Grauzone Internet

05. April 2013 19:43; Akt: 05.04.2013 19:44 Print

So schauen Sie Ihre Serien legal im Netz

Mache ich mich strafbar, wenn ich einen Film downloade? Und wenn ich ihn für andere User im Netz zur Verfügung stelle? Wie sieht die Rechtslage als Schweizer im Ausland aus? Ein Experte erklärt.

Wie die TV-Umfrage von 20 Minuten zeigt, schauen bereits viele User regelmässig im Internet ihre Serien und Filme. Welche Anbieter dabei unproblematisch sind, erklärt der Experte.

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«Fernsehen ist bei Jungen abgemeldet» - diese Story hat nicht nur eine rege Diskussion zum Thema TV-Qualität bei den Lesern von 20 Minuten ausgelöst, sondern auch zahlreiche Fragen rund um die Serien- und Filmangebote im Internet zutage gefördert.

Darf ich in der Schweiz völlig unbesorgt meine Lieblingsserien im Netz herunterladen? Und mache ich mich strafbar, wenn ich einen Film via Filesharing-Programm herunterlade? Diese und weitere häufig gestellte Fragen beantwortet Andreas Meili, Rechtsanwalt für Medien- und Kommunikationsrecht.

Mache ich mich strafbar, wenn ich Filme oder Serien von Seiten wie beispielsweise kinox.to herunterlade?
Andreas Meili: Grundsätzlich ist nach Schweizer Recht jegliches Downloaden legal und Uploaden illegal. Das Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (URG) erlaubt in Artikel 19, dass veröffentlichte Werke zum Eigengebrauch verwendet werden. Sofern das Downloading zum Eigengebrauch geschieht, gilt es deshalb als zulässig. Eigengebrauch liegt vor, wenn die Nutzung in einem Kreis von Verwandten oder Freunden, erfolgt (Art. 19 Abs. 1 lit. a URG).

Und wie sieht die Rechtslage betreffend Streaming aus?
Es gilt das Gleiche wie beim Downloading; soweit das für den Eigengebrauch geschieht, ist die Nutzung von Online-Streams in der Schweiz legal.

Streaming und Downloading sind demnach legal, solang ich die Dateien für den Eigengebrauch nutze. Aber darf ich auch Torrent-Anbieter wie «Vuze» benutzen, um Filme herunterzuladen?
Unter «Torrent» versteht man eine Datei, auf der Daten (beispielsweise Filme) zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden. «Vuze» ist ein freies Filesharingprogramm, also eine Software, mit der solche Dateien heruntergeladen werden können. Während das Anbieten von Filmen ohne Erlaubnis der Urheber eine Urheberrechtsverletzung darstellt, ist die Verwendung einer Filesharing-Software und die Teilnahme an einem entsprechenden Netzwerk grundsätzlich legal. Werden damit Filme oder andere urheberrechtlich geschützte Werke heruntergeladen, ist das jedoch ebenfalls nur im privaten Kreis zulässig.

Ist ein Fall in der Schweiz bekannt, bei dem ein User, der illegal Filme hochgeladen hat, belangt wurde?
Das Hochladen (Uploading, Zurverfügungstellen) ist nach Schweizer Recht unzulässig und strafbar (Art. 67 Abs. 1 lit. b und/oder lit. f URG). Der bekannteste Fall stammt immer noch aus Deutschland und betrifft den Gründer des illegalen Filmportals Kino.to, der 2012 vom Landgericht Leipzig zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Über Kino.to waren bis zur Stilllegung durch die Behörden im Juni 2011 rund 135.000 raubkopierte Filme, Serien und Dokumentationen im Internet erreichbar. In der Schweiz ist bisher kein ähnlicher Fall bekannt.

Mit welcher Strafe müsste man in der Schweiz rechnen?
Betroffene müssen mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder einer Busse rechnen. Bei gewerbsmässigem Zurverfügungstellung wird das Delikt von Amtes wegen verfolgt und mit Gefängnis und Busse bis zu 100'000 Franken bestraft (Art. 67 Abs. 1 und Abs. 2 URG).

Wie sieht es mit Dreamboxen aus, mit welchen man Bezahlsender gratis schauen kann: Mache ich mich strafbar, wenn ich eine solche benutze?
Das hängt davon ab, ob ich die Sender privat zum Eigengebrauch ansehe. Wird bei einer Nutzung der Kreis von Verwandten oder Freunden überschritten, macht man sich strafbar. Die Bestellung einer solchen Box ist für sich alleine zumindest in der Schweiz noch nicht strafbar. Denkbar ist aber, dass der Kauf einer solchen Box im Ausland nach dortigem Recht strafbar sein kann.

Mache ich mich strafbar, wenn ich ein Abo bei einem Online-Anbieter eröffne, der offensichtlich illegal Sendungen zur Verfügung stellt?
Das ist problematisch, da der Nutzer so Beihilfe zu einer strafbaren Tat leistet und deshalb als Gehilfe i.S.v. 25 StGB selber belangt werden kann.

Darf ich denn als Schweizer in den Ferien, beispielsweise in Italien, auf meinem Computer einen Film streamen?
Die Frage der Strafbarkeit dieser Handlung wird nach dem Recht beurteilt, das am Ort gilt, wo solche Filme heruntergeladen/gestreamt werden. Ist eine solche Handlung nach italienischem Recht verboten, kann der Schweizer somit grundsätzlich in Italien (auch in Abwesenheit) nach italienischem Recht belangt werden. Befindet sich der User aber wieder in der Schweiz, wird es schwierig, die Strafe gegen ihn zu vollstrecken.

Würde ich mich auch strafbar machen, wenn ich mich via VPN mit einer Schweizer IP-Adresse einlogge, um so als CH-Computer getarnt in Italien einen Film zu streamen?
Das Einloggen via VPN gilt als Umgehung, ist also ebenfalls illegal und strafbar und verstösst zudem meist auch gegen die Nutzungsbedingungen der besuchten Sites. Je nach Land sind solche Verstösse aber schwer verfolgbar.

(lis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex M. am 07.04.2013 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Torrdent detaillierter darstellen.

    Die Situation bei Torrents ist of so, dass abhängig von der Software während dem Download der Film wieder angeboten wird, d.h. upgeloaded wird. Auch wenn man vermeintlich nur herunterladet, kann man sich daher strafbar machen. Bitte geht auf diesen Punkt noch detaillierter ein. Ich denke, dass der normale User über dieses Thema zuwenig Bescheid weiss. Ev. wäre ein eigener Artikel zum Thema Torrents eine gute Sache.

  • Theo am 06.04.2013 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Industrie ist selber schuld

    Wenn ich für einen Film oder eine Software in der Schweiz das mehrfache zahle wie im Ausland muss sich die Industrie nicht wundern wenn die User das Material aus dem Internet holt. Beispiel Software: Adobe Premium Paket kostet in der Schweiz mehrere tausend Franken, in Australien zB nur ca 600.- für die gleiche Software!

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  • nax weber am 06.04.2013 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grauzone?

    Die lege lata Regelung ist definitiv fair. Die Musiker und Filmschaffenden erhalten von den Verwertungsgesellschaften (z.B. suisa) Geld. Ein Grossteil davon stammt sicher von der Abgabe auf alle elektronischen Speicher (DVD, HD, Handy usw.), weshalb es nur gerecht ist, wenn der Download privat erlaubt bleibt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex M. am 07.04.2013 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Torrdent detaillierter darstellen.

    Die Situation bei Torrents ist of so, dass abhängig von der Software während dem Download der Film wieder angeboten wird, d.h. upgeloaded wird. Auch wenn man vermeintlich nur herunterladet, kann man sich daher strafbar machen. Bitte geht auf diesen Punkt noch detaillierter ein. Ich denke, dass der normale User über dieses Thema zuwenig Bescheid weiss. Ev. wäre ein eigener Artikel zum Thema Torrents eine gute Sache.

  • nax weber am 06.04.2013 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grauzone?

    Die lege lata Regelung ist definitiv fair. Die Musiker und Filmschaffenden erhalten von den Verwertungsgesellschaften (z.B. suisa) Geld. Ein Grossteil davon stammt sicher von der Abgabe auf alle elektronischen Speicher (DVD, HD, Handy usw.), weshalb es nur gerecht ist, wenn der Download privat erlaubt bleibt!

    • oliver am 06.04.2013 23:23 Report Diesen Beitrag melden

      korrekt

      korrekt. solange man Suisa Gebühren zahlen muss auf Datneträger, auf welchen ich Stück Medien habe, soll das so sein

    • mister am 07.04.2013 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      nein das ist was anderes

      Oder glaubt ihr im Ernst, dass 2 CHF pro Gerät unlimitierten Download erlaubt? Das einzige was dadurch abgedeckt ist, ist die Privatkopie. Nicht dass ich das diese Abgabe gutheisse, aber euer Argutment ist falsch. Warum der Download legal ist, ist weil man als Downloader nicht immer weiss, ob die Quelle legal oder illegal ist. Gab da mal ein MP3-Portal in Russland. Sehr professionell zum bezahlen usw., aber trotzdem eigentlich illegal.

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  • Fragender am 06.04.2013 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freunde zur Verfügung stellen

    Darf ich die heruntergeladenen Filme resp. Musikstücke Familienmitgliedern oder Freunde zur Verfügung stellen? (per FTP, SMB, ...)

    • oliver am 06.04.2013 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      ja. das geht

      ja. ohne gewähr.

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  • M. Ammann am 06.04.2013 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Heruntergeladene filme im ausland

    Wie ist es, wenn ich heruntergeladene filme auf der festplatte ins ausland mitnehme? Das ist für mich seit jahren eine ungelöste frage

    • oliver am 06.04.2013 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      strafbar

      strafbar

    • D.H. am 07.04.2013 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Oliver

      Dann begründe das Mal. Normalerweise sagt das Gesetz in den Ländern aus, dass illegal Downgeloadete Werke Verboten sind. Diese sind jedoch legal runter geladen ;-)

    • Pierre Lang am 08.04.2013 20:43 Report Diesen Beitrag melden

      würde es nicht drauf an kommen lassen

      ... vermutlich hättest du recht, aber gewisse Länder würden sich für deine Ansichten nicht interessieren. In der Türkei kannst du Knast erhalten, wenn du einen alten Stein aufsammelst ...

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  • Theo am 06.04.2013 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Industrie ist selber schuld

    Wenn ich für einen Film oder eine Software in der Schweiz das mehrfache zahle wie im Ausland muss sich die Industrie nicht wundern wenn die User das Material aus dem Internet holt. Beispiel Software: Adobe Premium Paket kostet in der Schweiz mehrere tausend Franken, in Australien zB nur ca 600.- für die gleiche Software!

    • Werni am 06.04.2013 23:58 Report Diesen Beitrag melden

      Ja und in China noch billiger

      Nur 600.- Franken dann lassen sie doch das Premium Paket. Oder kaufen es sich in Australien. Ansonsten haben sie recht. Die Schweiz ist zu teuer. Adobe verdient aber sowieso daran.

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