Grosse Umfrage

24. Juni 2011 10:59; Akt: 28.06.2011 15:40 Print

Ausländer rein - Rheinländer raus

von Franziska Voegeli - Die User halten sich in puncto Einwanderung mehrheitlich für tolerant. Nur bei den Deutschen hört die Offenheit auf. Die grosse Angst: Sie sind den Schweizern zu ähnlich.

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Die Grundstimmung, die den Deutschen in der Schweiz entgegenschlägt, ist düster: 45 Prozent der Teilnehmer einer nicht-repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online geben an, Deutsche nicht oder nicht besonders zu mögen. Immerhin findet jeder Fünfte die Fragestellung an und für sich doof, schliesslich «kann man das doch nicht so sagen».

Top-Antworten bei denjenigen, die unverblümt angaben, Deutsche nicht oder nicht besonders zu mögen, waren: «Ich finde, sie sind arrogant», «Ich finde, sie sind unfreundlich» und «Ich finde, sie passen sich nicht an». Übrigens haben sich auch 16 Prozent Deutsche an der Umfrage beteiligt und so das Resultat mitbestimmt.

«Klischees und Stereotypen»

Für Urs Meuli, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Institut der Universität Zürich, handelt es sich hier auch um Klischees und Stereotypen. «Diese kommen vor allem dann zum Tragen, wenn es zu Problemen kommt. Und bei so vielen Einwanderern stellen sich automatisch gewisse Probleme im Alltag, zum Beispiel mit der Sprache oder auf dem Arbeitsmarkt.»

Frauen und Männer stehen den Einwanderern aus dem Norden ähnlich gegenüber. Allerdings zeigen sich Unterschiede beim Alter. Je älter die Umfrageteilnehmer, umso toleranter sind sie Deutschen gegenüber eingestellt – jedenfalls in der Theorie. Denn der Anteil an Freundschaften mit Deutschen nimmt zu, je jünger die Umfrageteilnehmer sind. Und geht es um das Thema Multikulti, so nimmt die Begeisterung dafür mit dem Alter deutlich ab. Deutsche ja, Multikulti nein?

Nur scheinbare Offenheit

Umgekehrt verhält es sich bei den Teilnehmern, die sich selbst als tolerant einschätzen oder Rassismus ausdrücklich «das Letzte» finden. Da heisst es nämlich eher: Multikulti ja, Deutsche – weniger. Rund 30 Prozent finden, eine multikulturelle Schweiz trage zur Lebensqualität bei, 41 Prozent (Gruppe Tolerant) beziehungsweise 46 Prozent (Gruppe Rassismus ist das Letzte) schlagen vielleicht nicht gerade Purzelbäume deswegen, finden es aber eigentlich ganz o.k., wie sich die Welt in dieser Hinsicht entwickelt. Deutsche Freunde hat von ihnen etwa die Hälfte.

Antworten der Gruppe: «Ich bin tolerant»
Quelle: 20 Minuten Online

Der Zuwanderung allgemein blicken drei Viertel dieser beiden Gruppen zuversichtlich entgegen. Allerdings wird differenziert. Trotz Offenheit findet über die Hälfte von ihnen, dass es spätestens in naher Zukunft zu viele Deutsche in der Schweiz geben werde. Fast ein Drittel aller Umfrageteilnehmer sieht ihretwegen ein Problem auf dem Arbeitsmarkt, fast ein Viertel bangt um die eigene Kultur. Das sieht bei den «Toleranten» übrigens ähnlich aus. Und doch wissen 33 Prozent selbst nicht genau, wo das Problem liegt. «Ich weiss es nicht, sie sind einfach überall», antworteten sie auf die Frage, warum es denn zu viele seien.

Ein «Luxusproblem», also eines, das mehr im Kopf stattfindet als dass es mit realen Schwierigkeiten zu tun hat, nennt es denn auch Soziologe Meuli. «Angst um ihre Kultur brauchen die Schweizer auch nicht zu haben, sie ist stark genug, um einige deutsche Eigenheiten zu integrieren», ist er überzeugt.

Warum sich die selbsternannten Toleranten den deutschen Einwanderern gegenüber so intolerant zeigen, erklärt Meuli damit, dass sich viele Leute aus politischen Gründen für die Einwanderung starkmachen. Sozial Schwächere sollen gestärkt werden. «Das zieht bei den Deutschen nicht, denn sie haben es nicht nötig. Die Schweizer stehen einer neuen Art von Einwanderern gegenüber und fühlen sich durch ihr selbstbewusstes Auftreten verdrängt, oder haben zumindest Angst davor, verdrängt zu werden», sagt Meuli.

Same same but different

All diese Schwierigkeiten existieren, obwohl doch 56 Prozent der Umfrageteilnehmer der Meinung sind, dass Deutsche und Schweizer eigentlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Genau da liegt gemäss Meuli der Wurm begraben: «Was einem näher ist, das nervt auch mehr und schneller.»

Muss die Zeit die Unwillkommenheit richten? Nun, einen Hinweis zur Beschleunigung hat die Umfrage ergeben: Ein Viertel würde es schätzen, wenn Deutsche in der Schweiz zumindest versuchen würden, schweizerdeutsch zu reden. Womit wir beim Thema der Abstimmung vom 15. Mai 2011 wären. Da nun schon in zwei Schweizer Kantonen ein Mundartobligatorium im Kindergarten ansteht, fragt sich, was das für deutsche Lehrpersonen im Kindergarten heisst.

Die erschreckende Lösung der Teilnehmer: Mehr als jeder Fünfte findet, der Beruf der Kindergärtner und Lehrer sollte nicht von Deutschen ausgeübt werden. Dass das diskriminierend ist, kann wohl niemand abstreiten. Die «Diskriminierung aufgrund von Nationalitäten», das bezeichnet eine Mehrheit von 37 Prozent auch als Rassismus. Und Rassismus wiederum finden zumindest 50 Prozent «das Letzte».

Eine Generationsfrage

Allerdings muss sich offenbar erst integrieren, wer keinen Rassismus spüren will. Und dafür fühlen sich die Schweizer Bürger nicht unbedingt zuständig. Für 66 Prozent ist das klar die alleinige Aufgabe derer, die kommen. Fragt sich nur, wie das bei solch offener Ablehnung überhaupt möglich ist. Ein schwacher Trost: Immerhin gestehen 57 Prozent der Umfrageteilnehmer ein, dass die Situation wohl für viele Deutsche in der Schweiz nicht sehr einfach ist. Soziologe Meuli hingegen ist zuversichtlich, dass die Deutschen spätestens in der nächsten Generation gut integriert seien: «Sobald sie schweizerdeutsch sprechen, merkt gar niemand mehr, dass sie ursprünglich nicht von hier sind.»

Die Umfrage hatte für Unruhe gesorgt. In nicht wenigen Mails äusserten sich Leser empört darüber, was diese «Volksverhetzung» soll. Genau das soll die Umfrage natürlich auf keinen Fall sein, sondern eher Auskunft darüber geben, wo denn eigentlich der Hund begraben liegt, beziehungsweise worauf die Aversionen zurückzuführen sind. Um Missverständnisse zu vermeiden, und damit sich auch niemand ungewollt angegriffen fühlt, wurde die grosse nationale Umfrage gar zweimal angepasst und auf null zurückgesetzt. So werden nun schliesslich nur die Antworten von 3967 Teilnehmern ausgewertet, und nicht die von über 10 000, die insgesamt teilnahmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Schmid am 24.06.2011 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Thema wird langsam langweilig ...

    Ich finde es erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit dieses Thema in der letzten Zeit in den Medien findet. Das das Verhältniss zu den Deutschen, warum auch immer, nicht das Beste ist, ist ja bekannt, aber durch solche Umfragen werden Klischees eher bestätigt, als abgebaut.

  • Yannik am 24.06.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Deutscher in der Schweiz und die Mundart

    Hallo an Alle, was ich nicht so recht versteheist,was wollt ihr...sollen jetzt die Deutschen Mundart lernen oder nicht? Habe öfters mal gelesen ihr mögt es nicht und jetzt hier in dem Bericht doch ca 1/4 wollen, das wir uns anpassen. Ich mag die Schweiz und will mich anpassen...aber es ist nicht so einfach,wenn man nicht weiss wie man sich am besten anpasst....Schwiizerdütsch oder nöd?

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  • Jose Miranda am 24.06.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gib euch ein bisschen mehr Mühe

    Ich komme ursprünglich aus Peru und hab Schwyzerdütsch gelernt. Warum können es denn die Deutschen nicht lernen? Wollt ihr euch etwa nicht anpassen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ossi am 26.06.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Der kleine Unterschied

    40 Jahre prägen, daher finde ich den Begriff "Deutsche" zwar zeitlich passend aber dennoch nicht gerecht, zumindest, wenn solche Urteile gefällt werden. Denn auch nach 20 Jahren der Wiedervereinigung gibt es Unterschiede. Die Aussagen "arrogant, unfreundlich, sich nicht anpassen" kann ich auch bestätigen. Denn die kamen damals auch zu uns in den Osten und verhielten sich dort genauso ...

  • alexander am 26.06.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hochdeutsch ist die offizielle Sprache

    Nun mal eine qualifizierte Anschauung. Um Schweizer Bürger zu werden wird von den Bewerbern die deutsche Sprache auf dem Sprachniveau B1 gemäss der Globalskala des europäischen Referenzniveaus erwartet. Schweizer Dialekt findet hier keine Relevanz. Wie kann es sein, dass nun Hochdeutsch in den Kindergärten und Krippen verbannt werden soll? Warum solch ein Widerspruch??? Scheint mir alles von irgendwelchen Stimmungsmachern gesteuert... Erhöht übrigens die Auflagen der Zeitungen.:-)

  • Hans am 26.06.2011 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Sobald eine bestimmte Nationalität in Massen einwandert gibt es ganz einfach Probleme. Ist ja nicht erstaunlich. Man erinnere sich an die Italiener. Dazu kommt dass die Schweizer sich im Gegensatz zu den Balkanern und Afrikanern den Deutschen unterlegen fühlen.

  • jonas am 26.06.2011 03:18 Report Diesen Beitrag melden

    mag die deutschen

    viele junge schweizer finden es einfach nicht in ordung wie viele gut ausgebildete deutsche ohne regelierung in die schweiz gelassen werden. Der hochschul zugang in der schweiz ist um ein vielfaches schwieriger als in unseren nachbarländer. da muss unserer regierung unbedingt handeln!!! es ist nicht die schuld der deutschen das sie bessere chancen auf eine gute ausbildung haben!!

  • Zentralschweiz am 25.06.2011 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich Frage nur eins:Warum gestatten wir Italiener, Portugiesen oder Ex-Jugoslaven ihre Sprache zu sprechen und den Deutschen nicht? Es ist mir leid, dass wir uns ständig als dumm hinstellen, in dem wir immer gegen die Deutschen schimpfen.

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