Gleichstellung absurd

10. November 2009 16:33; Akt: 10.11.2009 18:45 Print

Jungs habens schwer am Tochtertag

von Olaf Kunz - Am Donnerstag ist Tochtertag. Da dürfen Mädchen ihren Vätern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Viele Schulen sorgen mit Schikanen dafür, dass nicht allzu viele Jungs am Tochtertag auftauchen. Bei 20 Minuten Online sind sie hingegen herzlich willkommen.

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Am 12. November findet der sogenannte Tochtertag statt, an dem Kinder der fünften und sechsten Klasse Einblick in die Berufswelt erhalten sollen. Eine prima Idee, finden viele Eltern. Doch die Sache hat einen grossen Haken: Der Tag richtet sich an Mädchen. Viele Buben hingegen gucken in die Röhre. Umso bemerkenswerter, als dieser Tag ausgerechnet von der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten ins Leben gerufen wurde. Darüber können viele Menschen in der Schweiz nur den Kopf schütteln.

Gleichstellung ad absurdum

«Es sollte wohl eher Ungleichstellungsbeauftragte heissen», mokiert sich Karin L. aus Zürich, Mutter eines 11-jährigen Jungen. Ihr Sohnemann hätte gerne geschaut, wo und wie seine Mutter arbeitet. Doch eine entsprechende Anfrage wurde vom Schulleiter per Rundbrief negativ Beschieden: «Sollten Knaben ihre Eltern am Arbeitsplatz besuchen wollen, können sie dies mit Einsatz eines Jokertages tun», so die Ansage in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Mädchen bekommen dagegen schulfrei. Die betroffene Mutter ärgert sich. Sie versteht zwar, dass die Mädchen in Berufswahlfragen gefördert werden sollen. Doch: «Gleichberechtigung schön und gut, aber der Schuss geht nach hinten los. Die Jungs werden vor lauter Gleichberechtigung letztlich benachteiligt.»

«Kein Berufsschnuppertag»

Diesen Vorwurf will Isabelle Santamaria, Projektleiterin des Nationalen Tochtertags, so nicht gelten lassen. «Dass der Tag in erster Linie für Mädchen gedacht ist, hat damit zu tun, dass der Tochtertag als Gleichstellungsmassnahme und nicht als Berufsschnuppertag konzipiert ist.» Dafür gibt es handfeste Gründe: «In den letzten zwanzig Jahren hat sich wenig an der geschlechtstypischen Berufswahl geändert. Mädchen und Jungen wählen heute noch aus einem unterschiedlich grossen Berufsspektrum und geschlechtstypisch», erklärt sie gegenüber 20 Minuten Online. Was das konkret bedeutet, führt Patricia Schulz, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, aus: «Buben wählen technische Berufe und Mädchen betreuerisch-erzieherische, Buben Berufe mit hohen Karrierechancen, Mädchen solche mit tiefen.» Dieses Gefälle könne man nur aufheben, wenn die benachteiligte Seite bewusst gefördert würde. Genau dies wird seit 2001 mit dem Tochtertag versucht. Immerhin mit beachtenswerter Beteiligung.

Gleichstellung ja, aber nur für Mädchen

Warum Jungs von diesem Angebot nicht Gebrauch machen sollen, ist nicht für jeden einsehbar. Auch wenn manche Schulen an diesem Tag spezielle Projekte für Buben anbieten: «Dieses Jahr können Buben interessante Betreuungsberufe kennenlernen», erläutert die Eidgenössische Gleichstellungsbeauftragte das Alternativ-Programm für Buben. Der Haken dabei: An vielen Schulen herrscht dabei «Methodenfreiheit». Sprich, Lehrer können selber entscheiden, ob sie diese Möglichkeit anbieten oder normalen Unterricht machen. «Wir kontrollieren oder sanktionieren die Umsetzung nicht», erklärt Kathrin Schafroth von der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. Doch selbst wenn entsprechende Projekte angeboten werden, bleibt Karin L. kritisch: «Ich sehe immer noch nicht, was das mit Gleichstellung zu tun haben soll.»

Ihre Meinung

Was sagen Sie zum Tochtertag? Ist das eine sinnvolle Einrichtung? Finden Sie es richtig, dass der Tag den Mädchen vorbehalten ist? Oder sollte ein nationaler Kindertag eingerichtet werden? Schreiben Sie Ihre Meinung im Talkback.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Bracher am 12.11.2009 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tochtertag

    Es ist äusserst scheinheilig, von "Gleichberechtigung" zu reden, wenn in diesem Rahmen gewisse Kinder aufgrund ihres Geschlechts von sämtlichen Fördermassnahmen ausgeschlossen werden. Statistisch gesehen kriegen Jungs im Schnitt eine schlechtere Schulbildung als Mädchen, z.B. sie schneiden schlechter ab in der Lehre und machen seltener die Matur. Da wäre es doch nur angebracht, würde man sie deshalb besonders fördern. Die Forderung nach mehr erzieherischer Arbeit von Männern liesse sich mit verbesserten Väterrechten längstens lösen. Mehr Humanismus anstelle von Feminismus wäre nötig.

  • Urs vom Land am 10.11.2009 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    für Mädchen UND BUBEN

    es gibt keinen Grund, ausser dem Ehrgeiz gewisser Gesinnungsgenossen(innen), dass dieser Tag nicht für beide Geschlechter abgehalten wird. So werden die Buben diskriminiert. Und es reicht langsam. So sollten die "Väter" die Buben einfach mitnehmen. Bei Reklamation der Schule soll diese wegen Diskriminierung verzeigt werden.

  • C.K. am 10.11.2009 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    PHZH machts vor!!!

    Die Komision Gleichstellung der Pädagogischen Hochschule Zürich geht als gutes Vorbild voran und hat den Tag auch im Zeichen der "Jungs" durchgeführt. Unter dem Namen Tochter- und Sohn- Tag 2009 wurden Söhne und Töchter an die PH eingeladen um die Arbeitsplätze und Studienplätze ihrer Eltern bekanntzumachen.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • David Reimer am 14.11.2009 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung ist nicht gewollt!

    Gleichberechtigung ist nicht gewollt - begreift es doch endlich! Jungs und Männer sind der "Gleich"stellung nichts wert!

  • Thomas Bracher am 12.11.2009 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Tochtertag

    Es ist äusserst scheinheilig, von "Gleichberechtigung" zu reden, wenn in diesem Rahmen gewisse Kinder aufgrund ihres Geschlechts von sämtlichen Fördermassnahmen ausgeschlossen werden. Statistisch gesehen kriegen Jungs im Schnitt eine schlechtere Schulbildung als Mädchen, z.B. sie schneiden schlechter ab in der Lehre und machen seltener die Matur. Da wäre es doch nur angebracht, würde man sie deshalb besonders fördern. Die Forderung nach mehr erzieherischer Arbeit von Männern liesse sich mit verbesserten Väterrechten längstens lösen. Mehr Humanismus anstelle von Feminismus wäre nötig.

  • Mecker Ziege am 12.11.2009 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mit 12 Jahren ist der Zug schon weg!

    Ich weiss nicht warum Kinder erst ab 12 Jahren wissen dürfen, was ihre Eltern arbeiten. Kinder interessieren sich doch viel früher dafür und sollten auch sehen wie ernst Arbeit ist.

  • Stephanie Hess am 12.11.2009 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Jungs in der Bildung benachteiligt

    Tatsache ist doch in den letzten Jahrzehnten, dass Jungs vom Staat eine immer schlechtere Bildung erhalten. Gerechtfertigt wird das ganze natürlich immer mit internationalen- oder Jahrhundertenvergleiche, was den heute hier lebenden Jungs herzlich wenig nützt. Jungs müssen mehr als nur dringendst in der Bildung gefördert werden, mehr männliche Maturanten, mehr männliche Lehrkräfte müssen her. Dies würde allen, unabhängig des Geschlechtes etwas nützen.

  • Walter Kunz am 12.11.2009 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen wollen alles.............

    Das ist ganz klar eine Diskrimierung der Männer, die gleichberechtigung ist schon lange auf die Frauenseite gekippt, nur wollen das die Politiker nicht sehen und die Presse nicht Drucken. In Rüti ZH sind z.B die beiden Schulpflegen schon lange rein Weiblich, durch das die Jungs auch benachteiligt werden.

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