Leser-Abstimmung

22. Januar 2013 07:36; Akt: 25.01.2013 10:39 Print

Was sich in der Schweiz wirklich ändern soll

Von Pendlersteuer über «Mobility Pricing» bis hin zur allgemeinen Dienstpflicht – zehn kontroverse Ideen von Avenir Suisse wurden von den Lesern bewertet. Das Ergebnis.

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Privatisierung der Verkehrsinfrastruktur (370 Stimmen). Der Idee, dass sowohl Strassen und Schienen, als auch die SBB privatisiert werden sollen (also nicht mehr in der öffentlichen Hand sind), stösst bei den Lesern auf wenig Zustimmung. Stimmrechtsplitting (467 Stimmen). Dass pendelnde Arbeitnehmer auch am Arbeitsort abstimmen dürfen sollen, überzeugt ebenfalls nicht viele Leser. Pendlersteuer (580 Stimmen). Wer zum Arbeiten pendelt, soll künftig Steuern auch am Arbeitsort abführen, da die Infrastruktur am Arbeitsort stärker genutzt werde als am Wohnort – diese Idee schaffte es gerade mal auf Platz 8. «Mobility Pricing» (608 Stimmen). Auch der Vorschlag, dass Benutzer verursachergerecht für Fahrten auf Strassen und Schienen bezahlen sollen (das GA also nicht mehr haltbar wäre), stösst auf wenig Gegenliebe. Mehr Allgemeinbildung in der Berufslehre (726 Stimmen). Die Forderung, dass sich die Schwerpunkte in der beruflichen Ausbildung weg von Spezialisierung hin zu etwas mehr Allgemeinbildung verschieben sollen, verpasst die Top-Five knapp. Kein gesetzliches Rentenalter (773 Stimmen). Es soll nur noch eine Altersuntergrenze festgelegt werden. Wer länger arbeitet, kriegt mehr Rente. Dieser Vorschlag landet knapp in den Top-Five. Abgabe für Neueinstellung von Arbeitnehmern aus dem Ausland (794 Stimmen). Auch eine Zwangssteuer finden nicht alle erstrebenswert. Dieser Vorschlag forderte, dass Firmen eine Abgabe leisten sollen, wenn sie bei Neueinstellungen auf Ausländer zurückgreifen. Volk als Schiedsrichter bei unterschiedlicher Meinung von Nationalrat und Ständerat (881 Stimmen). Die direkte Demokratie kommt bei den Lesern gut an. Auf Platz 3 schafft es die Idee, dass das Volk das letzte Wort bekommt, wenn sich die beiden Kammern nicht einigen können. Koordinierte Raumentwicklung (917 Stimmen). Auch die Raumplanung interessiert: Unsere Leser befürworten mehrheitlich, dass Metropolitanregionen ihre Raumentwicklungspläne koordinieren sollen. Allgmeine Dienstpflicht statt Wehrpflicht (994 Stimmen). Klar als Top-Idee gekürt wurde der Vorschlag, dass Dienstpflichtige zwischen Militär- und Ersatzdienst frei wählen können und beide Dienste gleich lange dauern.

Wie die Leser über die Avenir-Suisse-Ideen denken.

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Avenir Suisse hat einen Katalog mit insgesamt 44 Vorschlägen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung der Schweiz aufgestellt. Über 10 kontroverse Ideen, die von der Redaktion herausgepickt wurden, konnten die Leser bei einem Rating abstimmen.

Ganz hinten auf der Liste der für gut befundenen Vorschläge landet die Privatisierung der Verkehrsinfrastruktur. Ihr wird von den rund 1000 Lesern, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, eine klare Absage erteilt. Sowohl Strassen und Schienen sollen in öffentlicher Hand bleiben. Grosse Zustimmung gibt es hingegen bei einem alten Bekannten der politischen Diskussion.

Dienst ist Dienst, alles andere aber nicht eine Schnapsidee

Gerade wurde in Österreich darüber abgestimmt, ob die Wehrpflicht weiterbestehen soll. Tatsächlich hat sich eine Mehrheit für den Dienst ausgesprochen. Einiges spricht dafür, dass das Ergebnis in der Schweiz deutlich anders aussehen würde. Die Idee der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht findet in Helvetien grossen Anklang und landet im Rating auf Platz 1. Dabei soll keiner der möglichen Dienstbereiche benachteiligt werden. Zu diesen zählen: Militär, Bevölkerungsschutz, Umwelt- und Naturschutz, Sozial- und Gesundheitswesen, Unterstützung von Gemeinden (Littering, Unterhalt Grünflächen) sowie in der Entwicklungszusammenarbeit. Generell soll der Dienst zehn Wochen dauern.

Fraglich ist allerdings, ob die Dienstpflicht überhaupt weiter bestehen würde. Denn in einer früheren Umfrage haben sich 52 Prozent der 20-Minuten-Online-Leser für die Abschaffung der Wehrpflicht ausgesprochen. Würde der Vorschlag umgesetzt, beträfe dies jährlich etwa 80'000 Männer und Frauen mit Schweizer Pass.

Streiten sich zwei, entscheidet der Dritte

Auf Platz 2 wurde die Idee einer koordinierten Raumentwicklung gewählt. Avenir Suisse schlägt vor, dass die Metropolitan-Regionen ihre Raumentwicklungspläne aufeinander abstimmen. So sollen Siedlungen und Landschaft aufgewertet und das Zusammenspiel zwischen funktionalen Räumen verbessert werden.

Ebenfalls hohen Zuspruch erhält ein neues Element der direkten Demokratie. Dabei soll das Volk als Schiedsrichter fungieren – und zwar immer dann, wann sich Ständerat und Nationalrat in einer Sache nicht einig sind.

Deutlich weniger Punkte gibt es für die Einführung einer gesetzlichen Abgabe für Unternehmen bei der Einstellung von Arbeitnehmern aus dem Ausland. Obwohl die Zuwanderung stets ein heisses Thema ist in der Schweiz, fällt die Zustimmung zu dieser Zwangssteuer-Forderung sehr verhalten aus (Platz 4). Selbiges trifft übrigens auch auf die Abschaffung des gesetzlichen Rentenalters (Platz 5) und die Verschiebung der Schwerpunkte innerhalb der beruflichen Ausbildung von Spezialisierung hin zu mehr Allgemeinbildung.

Pendler wollen lieber nichts ändern

Eher negativ scheint die Stimmung beim «Mobility Pricing». Die Abschaffung von Quasi-Flat-Rates wie das GA zugunsten realer Preise für die tatsächliche Nutzung der Bahn fällt beim Volk eher durch. Lediglich für Platz 7 haben die Stimmen der rund 1000 Leser bei diesem Thema gereicht. Noch schlechter kommt die Pendlersteuer an. Bei dieser Idee geht es darum, dass Berufspendler einen Teil ihrer Einkommenssteuer am Arbeitsort entrichten.

Auf Platz 9 landet das Stimmrechtsplitting, bei dem Berufspendler auch am Arbeitsort abstimmen dürfen, wird von den Lesern ebenfalls nicht gerade gefeiert.

Welche grundsätzlichen Veränderungen in politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht sollten Ihrer Meinung nach in der Schweiz umgesetzt werden? Schreiben Sie die Vorschläge im Kommentar.

(oku)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bruno am 23.01.2013 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    das zahlen wo benützt wird

    was endlich aufhören muss, ist die ständige quersubventionierung verschiedener kässelis. das geld soll da eingesetzt werden, wofür es bezahlt wurde, nichts anderes. politiker die lügen müssen bestraft werden, auch wenn es erst nach 5 jahren rauskommt. das salär darf die höhe eines gut ausgebildeten bauarbeiters nicht übersteigen.

  • Ernesto M. am 23.01.2013 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Kaufkraft für ALLE!

    Warum gehen wir nicht einmal das Duopol Migros und Coop an ? Diese (steuerbefreiten) Genossenschaften mit ihren diversen Tochterfirmen und Beteiligungen verhindern einen echten Wettbewerb und verteuern die importierten Produkte. Hier sollte eine marktwirtschaftliche Lösung möglich sein, die Familien, Arbeitnehmern und Rentnern zu Gute kommt.

  • Rudi Spi. am 22.01.2013 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ändern 

    Es sollte sich dringend ändern dass Asylanten nicht mehr besser gehalten werden als die Pensionierte die unter dem Existenz Leben müssen! 1.5 Miliarden in die AHV statt ins Asylwessen! Gehälter von Politiker dringend kürzen! Politker da sein fürs eigene Volk. unsw.

Die neusten Leser-Kommentare

  • And1 am 24.01.2013 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Wohlfahrt

    5 Wochen Ferien und 35 Stunden Woche für Alle. Es werden ja immer mehr Leute aber weniger Jobs, dann stellt man halt für jeden 10. Mitarbeiter einen mehr ein. Dafür hat man eine Stunde mehr Zeit sich den wichtigen Dingen zu widmen, die Meisten verlieren sonst schon eine Stunde täglich alleine durch den Arbeitsweg. Ausserdem haben wir durch die ganze Automatisierung und Computerisierung an Produktivität gewonnen, müssen aber noch immer gleich lange arbeiten, wie vor 30 Jahren und wozu? Richtig für den Geldbeutel jener die sonst schon zu viel haben.

  • Ernesto M. am 23.01.2013 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Kaufkraft für ALLE!

    Warum gehen wir nicht einmal das Duopol Migros und Coop an ? Diese (steuerbefreiten) Genossenschaften mit ihren diversen Tochterfirmen und Beteiligungen verhindern einen echten Wettbewerb und verteuern die importierten Produkte. Hier sollte eine marktwirtschaftliche Lösung möglich sein, die Familien, Arbeitnehmern und Rentnern zu Gute kommt.

  • bruno am 23.01.2013 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    das zahlen wo benützt wird

    was endlich aufhören muss, ist die ständige quersubventionierung verschiedener kässelis. das geld soll da eingesetzt werden, wofür es bezahlt wurde, nichts anderes. politiker die lügen müssen bestraft werden, auch wenn es erst nach 5 jahren rauskommt. das salär darf die höhe eines gut ausgebildeten bauarbeiters nicht übersteigen.

  • KarinY am 22.01.2013 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Mutterschaft

    In Ö: Mutterschaftsurlaub 3 Jahre. 436 Euro aber wird bei der Rente angerechnet. Danach: Recht auf 50% Teilzeit für Mütter. Finde dies eine gute Sache. (künftige Steuerzahler, viele Studenten die Kinder haben).

    • H. Kunz am 23.01.2013 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt genug Menschen

      auf der Erde aber nicht genug Arbeit für all die Menschen die bereits hier sind.

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  • Hildegart am 22.01.2013 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die echte Liebe

    Wenn ich das Gejammer und die Wünsche an schaue, dann gute Nacht schöne Schweiz. Wenn unsere Vorfahren auch so gearbeitet hätten wären wir schon lange verhungert. Die Generation die heute am Werk sind, müssen schauen dass sie den Wohlstand halten können. Neue Sachen schon gar nicht. Sie sind ja überfordert für die Ehe, Familie ,Arbeit und besonders für die Treue und Ehrlichkeit. Und wo ist die echte Liebe geblieben.

    • tinu am 23.01.2013 19:13 Report Diesen Beitrag melden

      tja so..

      ..wir sind halt Kinder des Glücks, in den siebziger Jahren geboren, viel Wirtschaftswachstum und somit viel Optimismus lagen vor uns. Alles schien in einem rosa Teint. Dann zogen Wolken auf, es wurde trüber im Ländle, das Leben wurde plötzlich nicht mehr so sicher wie auch schon. Zusammenrücken und Toleranz wurde für inn erklärt. Vielleicht sind wir aber schon zu Nahe aufeinander, als das wir ein Leben in Liebe führen könnten. Dafür braucht es auch eine intakte Umwelt und positive Umgebung. Und genau da happerts doch am meisten in letzter Zeit. Da musste die Liebe weichen, um später wieder..

    • Lamarck am 23.01.2013 20:00 Report Diesen Beitrag melden

      Erziehung

      Genau mein Anliegen. Wie sollen Kinder mit zwei arbeitenden Elternteilen bloss aufwachsen? Mit zwei schon erwachsen werden in der Kita? Nein danke.

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