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24. März 2015 16:13; Akt: 24.03.2015 16:17 Print

Der Reporter mit dem Zeichenstift

von Christian Messikommer - Der «Tages-Anzeiger» wagte mit der Comic-Reportage von einem Ebola-Krankenhaus ein Experiment. Zeichner Felix Schaad ist in bester Gesellschaft.

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Felix Schaad im «Tages-Anzeiger» vom 24. März 2015: Comic-Reportage über den Besuch eines Ebola-Krankenhauses in Sierra Leone auf drei Seiten. «Maus» von Art Spiegelman. Im mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Comic verarbeitet der Autor die Erinnerungen seines Vaters an die Zeit des Nationalsozialismus. Spiegelman hat den Comic in zwei Teile unterteilt. Die Gesamtausgabe gibt es auch auf Deutsch beim Fischer-Verlag. Der Kanadier Guy Delisle ist zeichnender Reporter und Chronist. Seine Reisen haben ihn nach Jerusalem geführt, wo er ein Jahr lang lebte. Für ein Trickfilmprojekt war er längere Zeit in Nordkorea. Delisle will das Buch nicht als Reportage verstanden sehen, sondern als persönlichen Reisebericht. Es fokussiert darauf, wie die wenigen Ausländer in Nordkorea leben; mit der einheimischen Bevölkerung hatte er wenig Kontakt. Auf Deutsch bei Reprodukt. «Waltz with Bashir» von Art Folman und David Polonsky basiert auf dem gleichnamigen Dokumentarfilm, der mit dem César und dem Golden Globe ausgezeichnet worden ist. «Waltz with Bashir» ist eine Reise in die Jugendkultur der 80er Jahre und das West Beirut während des ersten Libanonkrieges. Auf Deutsch im Atrium Verlag. Marjane Satrapi ist 1969 im Iran geborenen und lebt heute in Paris. Der Name ihrer früheren Heimatstadt ist auch der Titel ihres Buches. Sie schildert, wie sie als Kind die Islamische Revolution im Iran miterlebt. Die kindlich-naiv anmutende Bildsprache kontrastiert stark zu den geschilderten zum Teil grauenhaften Erlebnissen. Der Animationsfilm gewann den europäischen Filmpreis und den César und war für den Oscar und den Golden Globe nominiert. Deutsch bei Edition Moderne Einer der ganz grossen Comic-Reporter ist der Amerikaner Joe Sacco. Von seinen Reisen in Krisengebiete verarbeitet er selbst Erlebtes und ergänzt die Lücken mit illustrierter Geschichte. Im 1996 erschienen Werk «Palästina» schildert er den Alltag der muslimischen Bevölkerung in Israel. 2011 reiste er nochmals in die Region, daraus resultierte das Werk «Gaza». Auf Deutsch bei Edition Moderne. Der Nachfolger von «Palästina». 2001 stiess Sacco in einem UNO-Archiv auf ein Dokument, das zwei Massaker der israelischen Armee an der palästinensischen Zivilbevölkerung 1956 während der Suez-Krise erwähnte. Sacco interviewte für «Gaza» Augenzeugen von damals und schildert auch die Lebensbedingungen in Gaza heute. Deutsch bei Edition Moderne. «Bosnien» ist der gefeierte Erstling des Amerikaners mit maltesischen Wurzeln. Bei seiner Ankunft hatten die Einwohner Gorazdes schon 3½ Jahre Krieg hinter sich. Die Bewohner der bosnischen Enklave wurden bombardiert, waren praktisch ausgehungert und kämpften von Haus zu Haus, um ihre Familien zu verteidigen. Deutsch bei Edition Moderne. Joe Sacco dokumentiert verschiedene Reisen im Band «Reportagen». Das Buch enthält Comic-Reportagen, die für verschiedene Zeitungen und Magazine wie «Time», «The Guardian» und «Boston Globe» entstanden sind. Heute arbeitet Joe Sacco im Krisengebiet vor seiner Haustür: Der nächste Band wird die Armut in den USA zum Thema haben. Seine Werke sind auf Deutsch bei der Edition Moderne in Zürich erhältlich. Die herausragende, autobiografische Grafic Novel erzählt die Epoche des kommunistischen Chinas von der Machtergreifung Mao Tse Tungs bis zur Gegenwart. Der erste Band schildert das Leben des jungen Xiao Li von seiner Kindheit in den Fünfzigerjahren bis zum Tod Maos am 9. September 1976. Deutsch bei Edition Moderne. «Showa» von Shigeru Mizuki basiert auf der «Kamishibai Story of the Showa Era» von Kji Kata und dokumentiert die jüngere japanische Geschichte anhand einer Familie. Die Showa-Ära, auch die «Ära des erleuchteten Friedens», bezeichnet die Regierungszeit des Tenno Hirohito, des dritten Kaisers der modernen Periode, vom 25. Dezember 1926 bis zum 7. Januar 1989. In diese Ära fällt auch der zweite Weltkrieg und die Niederlage gegen die allierten Streitkräfte. Nur auf Englisch oder Japanisch erhältlich. «Aya» von Marguerite Abouet erlaubt einen Blick auf Afrika abseits von Krieg, Hunger und Aids. Die junge Aya studiert Medizin. Dies entgegen dem Wunsch ihres Vaters, eines eifrigen Verfechters tradierter Geschlechterrollen. Der afrikanische Alltag ist auch so schwierig genug. Aufdringliche Männer, chaotische Freundinnen und innerfamiliäre Probleme machen das Leben nicht einfach. Zwei Bände schliessen die Geschichte ab. Auf Deutsch bei Reprodukt.

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Am 24. März 2014 zeigte der «Tages-Anzeiger»* auf drei Seiten eine Reportage in Comic-Form. Der Hauszeichner Felix Schaad hat ein Ebola-Krankenhaus in Sierra Leone besucht. Mit seiner Comic-Reportage ist er dabei in bester Gesellschaft.

Als Begründer und Genie des Genres gilt der Malta-Amerikaner Joe Sacco. Seine mehrere hundert Seiten starken Reportagen aus Krisengebieten sind vielfach ausgezeichnet. Sein erstes Werk «Palästina» erschien 1991. Weitere Reisen führten ihn nach Bosnien, Jerusalem, Myanmar und Gaza. Die nächste Comic-Reportage wird die Armut in den USA zum Thema haben.

Joe Saccos Beispiel folgten viele. Die meisten bedienen sich der persönlichen Erzählform, die von illustrierten historischen Ergänzungen gespickt ist. Art Spiegelman hat diese Form begründet und mit seinem Werk «Maus» den Pulitzer-Preis gewonnen. In der Bildstrecke finden Sie weitere Werke von Autoren, die eigene Erlebnisse als Comic-Reportagen veröffentlicht haben.

* Der «Tages-Anzeiger» gehört wie 20 Minuten zur Tamedia AG.

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