«Im Moment schläft er»

07. März 2019 05:45; Akt: 07.03.2019 10:50 Print

Jana (16) trotzt seit 14 Jahren ihrem Hirntumor

von J. Panknin - Jana war zwei Jahre alt, als bei ihr Krebs entdeckt wurde. Dass eine solche Diagnose bei Kindern öfter tödlich endet als bei Erwachsenen, wissen nur wenige.

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Jana aus Pfäffikon SZ hat im vergangenen September ihren 16. Geburtstag gefeiert. Dass das möglich war, grenzt an ein Wunder. Denn als Jana zwei Jahre alt war, wurde an ihrem Hirnstamm ein faustgrosser Tumor entdeckt, der nicht operiert werden kann. Dafür ist er zu stark mit dem Gewebe ihres Gehirns verwachsen.

Die jahrelangen Chemotherapien, die das Mädchen dann über sich ergehen lassen musste, halfen zwar, das Wachstum des Tumors kurzfristig zu bremsen, sie zerrten aber auch an den Kräften des Kindes.

Zu Janas Glück konnten die Ärzte 2015 eine neue Behandlungsmethode bei ihr anwenden: die Protonentherapie. Während sieben Wochen wurde der Tumor dabei ganz gezielt bestrahlt. «Seitdem schläft er», wie Jana es nennt, und lässt sie den Alltag ohne kräftezehrende Therapie erleben.

Kinder sterben schneller an Krebs

Damit hat Jana Glück. Was nämlich nur wenige Menschen wissen: Krebs bei Kindern ist viel aggressiver als bei Erwachsenen. So sind Tumore fast immer gefährlicher, weil sie viel rascher voranschreiten.

Ohne wirksame Behandlung leben Kinder mit Krebs deshalb meist nur noch wenige Monate, während Erwachsene zum Beispiel mit Prostata- oder Brustkrebs auch mit wenigen Behandlungen noch jahrelang weiterleben können.

Auch die Arten des Krebses und die betroffenen Organe unterscheiden sich: Während bei Erwachsenen am häufigsten Lunge, Brust, Prostata und der Magendarmtrakt befallen sind, trifft es bei den Kleinen meist das Blut (Leukämie) sowie das Gehirn (Hirntumore), Lymphknoten, Nieren, Weichteile und Knochen.

«Die Erforschung von Kinderkrebstherapien lohnt sich für die Pharmaindustrie finanziell nicht»

Ein grosses Problem, das daraus entsteht, ist, dass die Behandlungsmethoden für Erwachsene kaum bei Kinderkrebs angewendet werden können. Der Grossteil der Fördergelder fliesst aber in die Erforschung neuer Therapien für «Erwachsenenkrebs», da «nur» etwa 220 Kinder in der Schweiz pro Jahr an Krebs erkranken, im Vergleich zu circa 40'000 Erwachsenen.

Franziska Derung, Geschäftsführerin der Stiftung Kinderkrebsforschung Schweiz, fügt an: «Weil der Bedarf nach Krebstherapien für Kinder aus wirtschaftlicher Sicht zu gering ist, scheut auch die Pharmaindustrie Investitionen.»

Jedes Jahr bricht für 220 Familien in der Schweiz eine Welt zusammen, wenn eines ihrer Kinder erkrankt. So wie bei Jana damals. Die heute 16-Jährige hat von einer neuen Behandlungsmethode profitiert, die durch die Kinderkrebsforschung möglich wurde. Doch die Forschungsprojekte, die neue Therapien hervorbringen, sind teuer und müssen zu mehr als 30 Prozent durch Spenden finanziert werden.

Schweizer Privatradios lancieren Spenden-Sammeltag

Aus diesem Grund haben sich auf Initiative von Radio Zürisee verschiedene Schweizer Privatradio-Stationen zusammengetan und das Projekt «Radios4Help» und den heutigen Spenden-Sammeltag für die Stiftung Kinderkrebsforschung Schweiz ins Leben gerufen.

Für die Aktion spannen mitunter direkte Radio-Konkurrenten aus dem gleichen Wirtschaftsgebiet für die gute Sache zusammen und vereinen ihre geballte Medienkraft von Bern bis Zürich, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren. Konkret handelt es sich um Radio 1, Planet 105, Radio 24, Radio Zürisee, Radio Argovia und Radio Bern 1.

«Wir wollen mit diesem Sammeltag keine Marketingshow mit Künstlern, Konzerten und Münzwurfdistanzwettkampf anzetteln – wir wollen schlicht gemeinsam helfen. Direkt, schnell und ohne Tamtam. Und zwar nebenan, für die Kinder deiner oder meiner Freunde oder Mitmenschen», sagt Matthias Kost, Geschäftsleiter der Radio Zürisee AG und Initiant von «Radios4Help».

Hilfst du mit? Hier kannst du spenden:

Die Hotline des Spendentelefons: 0800 488 800 ist
am 7. März von 6.30 bis 20.00 Uhr geöffnet.

Via SMS an 488 mit Text KINDERKREBS und Betrag kannst du zu jeder Zeit spenden (Beispiel: KINDERKREBS50).

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Online-Spende findest du hier: spenden.kinderkrebsforschung.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 07.03.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Sprachlos...Die Pharma macht Milliardengewinne und scheut die Kosten für Kinderkrebsforschung? Es ist naiv zu glauben, dass es um uns Menschen geht. Ein reines lukratives Geschäft mit Ziel unanständiger Gewinnmaximierung durch Ausnützung einer Notlage. Und niemand schiebt da ein Riegel vor?

  • Ein Mami am 07.03.2019 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Hohn

    Es ist immer sehr traurig, wenn ein Mensch an Krebs erkrankt. Noch trauriger finde ich die Gier der Pharma. Jeder weiss, dass die sich an kranken Menschen eine goldene Nase verdienen. Da ist die Argumentation, es rentiere sich nicht, in die Kinderkrebsforschung zu investieren glatter Hohn! Jana und allen anderen wünsche ich viel Kraft und alles Gute für die Zukunft, mögen sie den Kampf gegen die Krankheit gewinnen.

  • Sina am 07.03.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist sowieso unerwünscht.

    Keiner will Krebs heilen. Die Pharamaunternehmen wollen nichts was ihren Medikamenten im Wege steht und ihren Gewinn schmälert. Seit Jahrzehnten wird angeblich geforscht aber es kommen immer nur noch teurere Therapien auf den Markt und daran wird auch das hier nichts ändern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 07.03.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Grösse

    Wird nicht in cm angegeben. Sondern in Jana.

  • Quizmaster am 07.03.2019 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Habt ihr es bemerkt?

    Da hat jemand aber Freude gehabt, als erstes bei allen den "Daumen runter" zu drücken....

  • Annabelle am 07.03.2019 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Redite gegen Leben ??

    diese Forschung "lohnt" sich für die Pharmaindustrie finanziell nicht. Es tönt wie ein Hohn. Die Pharmaindustrie ist ganz allein auf uns "Konsumenten" angewiesen, und wir auf sie. Ich glaube, die verdienen mehr als genug. Wenn ein Direktor sich 20 Millionen Lohn geben kann, dann verstehe ich dieses Argument erst recht nicht. Vieles würde sich ändern, wenn so ein "Krankheitsfall" in den Familien derer vorkommen würde, die in der Pharma das Sagen haben!!

  • Hilflos am 07.03.2019 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe gefragt

    Es wäre schon gewesen zu sagen, wo man diese Protonentherapie machen kann.....

    • Erika am 08.03.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      PSI Villigen

      Die Protonentherapie kann man am Paul Scherer Institut in Villigen im Kanton Aargau machen. Ich war 2015 mit meiner Tochter zur Behandlung dort.

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  • Nadine am 07.03.2019 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    So ne herzliche

    Kopf hoch liebe Jana, Du bist toll. Das zeigt, wer stark ist packt vieles an. Weiter so Positiv bleiben! Alles Liebe und Gute

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