Rührende Geste

11. Juni 2019 17:50; Akt: 11.06.2019 17:50 Print

Wie Jen einem Autisten hilft, bewegt die Welt

Als der autistische Ralph im Freizeitpark einen Zusammenbruch hat, kümmert sich eine junge Mitarbeiterin liebevoll um den Bub.

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«Ich möchte etwas unglaublich Besonderes mit euch teilen», beginnt Lenore Koppelman, die Mutter des autistischen Ralph, ihren Facebook-Post, der tausendfach gelikt und geteilt wurde.

Doch bevor sie die Geschichte erzählt, beschreibt sie ihren Sohn: «So wundervoll, liebend und intelligent Ralph ist, manchmal hat er mit sich zu kämpfen (tun wir das nicht alle?). Und wenn er am stärksten mit sich kämpft, kann er etwas bekommen, was als ‹autistischer Zusammenbruch› bekannt ist.»

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen kindlichen Wutanfall sei es bei Ralph ein Schrei nach Hilfe, weil er seine Gefühle in solchen Momenten nicht selbstständig regulieren könne, schreibt Lenore. Einen solchen Zusammenbruch habe Ralph auch kürzlich im Universal-Freizeitpark in Orlando, Florida, gehabt.

Weil ausgerechnet seine Lieblingsattraktion – die Spiderman-Bahn – ein Problem hatte, musste die Familie kurz vor dem Ziel umkehren. Zu viel für den kleinen Ralph. Er legte sich mitten im Wartebereich auf den Boden und begann zu schreien und zu weinen. Lenore und ihr Mann konnten nichts dagegen tun.

«Sie legte sich zu ihm auf den Boden und half ihm, sich zu beruhigen»

Doch Jen, eine Mitarbeiterin des Freizeitparks, wusste genau, was sie machen musste. «Sie legte sich zu ihm auf den Boden und während er sich ausheulte, half sie ihm, sich zu beruhigen», schreibt die Mutter. Mehrere Minuten habe Jen mit ihm auf dem Boden verbracht, bis es Ralph besser ging. Danach habe er sich noch etwas aus dem Souvenir-Shop aussuchen dürfen.

Weiter beschreibt Mami Lenore, wie unglaublich dankbar sie sei. Auch gegenüber den Leuten, die ihre Mitarbeiter so gut auf solche Situationen vorbereitet haben. «Meine Familie und ich danken euch von ganzem Herzen.» Ein extra dickes Dankeschön richtet sie schliesslich an Heldin Jen: «Wir lieben dich am meisten.»


(sto)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NS am 11.06.2019 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    schöne geste

    rührende geschichte, ich bin selbst mutter von einem autistischen jungen und es ist nicht immer einfach. die blicke der menschen machen es manchmal noch schwerer. da ist man froh wenn einem ein bisschen verständnis entgegen gebracht wird. schieslich erkennt man autistische kinder nicht auf anhib.

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  • Rosalie am 11.06.2019 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Es gibt sie noch die guten Menschen, herzlichen Dank Jen.

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  • Mara am 11.06.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbare Geste von der Mitarbeiterin

    Finde es rührend wie die Mitarbeiterin das liebevoll meistert, sollte mehr solche Menschen geben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • J.G. am 14.06.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Weder Vater noch Autist

    Aber könnten wir nicht alle etwas mehr Verständnis füreinander zeigen? Ja ich denke viele Kinder werden von ihren Eltern unzureichend erzogen (keine Grenzen, kein Nein). Aber diese Kinder, die eine nachgewiesene Krankheit haben, können wirklich nichts dafür, wenn die Welt ihnen in dem Moment zu viel wird. Verständnis, Toleranz und Akzeptanz würden zu einer besseren Welt führen.

  • Bona am 13.06.2019 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    An alle die immer den Eltern mangelnde Fürsorge und Kompetenz unterstellen. Autismus ist eine Behinderung und hat nichts mit mangelnder Erziehung zu tun. Ich arbeitete lange mit Autisten und habe selber ein Kind das zwar nicht autistisch, aber auch eine mangelnde Reizfilterung hat. Das führt dann an neuen Orten oft zu schwierigen Situationen, da er sich dann nicht regulieren kann. Das führte schon öfters zu unangenehmen Situationen in denen wir als Eltern böse angegriffen wurden, auch aus dem engsten Familienkreis. Schade fehlt da oft das verständnis.

  • Autistin am 12.06.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Mitarbeiterin

    Viele können sich wohl nicht vorstellen, wie es ist, wenn alles auf einmal auf einen einprasselt und das Gehirn die Infos nicht so schnell verarbeiten/zuordnen kann. Ich bin froh, dass ich in solchen Situationen die Kontrolle nicht verliere. Aber für die, die das nicht können werden solche Situationen normalerweise noch viel unangenehmer als es ohne die Reaktion der Mitmenschen schon wäre.

    • Maierösli am 12.06.2019 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Bin selber zwar nicht autistisch ...

      ... und kann darum nicht aus der Sicht eines direkt betroffenen sprechen. Was mich aber an dem Bericht der Mutter gestört hat, ist die Behauptung, ihr Sohn könne seine Emotionen nicht gut genug regulieren. Woher weiss die das so genau? Vielleicht wäre aber, bei einer vergleichbaren Belastung, z.B. eben durch Reizüberflutung, auch bei nicht-autistischen Menschen und erst recht kleinen Kindern ein Nervenzusammenbruch eine völlig nachvollziehbare Reaktion?

    • René am 13.06.2019 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Maierösli: Autismus zeichnet

      sich unter anderem durch eine andere Wahrnehmung und andere Verarbeitung von Reizen aus. Zudem ist die automatische Filterung von Reizen (z.B. visuell, akustisch, olfaktorisch) zumindest eingeschränkt bis auch komplett nicht existent, diese Reize erreichen im Extremfall komplett ungefiltert das Bewusstsein. Eine Reizüberflutung bei einer neurotypischen ("normalen") Person ist deshalb keinesfalls mit einer Reizüberflutung einer autistischen Person vergleichbar.

    • Peter am 13.06.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Maierösli

      Autismus hat eher was damit zu tun, dass man wenn man davon betroffen ist, eher über Objektives spricht, eher kurz angebunden ist und dass man gerne mal immer dasselbe macht. Sie mögen Snall Talk nicht so sehr, sprechen nicht in einer blumigen Sprache und sie spielen lieber Zugsimulator, statt sich einer Depression hinzugeben. Sie freuen sich dann eben, wenn der Zug einfährt und es heitert ihre Stimmung auf. "Wie geht es dir?" - "Ich funktioniere" ... Autisten sind nicht unbedingt glücklich, sondern eher mal begeistert. Statt traurig, fühlen sie sich hintergangen.

    • Autistin am 13.06.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      @Peter, das sind ziemlich Stereotypes. Treffen auf einige Autisten zu, aber bei weitem nicht auf alle. Bei uns in der Autistengruppe sind auch sehr offene, herzliche Gespräche dabei und ich bin nicht die einzige Autistin, die bei allem was meine Sensorik zulässt dabei ist und alles ausprobieren will. @Maierösli, ich denke, die Frage ist nicht falsch. Auch Normalos wären wohl mit dem Stresslevel der für viele Autisten normal ist total überfordert. Viele Autisten haben jedoch zusätzlich Mühe die eigenen Emotionen zu analysieren. Kann gut sein, dass das beim Jungen noch dazukommt.

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  • Peter Meier am 12.06.2019 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter ist in der Pflicht

    Mag etwas forsch klingen, aber die Mutter überlässt sozusagen ihre Pflicht, ihren Jungen selbst zu beruhigen, einer Mitarbeiterin. Es ist eine wunderbare Geste der Mitarbeiterin, aber wenn ich sehe wie viele Eltern heutzutage die Erziehung/Pflege ihrer Kinder Dritten überlassen, läufts mir kalt den Rücken runter.

    • Nina am 12.06.2019 22:34 Report Diesen Beitrag melden

      Hat was ...

      Es wirft schon Fragen auf, wenn diese Mitarbeiterin so viel besser mit der Situation und dem Jungen umzugehen weiss als seine eigene Mutter.

    • Realistin am 13.06.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

      Wirkung

      Obwohl ich tatsächlich auch der Meinung bin,dass die Erziehung heute leider immer wieder "auswärts" stattfindet,sehe ich es in diesem Fall nicht unbedingt so.Es ist bewiesen,dass wir alle auf fremde Menschen anders reagieren als auf Vertraute.Und dementsprechend haben diese auch andere Wirkungen auf uns.Kann also schon sein,dass die Mutter in diesem Fall eine kleinere Wirkung hätte als die fremde Person.Andere Ausstrahlung,Geruch,Stimme etc.Es durchbricht auch bekannte Muster.Das kann sehr nützlich sein.

    • Eltern sind "nicht unschuldig" am 13.06.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Realistin

      Es ist schon bewiesen, dass ist wohl gut möglich, aber ich bin einfach der Meinung, dass man nicht erst Eltern sein darf, wenn man perfekt ist. Es gibt relativ viel Autisten und es mag auch etwas an den Eltern liegen, aber wenn die biologische Uhr tickt, dann kannst du nicht "in die Elternschule". Die Eltern sind häufig schuld, aber es ist antiliberal jemandem verbieten zu wollen, Kinder zu haben. ... Es gibt einfach keine Kinder mehr, wenn sich alle vor ihren Fehlern fürchten und nichts mehr wagen. Man darf auch Kinder fehlerhaft erziehen, auch wenn's verpönt ist.

    • Mä Kenntsi am 13.06.2019 17:05 Report Diesen Beitrag melden

      Hauptsache mit dem Finger zeigen

      Ignoranten und Besserwissende Fingerzeiger sind der Grund, warum in der Schweiz die meisten Kinder mit Autismus im Heim versteckt werden. Soziale Integration? Ein Spiessrutenlauf! Für uns Eltern von Kindern mit ASD ist die von Ihnen demonstrierte Intoleranz fast noch schwieriger zu ertragen als unsere Hilflosigkeit bei einem solchen Meltdown. Da lobe ich mir die Aufgeklärtheit und das Wohlwollen, das wir in den USA regelmässig erleben!

    • René am 14.06.2019 06:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Meier: von Autisten wird immer

      wieder mal behauptet, sie wären sehr "ichbezogen" (Autismus-> lat. autos, "auf sich bezogen") und Gefühle anderer nicht wahrnehmen könnten. Ich kann mir vorstellen, dass wenn die Situation einen Autisten überfordert das auch Eltern überfordern kann und diese Überforderung der Eltern wiederum nimmt ein Autist wahr. Ein Teufelskreis beginnt, es schaukelt sich auf. Eine fremde und ruhige Person kann die Ruhe ausstrahlen und auch übertragen. Nur so eine Idee von einem Autisten.

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  • tar.ina am 12.06.2019 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    bescheiden

    hat auch mit Verweichlichung zu tun . die Kinder sollten nicht zu verweichlichten hypersensiblen menschen herangezogen werden. ihnen sollte man Konsequenzen für ihr benehmen beibringen.

    • GDD am 12.06.2019 10:07 Report Diesen Beitrag melden

      Der Knabe leidet an einer Krankheit

      Der Knabe leidet an einer KRANKHEIT! Schön, dass Sie gesund sind, auch wenn es Ihnen an Mitgefühl zu scheinen fehlt.

    • Keny am 12.06.2019 22:47 Report Diesen Beitrag melden

      Aber hallo

      Wer hat wohl den einen Daumen runter gedrückt ;)

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