Offene Fragen

29. März 2012 15:07; Akt: 29.03.2012 16:10 Print

Mehrheit will den Fall Kampusch neu aufrollen

von Olaf Kunz - An den Ermittlungen rund um die spektakulärste Entführung der letzten Jahre bestehen erhebliche Zweifel. Laut einer Umfrage wollen 83 Prozent, dass die Causa Kampusch neu untersucht wird.

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In den vergangenen Wochen hat 20 Minuten Online zusammen mit oe24.at Leserinnen und Leser im In- und Ausland befragt, wie sie über den Fall Kampusch, über mögliche Mittäter und eine Neuaufnahme der Ermittlungen denken. Dabei wird deutlich, dass eine überwiegende Mehrheit ganz erhebliche Zweifel an der offiziellen Version hat.

51 Prozent sind davon überzeugt, dass dabei einiges nicht stimmt. Weitere 39 Prozent glauben, dass das Entführungsopfer – wenn auch aus Selbstschutz – einiges verheimlicht. Vier von fünf Befragten fordern daher, dass allen Spuren und Ungereimtheiten noch einmal intensiv nachgegangen wird. Das zeigen die Ergebnisse der nicht repräsentativen Online-Umfrage, an der sich 5408 Internetnutzer beteiligt haben - davon 15 Prozent in Österreich und 78 Prozent in der Schweiz.

Vier Fünftel wollen eine Neubewertung

Der Fall Kampusch tritt in eine neue entscheidende Phase. Derzeit bewertet ein eigens eingerichteter Untersuchungsausschuss die gesamte Ermittlungsarbeit, mögliche Versäumnisse bei der Aufklärung und alle ungeklärten Aspekte in der Causa. Laut letzten Informationen soll der Ausschuss bis Mitte April eine Empfehlung abgeben, ob die Ermittlungen neu aufgerollt werden oder der Aktendeckel endgültig geschlossen wird.

Geht es indes nach dem Willen der Befragten, bleibt in dem Kriminalfall kein Steinchen auf dem anderen. 83 Prozent fordern, dass Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft noch einmal die bekannten Details genau beleuchten und allen Spuren nachgehen – auch jenen, die bislang unter den Tisch gefallen sind. Dabei ist der Ruf in der Schweiz (84 Prozent) sogar noch lauter als in Österreich (79 Prozent).

«Warum lasst ihr es nicht endlich gut sein?

In einer grossen Serie hat 20 Minuten Online jüngst viele bisher unbekannte Ermittlungsdetails veröffentlicht, die zahlreiche Fragen aufwerfen. Viele Bürger verstehen indes nicht, warum Medien weiter über den Fall berichten und kein Gras über die Sache wachsen lassen. So wie Leser Andreas Gasser: «Lasst die Frau doch endlich in Ruhe!», fordert er die Journalisten auf. Doch die vorherrschende Meinung der Bevölkerung in dieser Sache ist eine andere.

Trotz allem Verständnis für das Entführungsopfer und seinen möglicherweise unvollständigen Auskünften steht für 63 Prozent eine lückenlose Aufklärung eindeutig über dem Opferschutz. Diese Ansicht ist auch Werner Amon, Leiter des aktuellen Kampusch-Unterausschusses und Parlamentsabgeordneter der ÖVP: «Man muss vollkommen sicher sein können, dass die Polizei nicht missbraucht wird, dass alles getan wird, um den Kriminalfall Kampusch zu klären und mögliche weitere Opfer zu befreien.»

Auch wenn im Januar 2010 im Rahmen einer Pressekonferenz der Fall Kampusch für abgeschlossen erklärt wurde, bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet. Und für 86 Prozent der Leser ist der Entführungsfall keinesfalls geklärt.

Mehr als ein Täter

Vor allem die Alleintäterschaft, von der die Staatsanwaltschaft bislang ausgeht, ist in den Augen der Befragten mehr als zweifelhaft – trotz der Beteuerungen von Natascha Kampusch in ihrem jüngsten Fernseh-Interview im ORF am 5. März 2012. 71 Prozent schenken dieser Version nur bedingt Glauben. Sie gehen davon aus, dass es mindestens einen zweiten Mittäter oder einen Hintermann gibt. 22 Prozent haben dazu keine Meinung. Lediglich acht Prozent schliessen sich der Meinung der leitenden Staatsanwälte an.

Dass der Entführer Wolfgang Priklopil Suizid begangen hat, wird ebenfalls stark in Zweifel gezogen. 52 Prozent gehen davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Auch für den damaligen Leiter der SOKO-Kampusch, Chefermittler Franz Kröll, wirkte der Tatort merkwürdig «inszeniert». 31 Prozent haben zum Selbstmord keine abschliessende Meinung. Nur 17 Prozent glauben, dass er sich selber vor einen Zug geworfen hat und sein Körper von einer Lok überrollt wurde.

Das FBI soll ermitteln

Sollte der Fall durch den Untersuchungsausschuss tatsächlich neu aufgerollt werden, so steht für die Umfrageteilnehmer fest, dass die Ermittlungsteams Unterstützung aus dem Ausland erhalten sollten. 76 Prozent sprechen sich dafür aus, dass beispielsweise Experten des BKA aus Deutschland oder Spezialisten des FBI hinzugezogen werden sollten. Interessanterweise ist dieser Wert in Österreich selbst sogar um 5 Prozent höher als in der Schweiz. 16 Prozent sind der Ansicht, dass das Sache der österreichischen Behörden ist und bleibt.

Den Kurzbericht mit den Umfrage-Ergebnissen gibt es hier >>

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heribert herrlich am 30.03.2012 03:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Österreichische Staatsanwaltschaft

    Es hat sich je gezeigt dass diese aktiv die Ermittlungen behindert hat. Genau diese Leute sind für mich verdächtig und dort sollte auch gesucht werden. Irgendwann wird sich jemand verraten oder hat das mit seinen vertuschungsveruchen schon getan. Das ganze stinkt doch nach Korruption die bis in die höchsten Ebenen des österreichischen Staates...

  • Glasklar am 29.03.2012 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um Aufdecken

    möglicher krimineller Seilschaften und folglich um Verhinderung weiterer Straftaten sowie Schutz möglicher weiterer Opfer. Kampusch selbst hat als Opfer, für mich nicht glaubwürdig nachvollziehbar, zu viel Publizität gesucht und mit ihrem Buch provoziert. Zu viele Ungereimtheiten und Wiedersprüche, sowohl von Seite der Ermittler wie auch von Kampusch selbst warten auf saubere Klärung. Nach meiner Meinung ist dies nur noch mit unvoreingenommenen, externen Ermittlern und Fachleuten möglich.

  • John Dough am 29.03.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte ja...

    ...niemandem zu Nahe treten, es ist eine tragische Geschichte sondergleichen ABER ich kanns nicht mehr hören/lesen! Und dass dieser Fall sowas von breitgetreten wird in den Medien finde ich einfach unglaublich. Jede Woche aufs neue...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 30.03.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zumutung !

    schweizer wollen bestimmen was in AT abgeht ? Haben wir denn nicht selber genug probleme ?

  • Thomas Zürcher am 30.03.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst N.K. in Ruhe!

    Es gibt keinen Grund Kampusch nicht zu glauben - ausserdem ist es IHRE Geschichte, IHR Leid auf welchem rumgetrampelt wird!

  • heribert herrlich am 30.03.2012 03:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Österreichische Staatsanwaltschaft

    Es hat sich je gezeigt dass diese aktiv die Ermittlungen behindert hat. Genau diese Leute sind für mich verdächtig und dort sollte auch gesucht werden. Irgendwann wird sich jemand verraten oder hat das mit seinen vertuschungsveruchen schon getan. Das ganze stinkt doch nach Korruption die bis in die höchsten Ebenen des österreichischen Staates...

  • hipopotamus am 29.03.2012 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    steuergeldverschwendung

    wen ihr schweizer wüsstet was uns österreicher das an steuergeldern kostet dieser kampusch fall :-/ ,.....

  • Glasklar am 29.03.2012 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um Aufdecken

    möglicher krimineller Seilschaften und folglich um Verhinderung weiterer Straftaten sowie Schutz möglicher weiterer Opfer. Kampusch selbst hat als Opfer, für mich nicht glaubwürdig nachvollziehbar, zu viel Publizität gesucht und mit ihrem Buch provoziert. Zu viele Ungereimtheiten und Wiedersprüche, sowohl von Seite der Ermittler wie auch von Kampusch selbst warten auf saubere Klärung. Nach meiner Meinung ist dies nur noch mit unvoreingenommenen, externen Ermittlern und Fachleuten möglich.

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