Umstrittene Tierhaltung

16. November 2011 07:28; Akt: 16.11.2011 10:35 Print

Mehrheit ist für ein Verbot der Delfinhaltung

von Jean-Claude Gerber - Der Tod zweier Delfine im Connyland hat die Diskussionen über Sinn und Zweck von Delfinarien neu entfacht. Jetzt sprachen sich in einer Umfrage über 60 Prozent für ein Verbot aus.

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Nicht erst seit den jüngsten Todesfällen im Connyland in Lipperswil TG ist die Haltung von Delfinen in der Schweiz umstritten. Bereits 1999 musste sich der Kinderzoo des Zirkus Knie in Rapperswil SG dem öffentlichen Druck beugen und seine Delfinhaltung aufgeben. Seither gibt es die intelligenten Meeressäuger nur noch im Thurgauer Freizeitpark zu sehen.

Auch das Connyland sieht sich andauernder Kritik ausgesetzt. Besonders die auffällige Häufung von Delfintodesfällen – acht seit 2008, die jüngsten Fälle mitgerechnet - lassen die Haltung der Meeressäuger in einem schlechten Licht erscheinen. Tierschützer bemängeln, dass die Tiere ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums nicht artgerecht gehalten werden können. Unterstützt von 50 Nationalratskollegen hat die Bündner BDP-Nationalrätin Brigitta Gadient deshalb im Parlament einen Vorstoss eingereicht, der den Import von Delfinen verbieten will. Noch weiter will die Organisation OceanCare gehen und zuhanden der eidgenössischen Räte eine Petition einreichen, die zusätzlich ein generelles Verbot von Delfinarien fordert.

Ein solches Verbot hätte im Volk zurzeit gute Chancen. In einer Umfrage von 20 Minuten Online mit 8011 Teilnehmern haben total 60,6 Prozent der Teilnehmer auf die Frage «Sind Sie für ein Verbot von Delfinarien in der Schweiz» mit Ja geantwortet. Damit bestätigt sich die ablehnende Tendenz, die sich bereits in den Leserkommentaren der letzten Tage gezeigt hatte. «Gefangenschaft = Folter», betitelte beispielweise Leserin Anni ihr Feedback, während Yolanda schrieb: «Delfine gehören ins Meer und nirgendwo sonst hin.»

Nationalrätin Gadient, die sich erfreut über die deutliche Unterstützung ihres Anliegens zeigt, glaubt zwar, dass das die Todesfälle im Connyland die Meinungen in der Bevölkerung beeinflusst haben. Ausschlaggebend für die Mehrheit sei aber, dass nun eine Plattform entstanden ist, auf der die Bevölkerung breiter informiert werden könne. «Die Kenntnis der Situation überzeugt die Leute, dass das nicht mehr geht, auch in der Schweiz nicht», erklärt sie und fügt an, dass zurzeit in ganz Europa Bestrebungen laufen, Delfinimporte zu verbieten.

Kaum Potenzial für neue Besucher

Mit Blick auf das deutliche Votum für ein Verbot fällt auf, dass Delfinschauen den Schweizern keineswegs fremd sind. Von den Umfrage-Teilnehmern haben 65,4 Prozent schon einmal eine Delfinschau besucht. Knapp zwei Dritteln hat das dort Gebotene gefallen, den restlichen 38 Prozent taten die Tiere leid. Von den Befragten, die noch nie eine Delfinschau gesehen haben, gaben lediglich 13,5 Prozent an, dass sie definitiv einmal eine solche Vorstellung besuchen möchten (siehe Grafik unten). Diese eher kleine Zahl an potenziellen «Neubesuchern» könnte auf ein eher geringes Bedürfnis nach Delfinarien in der Bevölkerung hinweisen und eine mögliche weitere Erklärung für die breite Unterstützung eines Verbots liefern.

Diese Frage richtete sich an Teilnehmer, die noch nie eine Delfinschau gesehen haben.
Quelle: 20 Minuten Online

Doch obwohl das Connyland in der Kritik steht, konnte den Betreibern bisher in keinem Fall ein Verstoss gegen das Tierschutzgesetz nachgewiesen werden. So sieht der Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen, Hans Wyss, «keinen Handlungsbedarf» im Bereich der Haltung von Delfinen in der Schweiz. Die Haltung der Tiere entspreche «den strengen Vorschriften», erklärte er der «NZZ am Sonntag». 47,1 Prozent der Umfrageteilnehmer halten die Gesetze für die Haltung von Wildtieren in der Schweiz allerdings für zu lasch. 34,2 Prozent finden dagegen, dass sie genau richtig sind:

Umstrittene Zirkusse

Die Haltung von Wildtieren ist auch ausserhalb der Delfinarien nicht unumstritten. Während lediglich 22,4 Prozent die Wildtierhaltung in Zoos ablehnen, ist eine knappe Mehrheit von 52,7 Prozent für ein Verbot von Zirkussen mit Wildtieren (siehe nachstehende Grafik). Dazu ist anzumerken, dass wie bei den Delfinarien Tierschützer seit längerem gegen Tiere im Zirkus mobil machen und immer wieder öffentlichkeitswirksam für ihre Anliegen demonstrieren. Diese Anstrengungen scheinen angesichts der Ergebnisse dieser Umfrage Früchte zu tragen.

Alle Ergebnisse der Umfrage finden sie hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • baba am 15.11.2011 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Delfine bringen sich selbst um

    An alle die meinen, Delfine seien mit Zebras und Löwen gleich zu setzen: Delfine haben eine höhere INtelligenz und ein ICH-Bewusstsein wie sonnst nur der Mensch. Es gibt Delfine die sich in Gefangenschaft bewusst das Leben genommen haben (haben sich selbst ertränkt) wers nicht glaubt, schaut euch mal den Film "Die Bucht" an. Vom ehemaligen Trainer Flippers gemacht klärt er über die Delfinhaltung, das Fangen für Delfinarien und Abschlachtung auf. Zusatzbonus auf der DVD über unsere mit Schwermetall vergifteten Speisefische, aber wen interessierts, Sushi ist ja soooo... gesund. *lol*

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  • Flipper am 14.11.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Its a kind of magic

    Ziegen verschwinden, angeblich entführt von Tierschützern, aus den Ställen von Parteien und Delfine werden von Tierschützern in ihren Becken vergiftet. Passieren schon merkwürdige Dinge in der Schweiz.

  • Hösi am 16.11.2011 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Es ist sehr peinlich und sehr erschreckend zu lesen, wenn hier Kommentare wie "Delphine leben dort glücklich sie machen ihre arbeit gerne!!!" stehen. Was müssen das für Menschen sein die so etwas ernsthaft glauben? Die Haltung von Tieren welche in Gefangenschaft ihren natürlichen Bewegungsdrang nicht ausleben können sollte prinzipiell und überall, auch in Zoo's, verboten sein. Delhpine schwimmen hunderte Kilometer am Tag in freier Natur und Elefanten laufen X-Kilometer auf Nahrungssuche. Hier sind alle auf wenige Meter Bewegungsradius eingschränkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sascha am 02.12.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wer gibt uns das Recht

    @Silivie Bin absolut deiner Meinung....Punkt

  • silvie am 18.11.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    wer gibt uns das recht dazu

    tiere ein leben lang einzusperrn?! sperrt doch mal menschen ein und stellt sie zur schau, mal schauen, wie wohl sie sich fühlen. ist doch das selbe. freiheit oder der "goldene käfig" , freiwillige vor und es geht doch immer nur ums geld

  • Der Wisser am 17.11.2011 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieser Tierschutz

    Und im Meer werden sie von Japanern abgeschlachtet. Aber an das denkt ja keiner. Lieber auf das kleine Familienunternehmen gehn. Arm ist das.

  • Tierfreund am 17.11.2011 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Haben wir nicht andere Probleme?

    Ein toter Delfin lässt sich medial natürlich besser ausschlachten als die Abschlachtung der Strassenhunde in der Ukraine für die EM2012 oder die generelle Haltung von Landwirtschaftstieren oder der Umgang einiger Menschen mit ihren Haustieren. Und wenn medial Stimmung gemacht wird, springen die Leute schnell auf den Zug auf.....

    • Ursi Urs am 02.12.2011 18:10 Report Diesen Beitrag melden

      Besser gar nix tun?

      Nur weil es noch andere Probleme gibt, und man nur wenig tun kann, heisst das nicht dass man nichts tun soll, oder gar die Problematik ins lächerliche ziehen soll .

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  • Flow Tra am 17.11.2011 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Becken!

    Die Delphine haben einfachd VIEL zu kleine Becken! Ihnen kann niemals das geboten werden was sie in der Freiheit haben.

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