Deutsche in der Schweiz

05. Januar 2010 16:09; Akt: 05.01.2010 16:33 Print

«Wer ist hier arrogant?»

Der «deutsche Filz» mache sich an der Zürcher Uni und in den Spitälern breit, verkündete die SVP – worauf rund 200 Professorinnen und Professoren ihren Unmut kundtaten. Auch die User von 20 Minuten Online diskutierten leidenschaftlich über Deutsche, «Schwooben» und Gummihälse.

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Es gäbe zu viel deutsches Personal an der Uni Zürich und in den Spitälern, so die SVP. (Bild: Keystone)

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Auch User Christian kann die Ressentiments gegen hochqualifizierte Deutsche nicht nachvollziehen. Schliesslich stehe «die Welt im Wettbewerb um die klügsten Köpfe». Ins gleiche Horn bläst Mario, wenn auch in etwas umgangssprachlicheren Worten: «Besser mal denken, bevors zum Suppenschlitz heraus kommt. Dann wäre schon einiges gewonnen. Gejammere und politisches Geklöne hilft doch nicht.»

Sind die Deutschen die neuen Jugos?

Florian Meyer sieht gar den Anlass zur Aufregung nicht, schliesslich werde der angebliche Filz absolut überproportional dargestellt: «So wie hier über die Deutschen in der Schweiz hergezogen wird, müssen ja 2,3 Millionen von denen in der Schweiz leben. Dabei sind es aber nur 230 000!» Und darauf ein Angriff nach rechts: «Naja, wenn man über den Horizont seines Tales nicht hinwegsehen kann, dann ist das natürlich viel.»

Woher der Hase kommt, meint Daniel Caduff zu wissen. Was hier geschehe sei nichts anderes als eine Verschiebung des Feindbildes. «Sind die Deutschen die neuen Jugos?», fragt er. Denn obwohl die SVP jahrelang weisgemacht habe, dass sie nur gegen Kriminelle Ausländer und Sozialschmarotzer sei, «ist sie nun auch wieder vorne mit dabei wenn es um Top-Leute geht, die hier Steuern bezahlen und alles andere als kriminell sind».

Und gänzlich in Schutz nimmt die Deutschen User S. H. – ein Schweizer: «Alle sprechen von der Arroganz der Deutschen. Die Schweizer bezeichnen Deutsche als Filz, die Deutschen werden überall angeblufft und jeder hackt gerne mal auf den blöden ‚Schwooben’ herum. Ihre Präsenz ist unerwünscht und ihre Kompetenz in Frage gestellt. Wer ist hier arrogant? Wohl eher wir.»

Gummihälse mit Papierkult

Doch wer denkt, das Blatt habe sich gewendet, und die Deutschen seien nun von den Schweizern akzeptiert und toleriert, hat weit gefehlt. Denn es gibt auch andere Stimmen: «Auch die SVP ist Teil der Gesellschaft», proklamiert ein User. Und wer die Partei in seinem Kopf verdränge, verdränge gleichzeitig die Probleme, die von der SVP thematisiert werden, wie eben der soziale Unfriede in der Schweiz. Vielleicht würde dem eine Prozentregelung abhelfen, wie sie User Martin vorschlägt: «Es sollen mindestens 60 Prozent Einheimische in führenden/bildenden Positionen sein und maximal 40 Prozent Ausländer.» Sonst gebe es früher oder später Streit.

Deutliche Worte braucht User Peter Fox: Die Deutschen seien schlicht «Gummihälse». Weiter beschwert er sich über den Papierkult, der seit der Ankunft der 250 Deutschen in der Firma, in der er arbeitet, Einzug gehalten hat. Peter Gut sieht die Schweizer schon tief das Hierarchieleiterchen herunter steigen: «Schweizer sind in Unis und Spitälern die absolute Ausnahme - und allenfalls noch in minderwertigen Hilfsjobs anzutreffen.» Nicht aber, wenn es weiterhin Leute wie Ernst Krähenmann gibt, die lieber Schmerzen auf sich nehmen als sich von einem deutschen Arzt behandeln zu lassen. Nach einem Motorradunfall fuhr er extra aus diesem Grund in ein weiter entferntes Spital.

(fvo)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wachtmeister Studer am 22.01.2010 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Angst vor wem?

    Vor wem habt Ihr noch Angst außer vor den Deutschen? Vor Victor Vekselberg, Nicolas Hayek, Marc Rich? Vor den USA, den Lybiern, den Romands? In der Wissenschaft wird so etwas auch als kollektive Schizophrenie beschrieben.

  • E.R. am 06.01.2010 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    SVP sucht Themen,

    die auf den ersten Blick viele beschäftigen, auf den 2. Blick bei etwas tieferem Schürfen stellen sich dann mehr Fragen als die Polemik Antworten gibt. Z.B. sind Deutsche u. viele Ausländer in unserem Land auch gute Steuerzahler und leisten ihre Beiträge. Oder anders rum, wir verdanken dem Ausland (Export) und vielen tüchtigen Ausländern einen rechten Teil unseres Wohlstands. Würde mit zunehmender Abschottung und Isolation das fehlen stünden rasch Steuererhöhungen oder Kürzungen ins Haus. Vorab für den Mittelstand und kleinere Einkommen. Von wegen Volkspartei. - Das Spiel durchschaut?

  • Günther Schulz am 22.01.2010 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Direkte Demokratie?

    Ein Volk, von dem mal eine starke Minderheit, mal eine Mehrheit den Vorschlägen einer Partei erliegt, die mit billiger Demagogie auf Stimmenfang geht und deren Hauptprotagonist sowohl politisch als auch beruflich stets nur seine eigenen Interessen verfolgte, dabei die Schweizer Usancen mit Füßen trat und hierbei eher deutsche Eigenschaften zeigte, läßt mich darüber sinnieren, ob die direkte Demokratie wirklich die geeignetste Staatsform für dieses Volk ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wachtmeister Studer am 22.01.2010 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Angst vor wem?

    Vor wem habt Ihr noch Angst außer vor den Deutschen? Vor Victor Vekselberg, Nicolas Hayek, Marc Rich? Vor den USA, den Lybiern, den Romands? In der Wissenschaft wird so etwas auch als kollektive Schizophrenie beschrieben.

  • Günther Schulz am 22.01.2010 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Direkte Demokratie?

    Ein Volk, von dem mal eine starke Minderheit, mal eine Mehrheit den Vorschlägen einer Partei erliegt, die mit billiger Demagogie auf Stimmenfang geht und deren Hauptprotagonist sowohl politisch als auch beruflich stets nur seine eigenen Interessen verfolgte, dabei die Schweizer Usancen mit Füßen trat und hierbei eher deutsche Eigenschaften zeigte, läßt mich darüber sinnieren, ob die direkte Demokratie wirklich die geeignetste Staatsform für dieses Volk ist.

  • Schweizer Freunde am 22.01.2010 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Moment mal

    Die Swissair, die UBS, DAS war Filz, SCHWEIZER Filz wohlgemerkt. Jetzt mußten dort überall Deutsche ran, um die Suppe auszulöffeln, nachdem man keinen brauchbaren Schweizer mehr dafür finden konnte. Bei Eurer Post hat's ja gerade nochmal geklappt mit der Filz-Nachfolge. So mußte man nicht - wie etwa bei der Swisscom - auf fachliche Qualifikation achten. Es gibt reichlich weitere Beispiele...

    • Günther Schulz am 22.01.2010 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Euer Militär

      In Eurem Militär ist der Leistungsgedanke ja auch schon angekommen: Ich sage nur: Nef, Kanderunglück, Jungfraujoch. Wie würdet Ihr wohl in Afghanistan dastehen, wenn Ihr als Bergvolk nicht mal sicher eine Raftingtour durchführen könnt, geschweige denn einen verschneiten Berg besteigen? Mit einem Michael Jackson-Look-a-like vor den Taliban? Ich sage Euch, der Schweizer Filz ist in Eurem auch das Zivilleben prägenden Militär weit ausgeprägter als unter Euren deutschen Gästen und Helfern.

    • ... am 22.01.2010 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      Ihr könnt es einfach nicht

      Wenn wir schon dabei sind: ABB, Nestlé, Mövenpick, das Kulm-Hotel in Arosa, Aldi, Lidl...

    • Tobias Kuhn am 24.01.2010 02:43 Report Diesen Beitrag melden

      ...

      ist dann doch ein sehr schwacher Name, da kann man den Beitrag gleich sein lassen. Sage ich als jemand, der ansonsten diese ganze Diskussion doch eher als ärgerlich von Schweizer Seite aus sieht.

    • Fritz Meyer am 24.01.2010 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      Günther Schulz

      Mit Winter und Schnee kennen sich die Deutschen Soldaten schon aus geschichtlichen Gründen besser aus als wir.Was ein tragisches Unglück mit dem deutschen Filz zu tun hat?Um diese Logik zu verstehen muss man Deutscher sein.

    • Dani am 25.01.2010 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      @ Fritz

      Man muss kein Deutscher sein um die Logik zu verstehen - ich denke, man muss die Logik überhaupt nicht verstehen, da es einfach ein unqualifizierter Kommentar war. Wieso müssen die Leute immer angreifen wenn ihnen die Argumente ausgehen? Sowohl von Deutscher wie auch von Schweizer Seite aus.

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  • xy am 21.01.2010 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    Mein Vater ist ein Deutscher. Trotzdem mag ich es nicht, wie manche des deutschen Volkes sich in sprachlichen Fertigkeiten besser wähnen, als die Schweizer. Und: Es ist schön, mal wieder einen Schweizer Professor zu hören. Und: Jammert nicht, ihr Deutschen. Es geht ja eigentlich gar nicht um euch...

  • Fränzi Brunner am 19.01.2010 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Und ob wir froh sind

    Wir sind froh das es Deutschland gibt.Daran können wir sehen ,wie tief wir nicht sinken wollen.Diese Motivation ist unbezahlbar und wird uns aus der Wirtschaftskrise bringen.

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