Leser helfen Lesern – Teil 8

03. Juli 2014 15:16; Akt: 07.07.2014 18:07 Print

«Seelische Tiefs kann man nur allein überwinden»

Der Freund von Olivia hat mit psychischen Belastungen zu kämpfen und sie weiss nicht, was sie tun kann. Die Leser sind sich einig, dass er dies selbst in die Hand nehmen muss.

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Zehn Leser, über deren junge Beziehungen erste Gewitterwolken aufziehen, haben ihre Probleme mit der 20-Minuten-Community geteilt. In zehn Teilen widmen wir uns nun den Ratschlägen der Leser, deren Beziehungen die Jahre überdauern. Im ersten Teil unserer Serie «Leser helfen Lesern» fragt sich Florian, ob seine Beziehung auf Distanz funktionieren kann. Kann sie, wenn es nach der Meinung der beziehungserfahrenen 20-Minuten-Leser geht. Was es braucht: viel Verständnis, lange Skype-Sessions und irgendwann ein Ende der Distanz. Selina und ihr Freund sind seit einem Jahr ein Paar und in ihrer Beziehung macht sich Langeweile breit. Den beiden fehlen Erlebnisse, die sie verbinden, doch dafür ist das Geld zu knapp, glaubt Selina. Die 20-Minuten-Community meint: «Verbindende Erlebnisse müssen nicht teuer sein.» Cornelia fühlt sich von ihrem Freund vernachlässigt. Kann es sein, dass sie sich zu verfügbar macht und dadurch nicht mehr spannend ist? Die Leser finden: «Mach dich rar, so wirst du wieder interessant!» Loli und ihr Freund haben sich nach zwei Jahren Beziehung nicht mehr viel zu sagen. Wie können wieder spannende Gespräche entstehen? Die Leser raten: «Themen ergeben sich, wenn ihr auch Dinge ohne den anderen erlebt. Akzeptiert aber auch, dass es schön sein kann, nebeneinander zu sitzen und einfach mal nicht zu reden.» Lisa-Marie wandte sich mit dieser Frage an 20-Minuten-Leserinnen und -Leser, die schon lange in einer Beziehung sind. Diese fanden mehrheitlich: «Wenn du ihn liebst und er dich auch, gebt der Beziehung noch eine Chance. Sprecht aufrichtig miteinander, versuch ihm zu verzeihen und ihm die Sache nicht auf ewig nachzutragen.» Leserin Sabine und ihr Freund sind seit zwei Jahren zusammen und langsam stellt sich im Bett der Alltag ein. Die 20-Minuten-Leser geben dabei allerhand Tipps: Vom Porno bis zur Sex-App. Aber der wohl wichtigste Ratschlag hat nichts mit ausgefallenen Techniken zu tun, sondern mit Kommunikation. Ohne sie geht nichts, finden die Leser. Marco weiss nicht weiter: «Ich habe ihr bereits versucht zu erklären, dass nicht alle Aussagen negativ sind. Sie sagt, dass ich zuerst überlegen soll, was ich sage. Wie soll ich mich nun ihr gegenüber verhalten?» Beziehungserfahrene 20-Minuten-Leser geben Auskunft über ihre eigenen Strategien und haben auch viele Tipps für Marco parat. Jessi hat Angst, verlassen zu werden, weil ihrem Freund nicht bewusst ist, dass man an einer Beziehung arbeiten muss. Für die Leser kein Problem - jedenfalls nicht für den Augenblick. Der Freund von Olivia hat mit psychischen Belastungen zu kämpfen und sie weiss nicht, was sie tun kann. Die Leser sind sich einig, dass er dies selbst in die Hand nehmen muss. Janines junge Beziehung wird von ständigen Streiterein belastet. Ein Problem, das für das sie keine Lösung weiss. Nicht so die Leser, sie raten: «Nehmt nicht alles so ernst!» Junge Liebe fühlt sich wundervoll an: Jeder Tag gleicht einer fluffigen Wattewolke. Doch was tun, wenn erste Probleme, Zweifel oder der Alltag auf der Türschwelle stehen? Nicht alles, was am Anfang so schön war, bleibt über die Jahre gleich. Zum Beispiel ... Endlich, es ist Freitag! Sie treffen sich mit Ihrem neuen Partner am Bahnhof oder am Auto für ein unvergessliches Wochenende mit gutem Essen, intensiven Gesprächen und schlaflosen Nächten. Sie und Ihr Lebensgefährte laden das Auto bis oben mit Dingen voll, die Sie während der nächsten drei Tage wirklich dringend benötigen. Ausserdem erinnern Sie Ihren Partner an sein Hämorrhoiden-Kissen. Sie ziehen Ihre schönsten Kleider an und warten aufgeregt am Treffpunkt. Gemeinsam tanzen Sie die Nacht durch und die Menschen um Sie herum haben Sie nicht einen einzigen Moment wahrgenommen. Ihr Partner ist verabredet und Sie haben die Wohnung endlich mal wieder für sich allein! Bedeutet auch gemeinsames Aufwachen. Arm in Arm. Eng aneinandergekuschelt. Natürlich kuscheln Sie noch, bevor Sie ins Reich der Träume abdriften. Aber taube Arme oder zu langer Hautkontakt über Stunden? Nicht für Sie! Sie wissen, dass guter Schlaf wichtig ist für eine gesunde und glückliche Beziehung. Und doch: Wer beneidet sie nicht, die Paare, die seit Ewigkeiten glücklich zusammen sind? Welche Fragen würden Sie diesen Paaren gerne stellen?

Zum Thema
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Seit gerade mal einem halben Jahr sind Olivia und ihr Freund ein Paar. Doch über der noch frischen Beziehung sind dunkle Wolken aufgezogen. Desalb hat Olivia die Frage, die sie zurzeit am meisten beschäftigt, an die Community gestellt: «Wie können wir gemeinsam seine seelischen Tiefs überwinden?» Viele beziehungserfahrene Leser kennen dieses Thema und raten Olivia vor allem, einfach für ihren Freund da zu sein. Denn psychische Probleme könne man nur aus eigener Motivation überwinden.

Das raten die 20-Minuten-Leser Olivia
Kathrin führt seit 5 Jahren eine Beziehung
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Ich war einmal in dieser Situation. Ich hatte das seelische Tief. Wichtig ist, dass er weiss, dass er jederzeit mit dir reden kann, aber nicht muss. Erzähl ihm auch von deinen Sorgen und Ängsten. Helfen können auch Fragen wie: «Wie fühlst du dich im Moment?» Oder: «Was geht in dir vor?» Sei da, aber bedräng ihn nicht.
Xhemi ist seit 8 Jahren verheiratet
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Indem man dem anderen auch mal Recht gibt, obwohl man für sich selber weiss, dass es anders ist. Bevor es zum Streit kommt oder zur grossen Diskussion, einfach ruhig bleiben und es später nochmals versuchen.
Nicolle ist seit 12 Jahren in einer Partnerschaft
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Die seelischen Tiefs kann man nur selber und mit fachlicher Hilfe bewältigen. Als Partner sollten Sie keine klugen Ratschläge geben, sondern nur geduldig daneben stehen, zuhören und ihn einfach verstehen.
Kim ist seit 7 Jahren in einer Partnerschaft
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Wenn ein Partner eine Krise durchmacht, ist es das Beste seinem Liebsten das Gefühl zu geben, trotz allem an seiner Seite zu sein. Wenn allenfalls psychologische Hilfe angenommen wird, könnte man den Partner mal begleiten. Versuche in den Gesprächen zu verstehen, wie es ihm geht und was du machen kannst, dass es ihm dabei besser geht.
Ten ist seit 10 Jahren in einer Partnerschaft
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Ihr müsst Freiräume - auch räumlich - schaffen. Jeder braucht, auch in der gemeinsamen Wohnung, Rückzugsmöglichkeiten. Ihr solltet auch Rituale immer beibehalten. Respekt, gegenseitige Akzeptanz und Vertrauen darin, dass die eigene Person nicht der Grund des Tiefs ist, sind sehr wichtig. Die «Tiefs» sind für alle sehr anstrengend. Kann das Gefühl der Gemeinsamkeit dies überstrahlen, steht einer langjährigen, glücklichen Beziehung nichts im Wege. Viel Glück!
Melanie ist seit 3.5 Jahren mit ihrem Partner zusammen
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Es ist wichtig, dass er dir alles erzählt, was ihn bedrückt. Du musst ihm das Gefühl geben, immer für ihn da zu sein und dann wird er vielleicht merken, dass seine Tiefs nur halb so schlimm sind, weil er eine tolle Freundin hat, die immer für ihn da ist. Umgekehrt bist du auch sicher sehr froh, wenn du mit ihm über deine Probleme reden kannst.
Urs ist seit 20 Jahren in einer Beziehung
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Ein Tief kann nur jeder allein überwinden. Manchmal genügt abwarten, mehr Schlaf, Bewegung oder Sonne. Meist müssen aber kleinere oder grössere Dinge geändert werden. Ich wäre vorsichtig mit dem Wort «gemeinsam». Als Partnerin kannst Du ihm lediglich Rahmenbedingungen bieten, die ihn dabei vielleicht unterstützen. Wichtig ist der Selbstschutz. Versuch Dich zwar nicht von ihm, aber von seiner gedrückten Stimmung abzugrenzen. Es bringt weder Dir noch ihm etwas, wenn Du auch ins Loch fällst. Menschen mit einem Tief fürchten am meisten, anderen zur Last zu fallen. Du bist weder Schuld an seinen Tiefs, noch bist Du für sein Wohlergehen verantwortlich. Nimm Dir auch Zeit für Freunde und Familie. Es ist wichtig, ab und zu gesunde Menschen um sich zu haben und manchmal möchte man gerne Sorgen besprechen. Mach keinen Zeitplan. Ein Tief kann rasch weggehen, aber auch sehr lange halten. Zeitdruck ist sehr kontraproduktiv. Biete ihm, sofern für Dich zumutbar, eine stabile Beziehung. Er hat möglicherweise grosse Angst, Dich zu verlieren, weil er nicht immer lustig ist. Offenbar hat er wiederholt Tiefs und dies in einer Schwere, die belastend wirkt. Wahrscheinlich sollte er in irgendeiner Form Hilfe erhalten. Ein Anruf bei der Nummer 143 (www.143.ch) kann ein guter Anfang sein. Vielleicht braucht er noch intensivere Unterstützung durch einen Psychologen oder Arzt. Gute Freunde oder die Familie sind als Therapeuten nicht geeignet. Als Teil des Systems fehlt ihnen die Aussenperspektive. Es kann Zeit brauchen, bis er selber der Meinung ist, dass er Hilfe braucht. Und es sind vielleicht mehrere Anläufe nötig, bis der passende Weg gefunden ist. Ihn «zum Psychiater schicken» ohne eigene Motivation wird nicht viel bringen. Ich wünsch Dir viel Glück!

(hum)

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