Traumjob Detektiv

10. Mai 2013 09:19; Akt: 10.05.2013 10:59 Print

«Wir bilden hier keine Columbos aus»

von B. Selmani - Von wilden Verfolgungsjagden, Spy-Gadgets und Langeweile: Wie das Leben eines Detektiven vor 30 Jahren aussah und warum es heute nicht viel anders ist. Eine Spürnase berichtet.

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Eine Möglichkeit zur Ausbildung zum Detektiven bietet die Akademie für Privatdetektive in Zürich. Die Ausbildung erstreckt sich über 1 Jahr (ca. 230 Lektionen) und erfolgt berufsbegleitend. Sie müssen mit einer Investition von rund 8400 Franken rechnen und mindestens 20 Jahre alt sein (Stand: Mai 2013). Zudem besteht die Möglichkeit eine Ausbildung über ein Fernstudium zu absolvieren. Der Stundenansatz eines Privatdetektiven in Zürich nach der Ausbildung liegt zwischen 100 und 120 Franken – plus Spesen, Nachtzuschlag und Wochenendzuschlag. Der Aufgabenbereich reicht von der Suche nach vermissten oder verschollenen Personen, nach Zeugen, Erben, Adoptiveltern, Schuldnern, bis hin zum Sammeln von Beweismaterial bei Problemen in der Partnerschaft, das Ermitteln von versteckten Vermögenswerten sowie Bonitäts- und Leumundsabklärungen. Die Grenzen zwischen den «klassischen» Detektivaufgaben und anderen Dienstleistungen im Bereich der Sicherheit (Geldtransport, Personen- und Objektbewachungen, Ladenüberwachung, Portierdienst usw.) sind in der Berufsrealität allerdings fliessend. Alleine ist es schwierig, sagt Privatdetektiv Bruno Strebel. Wird man beim Observieren entdeckt, muss man sich zurückziehen. Sobald der erste Augenkontakt hergestellt ist, muss der Partner weiter machen. Detektive sind nie alleine unterwegs, sondern meist zu zweit oder zu dritt. Sie dürfen eigentlich mit niemandem über ihre Fälle sprechen. «Aber bei einem Fall, der mich sehr beschäftigt, rede ich natürlich mit meiner Frau darüber», so Strebel. «Aber auch ihr erzähle ich selbstverständlich nicht alle Einzelheiten, sondern halte alles so anonym wie möglich.»

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«Welchen Job würden Sie lieber machen?», haben wir die Leser von 20 Minuten im grossen Duell der Berufe gefragt. Das Resultat: Die drei absoluten Traumberufe sind Geheimagent, Pilot und Detektiv.

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17 %
12 %
Insgesamt 6816 Teilnehmer

Was macht denn ein Detektiv heutzutage überhaupt? Sitzt er immer noch in Büschen, überführt Gärtner als Mörder und deckt die Techtelmechtel des untreuen Ehemannes auf? Ist Detektiv ein Traumberuf? Einer, der diese Fragen beantworten kann, ist Bruno Strebel. Er ist seit über 30 Jahren als Detektiv tätig, leitet heute eine Akademie für Privatdetektive in Zürich. «Ich hatte in den 70er, 80er-Jahren als Detektiv für mich persönlich einen absoluten Traumberuf. Aber solche Fälle, wie ich sie vor 30 Jahren bearbeitet habe, gibt es heute nicht mehr», so der 61-Jährige.

«Man sitzt wie vor 30 Jahren noch hinter einer Hecke und wartet»

«Solche Fälle» waren zum Beispiel eine rasante Verfolgungsjagd auf der italienischen Autobahn, die mit der Festnahme von berüchtigten Betrügern aus Winterthur endete. Oder eine Reise auf die Bahamas, weil die Ehefrau eines Zahnarztes befürchtete, dass ihr Mann Geld auf die Seite schaufelt, um bald das Land ohne sie in ein besseres Leben zu verlassen.

Die Auftraggeber und die Fälle haben sich zwar geändert, die Praxis ist aber die gleiche geblieben. «Abgesehen von den technischen Veränderungen arbeitet ein Detektiv immer noch genau gleich, wie vor 30 Jahren. Er sitzt auch heute noch hinter einer Hecke oder in seinem Observationsfahrzeug und wartet auf den richtigen Moment, um das verräterische Foto zu schiessen. Nur hat er heute nicht nur einen Feldstecher und eine einfache Kamera dabei, sondern ist technisch topp ausgerüstet».

Kugelschreiber mit Kamera? In der Praxis unnütz

Hantiert er auch mit Kugelschreibern mit integrierten Kameras und anderen Gadgets aus dem Fundus von James Bond? «Solche Sachen gibt es natürlich auch – nur muss man damit auch umgehen können. Versuchen Sie mal mit einer Minikamera im Kugelschreiber ein brauchbares Foto von der Zielperson zu schiessen – unmöglich. Anders sieht es jedoch mit Kameras in Aktenkoffern und Handtaschen aus. Mit Übung bringt man sehr gute Bilder hin.»

Diese Bilder dienen jedoch nicht wie früher den betrogene Ehefrauen und -Männern als Beweismaterial bei einer Scheidung, sondern sind für Firmen, die ihre Top-Manager überwachen lassen, für Mütter, die beweisen wollen, dass ihr Kind während den Wochenendbesuchen beim Vater geschlagen wird, für Anwaltskanzleien, die mehr als nur ein Indiz für ein Wirtschaftsdelikt benötigen. Um diese Fälle abzuschliessen, braucht es viel Geduld, Menschenkenntnisse und Lebenserfahrung.

«Ein Traumfall? Einen Steuer-CD-Dealer überführen»

Überhaupt bremst er mögliche Aspiranten mit realitätsfernen Vorstellungen. «Viele Junge glauben nämlich immer noch, dass wir hier Columbos ausbilden. Der Beruf hat aber nichts mit diesen Actionfiguren aus Film und Fernsehen zu tun. Wir springen nicht mit Fallschirmen von Hochhäusern, wir machen keine Stunts. Wir beobachten, fotografieren, filmen, verfolgen – und schreiben Rapporte.»

Ja, als Detektiv gibt es auch viele Tage, an denen man nur am Schreibtisch sitzt. «Aber in meinem Alter vertrage ich sowieso nicht mehr allzu viel Action», schmunzelt Strebel: «Ich hatte weiss Gott schon genug Spannung in meinem Leben. Lediglich das viele Reisen, das fehlt mir schon noch ab und zu». Welcher Job wäre denn heute noch reizvoll genug, um noch einmal auf die Pirsch und ausser Landes zu gehen? «Einen Steuer-CD-Dealer aufzuspüren – so einen Fall hätte ich gerne mal!»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paulo am 10.05.2013 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Columbo ist Kult

    Der gute Columbo hat in keiner der insgesamt 69 Serien einen Waffe benützt. Action gab es so gut wie keine, dafür umso mehr Dialoge. Für mich die beste Serie aller Zeiten.

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  • Knuzerich am 10.05.2013 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Columbo eine Actionfigur?

    ...ob er den seeligen Peter Falk überhaupt mal im Fernsehen gesehen hat? ...Actionfigur...

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  • Rockford anruf genügt :-) am 10.05.2013 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne viele die das machen wollen

    Nur habe ich es noch nie erlebt das es einer auch wirklich gemacht hätte. Da spielt die Phantasie viel mehr als die Realität!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 10.05.2013 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es kann nur einen geben...

    PHILIP MALONEY - versoffen, verh..t, verschlagen. So geht das ;-)

  • Paulo am 10.05.2013 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Columbo ist Kult

    Der gute Columbo hat in keiner der insgesamt 69 Serien einen Waffe benützt. Action gab es so gut wie keine, dafür umso mehr Dialoge. Für mich die beste Serie aller Zeiten.

    • Besser Wisser am 10.05.2013 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Folgen, nicht Serien

      69 Serien wäre ein bisschen gar viel...

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  • Paralmentsschreck am 10.05.2013 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rtl II oder

    Auf dem Sender RTL2 ersehe ich jeden Vorabend ein gänzlich anderes Bild. Kein Schwachstrom

    • Matula am 10.05.2013 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      RTL vs. Realität

      Das meinen Sie wohl nicht ernst, oder?

    • Ironiedas am 11.05.2013 11:30 Report Diesen Beitrag melden

      Total Real!

      Auch wenn ich denke, dass der Kommentar Ironisch war, hier ein kleiner Tipp: Am Anfang solcher Detektiv, Beziehungs, Gerichts und anderer Gugus-Sendungen, steht immer ein kleiner aber essentieller Satz, welcher in etwa so lautet: "Alle Personen und Handlungen in dem folgenden Film sind Frei erfunden, allfällige ähnlichkeiten mit realen Fällen sind reiner Zufall" Viele Menschen übersehen (ignorieren?) das gerne ;-).

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  • Adriano Sarto am 10.05.2013 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachanfall

    Top bei der umfrage: ich arbeite im moment nicht :) Da hat 20 Min wieder mal Humor bewiesen

    • Stef am 10.05.2013 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist nicht Humor...

      ... das nennt man zielgruppengerecht... ;-)

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  • Rockford anruf genügt :-) am 10.05.2013 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne viele die das machen wollen

    Nur habe ich es noch nie erlebt das es einer auch wirklich gemacht hätte. Da spielt die Phantasie viel mehr als die Realität!

    • Dario B. am 10.05.2013 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Der einzig Wahre

      Also ich habe die Schule bei Herrn Strebel abgeschlossen und bin nun erfolgreich in meinem Beruf. Kann es nur jedem Empfehlen!

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