Umfrage

03. Dezember 2009 11:53; Akt: 03.12.2009 17:05 Print

Auch Kopftuchverbot hätte eine Mehrheit

von Olaf Kunz - Die grosse Umfrage auf 20 Minuten Online zu den Ängsten vor dem Islam zeigt, wie differenziert zwischen Minarettverbot und Religionsfreiheit unterschieden wird. Dennoch: Das nächste Verbot hat schon jetzt eine Mehrheit.

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Die Mehrheit der Schweizer hat sich mit der jüngsten Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten im Land ausgesprochen. Wer glaubt, dies sei eine undifferenzierte Breitseite auf den Islam in der Schweiz generell, der irrt. Die Befragung zu den Ängsten der Bevölkerung vor dem Islam bringt drei Tage nach dem Minarett-Nein eine sehr differenzierte Betrachtung zu Tage.

Kebab sei Dank

Überraschenderweise finden 61 Prozent der 7808 Umfrageteilnehmer, dass Moscheen hierzulande keinesfalls stossend, sondern im Gegenteil sogar «völlig okay» seien. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass fast zwei Drittel aller Umfrage-Teilnehmer Moslems zu ihrem weiteren Bekanntenkreis zählen. Ebenso viele waren nach eigenem Bekunden schon einmal in einem islamischen Land. Und, Kebab sei Dank: Knapp über die Hälfte der Befragten sehen in der Tatsache, dass in der Schweiz viele Menschen aus muslimischen Ländern leben, mehr Vor- als Nachteile. Dabei steht das Kennenlernen von anderen Kulturen vor dem Argument einer vielseitigen Schweiz und exotischem Essen. Dennoch schätzen immerhin 15 Prozent Falafel, Kebab & Baklava sehr.

Türme weg, alles gut?

Sind mit der Abstimmung die Fragen zur Integration der Muslims in die Gesellschaft gelöst? Nein, nur 52 Prozent glauben, dass sich durch das vom Volk herbeigeführte Minarett-Verbot etwas ändern wird. Auf die Nachfrage, welche Veränderungen denn konkret erwartet würden, antwortet ein Viertel, dass die Muslime es schwerer haben werden in der Schweiz. Knapp 20 Prozent befürchten, dass die Schweiz international schlecht dastehe. Und jedem Siebten bangt vor dem Zorn extremistischer Moslems.

48 Prozent gehen davon aus, dass trotz dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative ausser Spesen nichts gewesen ist. Manch einer geht davon aus, dass das Gesetz überhaupt nicht anwendbar sein werde. Durchaus spricht einiges dafür, dass das Verbot noch vor den europäischen Menschengerichtshof gezogen wird. Einer von fünf befürchtet, dass trotz des Entscheids die Schweiz islamisiert werde.

Angst vor dem grünen Schwert

Auch wenn Schweizer weltoffen sind, gibt es vielerlei Ressentiments und Ängste gegenüber Muslimen. Ganz oben auf der Phobienliste stehen dabei der Verlust eigener Werte und der Schweizer Kultur durch Zuwanderung von Menschen aus islamischen Ländern. Dicht gefolgt von religiösen und militanten Extremisten sowie Kriminalität. Lediglich ein Viertel hat keinerlei Berührungsängste und fürchtet sich laut eigener Auskunft vor gar nichts in Bezug auf Moslems. Übrigens: Lediglich 17 Prozent behaupten von sich selbst, dass die Affäre Gaddafi ihre Einstellung gegenüber Muslimen geändert habe.

Das nächste Verbot schon in Arbeit?

Gerade die Angst vor einem durch die Zuwanderung von Moslems ausgelösten Wertewandel gibt dem Ruf nach einem Kopftuchverbot Auftrieb. 56 Prozent sind der Ansicht, dass Religion und Schule getrennt gehören und Mädchen aus religiösen Gründen in Schweizer Schulen kein Kopftuch zu tragen haben. 26 Prozent finden es okay, solange Mädchen dies aus freiwilligen Stücken tun. Die übrigen geben sich tolerant und stören sich weder an Kopftuch noch an Mütze.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adem am 03.12.2009 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt reichts

    Jetzt kommen noch mehr Verbote? Ich bin voller Wut, weiss aber nicht, wie ich es rauslassen kann! Seit der Minarett Initiative sehe ich die meisten Schweizer als Feinde, da sie sich auch seit der Initiative plötzlich eine Islamophobie haben. Was für eine Frechheit!

    einklappen einklappen
  • Bin kein SVPler, aber... am 03.12.2009 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz unserer Kultur / unserer Werte

    Bin kein SVP'ler, stehe nicht mal rechts im politischen Sinne. Trotzdem: unser durch Jahrhunderte hart erkämpftes Werte- und Rechtsystem müssen wir verteidigen. Schluss mit Parallelgesellschaften, die unserem Rechtssystem widersprechen. Schluss mit Burka, Kopftuch und Sonderregel für Musline in Schulen.

  • mr. me. am 03.12.2009 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    calmy rey und osama

    Ich sehe schon wie frau calmy rey bei osama bin laden auf dem schoss sitz mit einem kopftuch und ihn fragt wann er endlich einen anschlag auf die Schweiz macht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Gerber am 11.01.2010 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Regulierungswahn

    Wieder ein Gesetzesartikel mehr der niemandem was bringen würde..

  • noname am 07.01.2010 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    ach ne.. ich bin stolze muslimin, aber mit der zeit merke ich das in der CH fast alle nur muslime diskriminieren.. die juden, die die dürfen natürlich alles ohne probleme wie synagogen etc.. aber bei den muslimen muss alles anderst sein..? ich weiss wirklich nicht mehr weiter??? sogar das minarett-verbot war so krass!

  • müsim am 04.01.2010 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    moslems

    sind dass Minaretten!nein es sind gutmenschen!!!

  • friedli walter am 22.12.2009 03:50 Report Diesen Beitrag melden

    der koran und die bibel

    hallo und guten tag und froehlich weihnachten! ich bin kein muslim. aber man hat mir in jungen jahren in teheran/iran den unterschied koran/bibel erklaert. unterschied ist nicht so gross! daher: im zusammenhang mit so viel muslim-gschtuerm folgender vorschlag: in der schweiz sollten z.b.medienschaffende/gesetzgeber den koran lesen und sich eben diesen unterschied erklaeren lassen.muslime sind aus dem christentum entstanden. im koran ist jesus gottes sohn, alle evangelien sind im koran enthalten. es steht da auch, dass sich der muslim dem gastland anpassen solle! gruss vom wale

  • anonym am 18.12.2009 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das plötzlich werden?

    Ich finde die Medien sollten die Muslime nicht ausgrenzen und sie auch als die Schweizer sehen und sie respektieren. Wenn die Musliminnen Kopftücher tragen wollen, dann sollen sie das bitteschön, wir sind hier in der Schweiz, dem Land, in dem jedermann frei leben kann ohne Einschränkungen.

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