Natürlich und aufbauend

22. Juni 2015 06:33; Akt: 22.06.2015 06:44 Print

Fitnessfreaks schwören auf Muttermilch

Sie soll den Muskelaufbau fördern und gut für die Regeneration sein: die Milch aus Frauenbrüsten. Experten zweifeln an der Wirkung und warnen vor Krankheiten.

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Sportler bestellen Muttermilch im Internet, weil sie gut für die Regeneration und den Muskelaufbau sein soll (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Es ist ein Trend, der vor allem in den USA boomt: Statt Eiweiß-Drinks oder Anabolika zu sich zu nehmen, trinken Bodybuilder oder Fitness-Fanatiker nun Muttermilch. Dahinter steckt die Idee, dass jene Milch, die unsere Säuglinge gesund hält und so schnell wachsen lässt, auch ausschließlich positive Auswirkungen auf die Körper gestandener Männern haben muss. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Trend zu möglichst natürlicher Ernährung hat Muttermilch an Bedeutung gewonnen.

In den USA gibt es Plattformen, auf denen Muttermilch-Verkäuferinnen und männliche Abnehmer miteinander in Kontakt treten können. Die größte ist onlythebreast.com, auf der unzählige Männer Anbieterinnen von Muttermilch suchen und viele Frauen ihre Überschüsse verkaufen. Die meisten kommen aus den USA, aber es gibt auch Anbieter und Anfragen aus Europa.

«Magisches Elixier» und «Geschenk Gottes»

Auf Sportlerforen schwärmen Männer von den Vorteilen der Milch «direkt von der Brust». Insbesondere die erste Milch nach der Geburt, das sogenannte Kolostrum, solle unzählige positive Effekte haben, heißt es im Austausch. Es solle aufgepeppt mit Proteinen und Kreatinen das Muskelwachstum fördern, deren Erholung verbessern und Muskelkater verringern. Radfahrer sollen damit ihre Höchstleistungen steigern und besser sprinten können.

Andere schwärmen vom «magischen Elixier», das absolut natürlich und die perfekte Nahrungszugabe für Sportler sei. «Es gibt mir unglaublich viel Energie, die mir kein anderes Getränk geben kann», schreibt etwa Anthony aus New York in einem Sportlerforum. Er könne mit Steroiden und anderen Supplementen nichts anfangen. Aber Muttermilch sei ein Geschenk Gottes und wenn es Frauen gebe, die zu viel davon hätten, nehme er es gern an.

Keine optimale Zusammensetzung

Ernährungsberaterin Katharina Fodor ist nicht überrascht, dass Kraftsportler Muttermilch trinken wollen. «Sie sind auf der Suche nach der natürlichsten Quelle von wertvollen Nährstoffen, zurück zur Natur ist im Trend.» Weil Babys mit Muttermilch so schnell wachsen, glauben Sportler wohl, dass es auch für sie nur das Beste sein kann.

Schaue man die Inhaltsstoffe der Muttermilch an, so enthalte diese zwar Wachstumshormone. «Diese sind aber nicht in erster Linie für den Muskelaufbau bestimmt, sondern für die Vermehrung der Körperzellen und die optimale Entwicklung des Säuglings.» Auch sonst sei die Zusammensetzung von Muttermilch nicht unbedingt ideal für Bodybuilder. «Diese suchen Nahrungsmittel mit viel Eiweiß. Muttermilch enthält aber weniger Eiweiß und mehr Kohlenhydrate als Kuhmilch.»

Muttermilch kann gefährliche Erreger enthalten

Positiv für die Sportler seien wohl die in der Milch enthaltenen entzündungshemmenden, verdauungsfördernden und die Abwehr stärkenden Stoffe. Bei einem Säugling hätten diese Stoffe sicher ihre Wirkung. «Ein erwachsener Mann müsste aber Muttermilch in sehr großen Mengen trinken, um die gewünschte Wirkung zu erzielen», glaubt Fodor.

Sie warnt zudem vor den negativen Auswirkungen. «Muttermilch wird über den Blutkreislauf der Mutter erzeugt und kann darum auch Nikotinbestandteile oder Medikamente und auch Erreger wie jene von Hepatitis C oder HIV enthalten.» Zudem hänge die Qualität der Milch von der Ernährung der Mutter ab. «Es gibt darum Muttermilch, die sogar für den Säugling zu wenig Substanz hat.»


Haben Sie selbst schon Muttermilch getrunken, um Ihre sportliche Leistung zu verbessern? Melden Sie sich unter: isabell.prophet@20minuten.ch

(ann)

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