Exotisches Essen

14. März 2011 15:05; Akt: 14.03.2011 15:06 Print

Urin-Eier für die ganze Welt

In Kinderurin gekochte Eier sind in Ostchina der absolute Hit. Nun wollen Köche der Region die Spezialität in die ganze Welt exportieren.

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Die spinnt doch - aber nicht mehr lange: Dieses Spinnentierchen verschwindet in wenigen Augenblicken im Mund des reizenden Kindes mit Hut. Festgehalten wurde dieses Szene von Leserin Heidi Bolliger aus Zürich in Kambodscha. Auch Peter Bürgin war in Kambodscha, besuchte dort einen traditionellen Markt und bekam einen Bärenhunger: Er liess sich Vogelspinnen, Frösche, Kakerlaken und Grillen schmecken und berichtete stolz: «Hurra, ich lebe noch!» Vor dem Essen wurde eine mundgerechte Portion ausgesucht. Fritiertes landete hingegen bei Cecile Schmid im Kongo auf dem Teller. Nach dem Motto «lieber Raupen als Graupen» gönnte sie sich in den Ferien zur Abwechslung einen ganz grossen Teller voller Proteine. Roh sind sie zwar weniger lecker, dafür aber besser für die Figur. Oh Schreck, oh Schreck, der Schneck ist weg. Wenn sich der Marktstandbetreiber nicht vorsieht, ist die Ware dieses Imbiss-Standes bis zum Abend komplett geflüchtet. Zumindest im Bild konnten die Kriechtiere von Manuel Heim festgehalten werden. Wie isst man eigentlich einen Skorpion? Marcel André Schneider (rechts) wollte das unbedingt herausfinden. Er liess sich auf einem chinesischen Markt gemeinsam mit Einheimischen Kaiserskorpione schmecken. Danach schockte ihn auch dieser Anblick nicht mehr. Im Schlangenrestaurant in Guangzhou sucht man sich eines der Reptile aus und bekommt es eine halbe Stunde später zubereitet auf dem Teller serviert. Bon Appetit! «There are Ten Million Bicycles in Beijing»: Die aufgespiessten Skorpione hat Laura Gambineri während ihrer Chinareise irgendwann aufgehört zu zählen. Das Auge isst bekanntlich mit - in Thailand hat sich das noch nicht herumgesprochen (Bild; Markus Fankhauser). Gugel-Hupf auf thailändisch. Diese Grashüpfer haben die besten Zeiten hinter sich. Massimo Pano knipste dieses Foto. Gleich nebenan gabs noch etwas weniger Bissfestes: Wenn die Pasta mal aus ist, tuns doch auch ein paar Maden, oder? Spezialitätenmarkt auf chinesisch.

Wer ferne Länder besucht weiss, dass die örtlichen Spezialitäten nicht jeden Geschmack treffen. Manche Leser haben es sich aber nicht nehmen lassen, einige davon zu probieren.

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In der chinesischen Stadt Donyang isst man schon seit geraumer Zeit sogenannte «Frühlingseier». Diese werden zuerst in Kinderurin eingelegt und kommen dann im Topf auf den Herd. Sobald die Flüssigkeit kocht, wird die Schale der Eier angebrochen. So köcheln sie einen ganzen Tag weiter, während immer wieder neuer Urin nachgegossen wird. Die Eier gehen auf dem Markt weg wie warme Semmeln.

Umfrage
In Kinderurin gekochte Eier sind in einer Provinz im Osten Chinas eine geschätzte Delikatesse. Würden Sie diese Spezialität probieren?
8 %
92 %
Insgesamt 217 Teilnehmer

«Der beste Urin kommt von kleinen Buben unter zehn Jahren», wird Koch Lu Min auf dem britischen Newsportal «Metro» zitiert. Die Kinder pinkeln in der Schule in Eimer, die jeden Tag eingesammelt werden.

Im Jahr 2008 wurde die Spezialität mit dem chinesischen Namen tong zi dan sogar in die Liste der Kulturerben der Stadt aufgenommen. Gemäss dem Arzt Jia Suqing wurde früher bei vielen Heilmitteln der Urin von vorpubertären Jungen beigegeben. Dies sollte die Wirkung der Mittel verbessern, ist auf «Ministry of Tofu» zu lesen.

Exportschlager für die ganze Welt?

Gemäss Ming würden die Eier nicht nur fantastisch schmecken, sondern seien auch noch gesund: «Sie kurieren Fieber und können der Konzentration helfen, wenn man sich träge und müde fühlt.» Auch wenn Suqing und andere Mediziner diese These nicht oder zumindest nicht uneingeschränkt bestätigen, sind der Koch und seine Kollegen so überzeugt von der provinzialen Delikatesse, dass sie die Frühlingseier weltweit vertreiben wollen. Der penetrante Geruch und die für viele Leute abschreckende Zubereitungsart dürfte den Erfolg der Export-Idee allerdings starkt bremsen.

Haben Sie auch schon Dinge gegessen, bei denen andere angeekelt die Nase rümpfen? Schicken Sie ein Bild mit Beschreibung der exotischen Spezialität an community@20minuten.ch.

(fvo)

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