Am Wohlensee

07. Mai 2012 13:41; Akt: 10.05.2012 14:31 Print

Ein Biber kommt zum Picknick

Er gleitet geschmeidig durch das Wasser, klettert an Land und rutscht wieder ins kühle Nass: Biber sieht man hierzulande selten. Ein Nager bot einem Leserreporter jedoch eine Privatvorstellung.

Leserreporter Roland Otth picknickte mit seiner Freundin am Wohlensee, als ein Biber auftauchte.
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Es ist ein ruhiger Sonntagabend am Berner Wohlensee. Roland Otth will mit seiner Freundin in der Nähe von Hinterkappelen picknicken. Doch kaum setzen sich die beiden auf ein Bänkli am Wasser, ist es mit der Ruhe zu zweit vorbei. «Wir haben eine ganze Biberfamilie entdeckt», erzählt der Leserreporter aufgeregt. Rund eine halbe Stunde lang konnten Otth und seine Freundin die Nager beobachten. «Ein Biber schwamm sogar zu uns an Land.» Aus nächster Nähe gelang dem Leser eine spektakuläre Filmaufnahme des Tiers.

Der Wohlensee ist bei Bibern beliebt. Gemäss Peter Lakerveld von Pro Natura gibt es drei oder vier Familienverbände in diesem Gebiet. «Als der Biber sich im Kanton Bern wieder ansiedelte, war der Wohlensee einer der ersten Lebensräume der Nager», erzählt der Biber-Experte. Seither wächst die Population immer stärker. Zur Zeit schätzen Experten, dass 2000 Exemplare in der Schweiz leben.

Bäche stauen und Bäume fällen

Die Biber breiten sich vor allem in Richtung Jura und in die Voralpen aus, sind jedoch auch in der Stadt anzutreffen. «Biber gewöhnen sich rasch an die Gegenwart des Menschen», so Lakerveld. Da aber in den Städten die Gewässer meistens stark verbaut sind, kommt der nachtaktive Nager dort selten vor. Oft treffen Mensch und Tier aufeinander, wenn das Land nahe am Wasser bebaut oder bewirtschaftet wird. «Das birgt Konfliktpotential», sagt Lakerveld. «Der Biber staut Bäche, gräbt unterirdische Höhlen und fällt Bäume.» Deshalb kann es vorkommen, dass die Obstbäume der Bauern den fleissigen Nagern zum Opfer fallen oder Strassen und Wege über einer Höhle einstürzen. Aber Lakerveld entwarnt: «Ein friedliches Zusammenleben ist möglich. Die Konflikte sind lösbar.» Der Experte rät, zum Schutz vor den Bibern, Bäume mit Draht zu umwickeln.

Der putzige Nager ist ein Schlüsseltier für die Artenvielfalt. Lakerveld: «Dort, wo der Biber Bäche staut, entstehen regelrechte Hotspots.» Amphibien, Wasservögel und zahlreiche Insekten profitieren von der Arbeit des Bibers. Der Nager, der in den 50er-Jahren als ausgerottet galt, leistet also einen wertvollen Beitrag. «Der Goodwill der Bauern ist deshalb sehr wichtig», betont Lakerveld. Otth kann sich gut vorstellen, noch das eine oder andere Mal mit dem Biber zu picknicken. «Es war toll, das Tier zu beobachten.»

(dwi)


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