«Schluss mit dem Krach!»

26. Juni 2011 14:29; Akt: 26.06.2011 16:39 Print

Zwei Openairs führen die Nachtruhe ein

von Michael Küng - Das ist nichts für Hartgesottene: An den Festivals Southside und Hurricane kann das Zelt seit diesem Jahr in einer Ruhezone aufgeschlagen werden.

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«Helga ist tot!», rufen bisweilen genervte Festival-Besucher zurück, wenn mal wieder ein Spassvogel den allseits bekannten Running-Gag auf deutschsprachigen Festivals anfacht: Er gibt vor, eine gewisse Helga zu suchen und schreit ihren Namen über die Zeltstadt hinweg. Nicht selten «suchen» in der Folge Dutzende johlend nach der wohl berühmtesten Festival-Besucherin überhaupt. Das geht selbst dem härtesten Dosenbiertrinker irgendwann auf die Nerven.

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Sind Ruhezonen an Festivals eine gute Idee?
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Deswegen haben die Zwillingsfestivals Southside und Hurricane auf dieses Jahr hin auf ihren Campingplätzen eine «green zone» eingerichtet. Wer dort sein Zelt aufschlägt, verpflichtet sich dazu, ab Mitternacht ruhig zu sein und seine Abfälle in den dafür vorgesehenen Behältern zu entsorgen. Mit «grün» hat das allerdings noch nichts am Hut. Denn eine Abfalltrennung fehlt, wie «Zeit Online» weiss. Wieso die Zone dennoch grün ist, veranschaulicht erst ein Blick auf den abgetrennten Camping-Sektor: Während auf der anderen Seite des Zauns die Musikfans mit jedem Schritt von einem Schlammvakuum festgenagelt werden und die Zelte allmählich im Sumpf einsinken, blüht in der «green zone» das Gras wie eh und je. Wo die Fans nicht bis ins Morgengrauen tanzen und johlen, bleibt schliesslich auch die Wiese intakt.

Ruheoasen senken Ticketpreise

Dass das Ganze funktioniert, ist übrigens das Verdienst der Festival-Besucher selbst: Auf dem Hurricane wie auch dem Southside bleiben Regelverstösse traditionellerweise fast ausnahmslos ungeahndet. «Die Idee mit den green zones kam bei Fans beider Lager fantastisch an», zieht Hatja Wittenstein von Festivalorganisator FKP Scorpio gegenüber 20 Minuten Online Fazit. Die Verantwortlichen seien sich denn auch schon «ziemlich sicher», dass sich die Grösse der «green zones» im nächsten Durchlauf gut verdoppeln liessen. Dass die Organisatoren das Konzept weiter vorantreiben, erstaunt denn auch wenig: Kommt weniger Müll zusammen und müssen weniger Rasenflächen wieder aufgepäppelt werden, fallen auch weniger Kosten an.

«Das ist natürlich ein enormer Vorteil, der uns hilft, die Preise stabil zu halten», so Wittenstein. Allerdings müssen die Zonen dazu noch etwas wachsen – die heute etwa 10 Prozent der Gesamtfläche des Campingplatzes vereinnahmenden Ruheoasen seien noch zu klein, um beim Kassensturz positiv ins Gewicht zu fallen. Ein durch und durch grüner Campingplatz ist demnach das Ziel. Ob der jemals Wirklichkeit wird, steht allerdings in den Sternen. Denn nicht zuletzt geht es vielen Festival-Besuchern auf dem Campingplatz doch genau darum: Fernab von gesellschaftlichen Konventionen mal so richtig die Sau rauszulassen.

Brauchts so etwas auch in der Schweiz? Oder bedroht die «grüne Zone» etwa die kollektive Party auf der anderen Seite des Zauns? Schreiben Sie Ihre Meinung ins Talkback.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • joshy am 26.06.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Wenn man bedenkt wie die Felder nach dem Greenfield ausgesehen haben oder Frauenfeld finde ich das eine super Initative!

  • Mr. Banago am 26.06.2011 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine...

    Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ich bin mittlerweile bin in einem Alter, wo ich mir ein Hotel gönne... Zumal ich wegen der Musik an ein Festival gehe... partying all night long war früher... nichts desto trotz trinke ich diese jungen Leute immer noch unter den Tisch...

  • noidem am 26.06.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Ich find die Regelung ganz gut. War selbst am Southside und der Unterschied ist schon krass. Was ich aber schlimm fand, waren die Beleidigungen an die Green Camper. ("scheiss Bonzen, ihr seid nichts besseres" als Beispiel - obwohl Greencamping kostenlos war) Auch wenn ich eher zu denjenigen gehöre, die bis in die Nacht feiern finde ich es eine sehr gute Sache für ältere Festivalbesucher und solche, die am nächsten Tag fit sein wollen. Von mir also ein Daumen hoch!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gabriel am 29.06.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Rocker-Ruhezone?

    Wenn man an ein Openair geht muss man mit Schmutz und Lärm rechnen. Wem das nicht passt der soll zuhause bleiben und Radio hören. Als nächstest kommt noch das Greenfield mit Ruhezonen für "Rocker"!!

  • Cassandra am 28.06.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    hmm?

    green zone...so was brauchst auch wohl nur in Deutschland.....dort wird ja einiges lascher mit dem Abfall umgegangen....unser erster SoSi Trip war ja praktisch ein "schock" als CH Openair Besucher.....aber der Lärm war ja echt nie ein Problem.....eher dieses "messy"-Verhalten....ja näher beim Konzertgelände desto vermüllter die Zeltstadt.....

  • Sherry am 27.06.2011 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Obwohl ich der Meinung bin, dass Lärm & Abfall irgendwie zum Open-Air-Feeling dazu gehören, find ich die Idee gut. Doch der Anteil der Green-Zone darf nicht zu gross sein, sonst weichen die normalen OA-Camper dorthin aus & die ganze Idee den Bach runter.. ich war am Touch The Lake & dort sah die Wiese relativ gut aus, habe schon schlimmeres gesehen!! Halt überall Mül, deshalb: Mülltrennung sollte an jedem OA eingeführt werden! Auch wenn man im alkoholisierten Zustand nicht mehr wirklich für die Trennung garantieren kann, macht es den Tag über Sinn!

  • Heinz Kalbermatten am 27.06.2011 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    @el Höngg

    Sind doch schon lange keine richtigen Open-Air's mehr. Früher auf dem Gurten, mit Bierglas aus Glas und Zelten auf dem Musikareal - das waren noch Zeiten ;) Heute gibt's Dosenpfand und Nachtruhe - bald kommen wohl die Littering-Bussen und das Rauchverbot!

  • schlafbrauchendespartykind am 27.06.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    für antis

    es gibt auch leute die an ein festival gehen um die musik zu geniessen und nicht um sich zu besaufen und andere menschen zu belästigen. wem die neue zone nicht passt muss ja nicht hingehen, "laute" leute können sich ja weiterhin genau gleich amüsieren!! seit doch mal ein bisschen tolerant!

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