin meines besten Kumpel vögeln?" gehen mir total gegen den Strich. Nicht weil ich prüde bin, sondern weil es klingt, als hätte die Frau da kein Wörtchen mitzureden. Frauen werden nicht (könnt ihr ja am Männerabend so von euch geben, aber in einem Zeitungsartikel?), gevögelt, sondern Mann und Frau vögeln miteinander. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

    • passiv aktiv am 13.09.2012 12:56 Report Diesen Beitrag melden

      Kommt draufan...

      ... wie "aktiv" Frau ist. ;-) Manchmal kann man halt effektiv nur von "wird gevögelt" sprechen.

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  • Carole am 17.04.2012 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Aeltere sind die versauteren

    Das stimmt doch überhaupt nicht, dass jüngere Männer und Frauen versauter sind als ältere und die deftigeren Ausdrücke brauchen. Frauen ab 50 sind sicher weniger prüde und versauter als 16-jährige!!! Ich sage z.B. bumsen statt Liebe machen. Als jung sagte ich sicher nicht Muschi sondern eben Scheide.

  • Stefanie am 03.04.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Doktor Sex

    Wenn man sich schon Doktor Sex nennt, kann man auch medizische Begriffe verwenden. Ausdrücke wie Titten sind abschätzig, und mir mich als Frau abtürnend. Da lass ich einen Mann sitzen und er kann dann masturbieren oder wie er's auch immer nennen will.

  • crypt(name) am 02.04.2012 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anständige Schweizer

    Masochistin beim Akt mit anständigem Schweizer: "Ja du Tiger, sag mir dreckige Sachen!" Er: "okay.... ehm. Mülleimer.. Strassenboden, Abfall..". Bin übrigens auch Schweizer =)

    • Hans Christoffel am 21.04.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Trifft tiefer...

      Genauer: "Hey mein Tiger, sag mir dreckige Sachen!" Er: "okay.... Badezimmer, Küche, WC, Bettwäsche.....

    • Chris am 14.09.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      tiernamen

      Sie: "Nimm mich von hinten und gib mir Tiernamen" Er: "Schmetterling" Sie: "Gib mir BÖSE Tiernamen"¨ Er: "Böser Schmetterling"

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