Schmiergeld

14. März 2011 18:29; Akt: 14.03.2011 18:29 Print

Erst kommt die Kränkung, dann die Korruption

Mit der Aussicht auf schnelles Geld steigen die Chancen auf korruptes Verhalten. Besonders dann, wenn jemand nach Ruhm und Ehre strebte, dabei aber kläglich scheiterte.

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Welches Land ist am korruptisten? Welches lässt sich nicht so leicht bestechen? Transparency International klärt auf.

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«Durch Bestechlichkeit wollen sich Menschen psychisch aufwerten», heisst es im neuen Buch von Ökonom und Philosoph Birger P. Priddat, das den Titel Korrpution als Ordnung zweiter Art trägt. Der Autor studierte Vorkomnisse in der Wirtschaft und Prozessberichte und kam zum Schluss, dass beim Streben nach persönlicher Aufwertung der Schuss schlussendlich aber doch meist nach hinten los gehe. Wer korrupt handelt «zerbricht oft an der Spannung, die die Illegalität und fehlende Anerkennung mit sich bringt», so der Forscher im Interview mit Pressetext.

Die Aussagen treffen allerdings nicht auf jedes Land zu. Mancherorts gehört das Nötchen in der Hand oder zwischen den Dokumenten nämlich einfach zu den Geschäftsabläufen dazu (siehe obige Bildstrecke). Deshalb gilt man nicht gleich als schlechter Mensch, und es wird auch kaum als verwerflich angesehen. Die Schweiz beurteilt Priddat als korruptionsresistent und stabil - was sich allerdings gemäss dem Ökonom ändern könnte. Nicht nur nehme die Korruption hierzulande zu, auch scheinen manche Leute offen und geradezu mit einem gewissen Stolz davon zu erzählen, wie sie durch Gefälligkeiten und Manipulation zu einem Extra-Batzen gekommen sind. Steuerhinterziehung sieht Priddat als Einstiegsdroge in die alltägliche Korruption. Besonders verbreitet sei das Veteilen von Schmiergeld – auch mal in Form von einer Kiste Wein oder einem Urlaub in der Ferienvilla – in der Baubranche.

Rache und Kränkung als Motiv

Die Gründe für korruptes Verhalten sieht Priddat in einer persönlichen Kränkung: «Die Korrupten sind meist gebrochene Männer. Sie träumten einst von einem Höhenflug, der sich nicht erfüllte. Häufigstes Motiv ist daher die Rache und die verzweifelte Suche nach Ruhm und Ehre.» Wer nach dem Fall dafür das System ausgetrickst hat, fühlt sich oft besonders gewieft und schlau. Dumm nur, dass das Geld nicht einfach ausgegeben werden kann – schliesslich fällt es auf, wenn der einfache Beamte plötzlich im Armani-Anzug rumläuft oder das Ferienhäuschen zur Villa ausbaut. Ein Fehltritt und somit das Auffliegen sind schon fast vorprogrammiert. Ausserdem gibt es ja immer Mitwissende, was den psychischen Druck erhöht.

Priddat glaubt allerdings auch, dass viele Fehler begehen, gerade weil sie irgendwann auffliegen wollen. Einerseits, weil sie nicht mehr mit den Heimlichkeiten umgehen können, und ausserdem vielleicht auch, um der Welt zu beweisen, wozu sie fähig sind. «Erhalten korrupte Menschen die Aussicht, in den Medien einmal gross rauszukommen, können sie damit endlich zeigen, was sie so unerkannt geleistet haben – auch wenn das Spiel dann aus ist.» Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch die Menschen, die sich nicht von finanziellen Aussichte, locken lassen. Und dieses korrekte Verhalten nennt Priddat kurz und bündig «Anstand.»

Wie korrupt sind Sie?

Wie sieht es bei Ihnen aus? Halten Sie sich immer an die Regeln der Fairness, oder drücken Sie auch mal ein Auge zu, wenn Sie dadurch einen Vorteil erhalten? Verraten Sie es in der Umfrage.

(pte/fvo)

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