Mein Beruf: Kaminfeger

11. November 2015 11:38; Akt: 11.11.2015 13:27 Print

«Vor allem Leute auf dem Land wollen uns anfassen»

Die Leute freuen sich, wenn sie Roman Moser antreffen – schliesslich bringt er Glück. Der Kaminfeger erzählt, wieso er das Arbeiten auf dem Land besonders schätzt.

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Im Rahmen der 20-Minuten-Serie «Leser stellen sich vor» erzählt Roman Moser aus seinem Beruf als Kaminfeger. Der Lehrling arbeitet in einem Geschäft mit fünf anderen Mitarbeitern im Arbeitskreis Hünibach im Kanton Bern. Nachdem er sich zu Beginn an den Job gewöhnen musste, kann er sich heute nichts Besseres vorstellen.

Roman, wieso hast du dich auf den 20-Minuten-Aufruf gemeldet?
Viele Leute, die ich im Ausgang treffe, fragen mich, was ich lerne. Sie sind dann jeweils erstaunt, wenn ich erzähle, dass ich Kaminfeger bin. Die Fragen folgen dann sogleich. Die Menschen scheinen sich irgendwie für den Beruf zu interessieren.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kaminfeger zu werden?
Als ich mit der Schule fertig war, schaute ich mir ziemlich viele verschiedene Betriebe an. Zum Beispiel auch Bäcker. Aber irgendwie war das Richtige nicht dabei. Meine Mutter kam dann auf die Idee mit dem Kaminfeger. Eigentlich interessierte ich mich zu der Zeit vor allem für Informatik, aber beim Schnuppern hat mir der Beruf des Kaminfegers dann doch sehr gut gefallen.

Was hat sich in den letzten Jahren für die Kaminfeger geändert?
Vieles. Wir putzen heute zwar noch Kamine, aber vor allem auch die zugehörigen Heizungen, Kochherde und andere wärmetechnische Anlagen. Wir steigen nicht mehr so häufig aufs Dach. Das ist für das heutige Sicherheitsdenken zu gefährlich. Das bedeutet, wir müssen dafür mindestens zu dritt sein, zwei zum Sichern und einer, der den Kamin putzt. Das benötigt einfach zu viel Personal und wird dadurch zu teuer. Deshalb versuchen wir das zu vermeiden.

Nun zum Thema Glück: Früher hiess es, man müsse die Goldknöpfe der Kaminfeger-Jacken anfassen. Gibts die überhaupt noch? Habt ihr noch die klassischen Jacken mit den Goldknöpfen an?
Nein, die tragen wir leider nicht mehr.

Na gut, die Jacke anzufassen, soll ja auch genügen. Werden Sie noch häufig mit dem Aberglauben konfrontiert?
Eigentlich noch erstaunlich häufig. Eine Kundin kam beispielsweise an und wollte meine Jacke anfassen. Dann wollte sie auch noch eine Feder von einer Bürste von mir haben. Das bringe nämlich noch mehr Glück. Auch wenn wir ausnahmsweise zu zweit unterwegs sind, freuen sich die Menschen besonders, weil das doppelt so viel Glück bringen soll. Aber solche Begegnungen kommen vor allem in ländlichen Regionen vor.

In der Stadt nicht?
In der Stadt eigentlich gar nicht. Auf dem Land sind die Menschen grundsätzlich anders. In der Stadt geht man an den Auftragsort, putzt und geht wieder. Auf dem Land wird uns ab und zu mal Kaffee angeboten, die Menschen nehmen sich die Zeit, mit uns zu sprechen, und gehen offener auf uns zu.

Findet man auch Sachen im Kamin, die nicht dahin gehören?
Na ja, Vögel findet man regelmässig. Ich musste gerade heute wieder einen Vogel rausholen. Auch eine Ente, eine Eule und eine tote Katze haben wir schon in Kaminen gefunden. Die Tiere sitzen wohl oben auf dem Kamin. Dann treten die Abgase aus und die Vögel werden ohnmächtig und fallen ins Loch.

Gibt es eigentlich genügend Kaminfeger in der Schweiz?
Lehrlinge werden schon gesucht. Die Jungen kommen wohl gar nicht mehr auf die Idee, sich den Beruf des Kaminfegers mal genauer anzuschauen. Ich empfehle den Schulabgängern, sich mal über den Job zu informieren, es ist ein toller Beruf!

(kam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ex kaminfeger am 11.11.2015 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Glücksbringer

    Wenn eine Holz-Heizung eine schlechte Verbrennung hat, sei es durch nicht trockenes Holz oder nicht optimale Einstellung des Ofens kann Pech im Kamin entstehen der sich wiederum entzünden kann. Im schlimmsten Fall brennt das Haus oder der Hof nieder. Die Kaminfeger befreiten oder befreien die Anlage damit eben das nicht passiert. Darum waren und sind die Kaminfeger Glücksbringer und vor allem auf dem Land gerngesehen, auch ich freue mich immer wieder wenn ich euch sehe!!!!!

  • Y. K. am 11.11.2015 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaminfegergattin

    Ich habe einen Kaminfeger geheiratat. Das Glück ist stehts an meiner Seite .

  • glücks-pilz am 11.11.2015 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3x glück

    am tag als mein vater zur welt kam- war der kaminfeger zu "besuch" am tag als ich zur welt kam- war der kaminfeger zu 'besuch" am tag als ich mein sohn zur welt machte- war der kaminfeger zu "besuch" wenn DAS nicht glück ist?!?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • robster am 11.11.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wow kaminfeger!

    Ich würde auch gerne mal einen Kaminfeger anfassen! :) #nohomo

  • Ex-Städtern am 11.11.2015 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Offene Türen auf dem Land

    Hab mich auch dran gewöhnen müssen. Auf dem Lande lädt man den Kaminfeger, den Postboten, die Nachbarn,... zum Kaffee ein. Für Handwerker, die den ganzen Tag arbeiten stellt man ein Znüni und Zvieri bereit. Heute kann ich es mir anders gar nicht mehr vorstellen.

  • Jennifer Künzi am 11.11.2015 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann stolz auf sich sein

    So ein freundlicher und sympathischer junger Mann. Dein Chef kann stolz auf dich sein.

  • Claude Nöthiger am 11.11.2015 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangs-Kaminfeger

    Und ich ärgere mich immer wenn der staatlich verordnete Kaminfeger einmel im Jahr kommt um die neue Gasheizung zu kontrollieren. Da gibt es für ihn nichts zu tun bezahlen darf ich aber trotzdem. Staatliche Arbeitsbeschaffung halt.

    • Käser Swen am 12.11.2015 09:24 Report Diesen Beitrag melden

      Kaminfeger Feuerungskontroleur

      Am besten schauen sie mal genau zu oder informieren sich genau so das sie dan begreifen das es doch nötg ist mindestens eine kontroll noch besser eine Reinigung der Gasheizung machen zu lassen . Ohne statliche pflicht oder monopol ist aus erfahrung preis und Qualität schlechter.

    einklappen einklappen
  • Erwin maurer am 11.11.2015 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Chemifäger

    Super junge solch Leute werden im Arbeitsmarkt rar! Oli

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