Botellones

21. August 2008 11:11; Akt: 21.08.2008 20:49 Print

Koma-Saufen für die wenigsten ein Thema

von Olaf Kunz - Alkohol vernichten bis der Arzt kommt - das ist nur für eine kleine Minderheit das Motto bei einer Massen-Trinkparty. Den meisten geht es um die Party-Stimmung. Und keinesfalls sprechen Botellónes nur Jugendliche an. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage.

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Die geplanten Botellón-Veranstaltungen in Bern, Genf, Lausanne und Zürich sorgen derzeit für enormen Wirbel in der Schweiz. Viele empören sich darüber, dass sich Jugendliche einzig mit dem Ziel treffen, sich zu betrinken. Tatsächlich aber ist der Alkohol-Konsum für viele Teilnehmer der via Internet organisierten Trinkpartys drittrangig, wie eine Umfrage von 20 Minuten Online unter Internetnutzern zeigt.

Die Lust geweckt

Insbesondere die unter 15-Jährigen fühlen sich von vermeintlichen Schiess-Dich-ab-Veranstaltungen angesprochen. 27 Prozent geben an, schon häufiger an einem organisierten Trinkfest teilgenommen zu haben. Bei den 15- bis 18-Jährigen sind es hingegen nur 13 Prozent. Allerdings ist in dieser Altersklasse die Bereitschaft, einmal an einem Botellón teilzunehmen, deutlich grösser. 52 Prozent geben an, gerne einmal mit von der Partie sein zu wollen. Doch auch bei den 26- bis 35-Jährigen sind es immerhin noch 30 Prozent, die starkes Interesse bekunden. Und sogar 5 Prozent der über 56-Jährigen stehen einer solchen Massenbewegung aufgeschlossen gegenüber.

Vier Promille - Fehlanzeige

Die Beweggründe sind allerdings bei den meisten ganz andere, als Facebook-Gruppen mit Bezeichnungen wie «Hauptsache Alkohol» vermuten lassen. Tatsächlich kommt das kollektive Betrinken erst auf Platz vier der Motive. An vorderster Stelle der Gründe wird die Party-Stimmung genannt. Gefolgt von «Ist mal was anderes». Das solche Anlässe tatsächlich ein grosses Meet and Greet sind, drückt die am dritthäufigsten genannte «Aussicht auf Sex» aus, die bei männlichen Umfrageteilnehmern mit 14 Prozent allerdings deutlich ausgeprägter ist als bei den Frauen, von denen nur rund zwei Prozent mit solch einem Vorsatz anrücken.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Diese Angaben werden durch ein weiteres Ergebnis der Umfrage, an der sich 4500 Internetnutzer beteiligten, gestützt. So wollte 20 Minuten Online wissen, ob die Befragten Botellón schlimmer finden als andere Partys oder Dorffeste. Lediglich ein Drittel antwortete mit «Ja, weil es bei einem Botellón nur ums Saufen geht». Und von denen, die schon einmal an einem Spontanfest mit Saufgelagen-Charakter teilgenommen haben und es wissen müssen, sind sogar nur 10 Prozent dieser Ansicht. Auch im Talkback verweisen viele darauf, dass es sich hierbei nur um alten Wein in neuen Schläuchen handle. Beim Oktoberfest in München oder einem x-beliebigen Dorffest in der Schweiz sind ihrer Ansicht nach Gäste mit deutlich höheren Promille-Pegeln anzutreffen.

Folglich finden auch nur 23 Prozent, dass hochprozentige Guerilla-Feste a la Facebook verboten werden sollten. 28 Prozent würden es allerdings begrüssen, wenn eine Altersbeschränkung eingeführt würde, damit es nicht ausartet. Nur 49 Prozent sind gegen ein Verbot von Botellones, weil dann ohnehin nur eine andere Form für solche Veranstaltungen erfunden wird. Wie auch immer, findet die Mehrheit die Aufregung um die Trinkgelage völlig überzogen und findet, dass viel Aufregung um nichts veranstaltet wird.

Schnapsleichen müssen zahlen

Einigkeit hingegen besteht in einer anderen Frage. Wer sich dazu verleiten lässt, Alkohol zu trinken bis der Notarzt kommen muss, soll auch für die Kosten aufkommen. Diese Meinung vertreten 80 Prozent aller Umfrageteilnehmer. 12 Prozent sind der Meinung, dass die Krankenkasse dafür geradestehen sollte. Lediglich 8 Prozent sehen die Veranstalter in der Pflicht. Doch das dürfte sich in der Realität ohnehin als schwer erweisen, da hinter Gruppen auf Facebook oder StudiVZ oft anonyme Personen stehen, die schwer zu ermitteln sein dürften. Gerade das ist den Stadtoberen ein Dorn im Auge. Grund dafür sind die zu erwarteten Müllentsorgungsgebühren.

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