«Locationgate»

26. April 2011 12:46; Akt: 26.04.2011 14:46 Print

Google beschwichtigt, Apple schweigt

Wegen der Tracking-Funktion des iPhones steht Apple massiv in der Kritik. Doch das Unternehmen nimmt offiziell nicht Stellung. Alles, was es gibt, ist ein wirres Mail des krankgeschriebenen Chefs.

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Das Unternehmen Apple schweigt, und mit ihm sein interimistischer Chef, Tim Cook. (Bildmontage 20 Minuten Online, Bilder: Colourbox.com/Keystone)

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Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zieht «Locationgate» weitere Kreise und der Druck auf Apple wächst. Noch immer hat der US-Konzern keine offizielle Erklärung abgegeben, was es mit der fortlaufenden und dauerhaften Speicherung von Geodaten durch das iPhone und das iPad mit 3G-Funktion auf sich hat.

Laut Bloomberg drohen Apple nun gravierende rechtliche Konsequenzen. Anscheinend haben ein iPhone-User aus Florida und ein iPad-Besitzer aus New York eine Sammelklage eingereicht. Die Kläger verlangen von dem zuständigen Bundesgericht in Tampa, Florida, Apple solle das Sammeln solcher Daten verboten werden. Der Anwalt der Kläger sagte, seine Mandanten wollten nicht einfach akzeptieren, dass Apple seine Nutzer «quasi überall verfolge».

Google hat in einer Presseerklärung bestätigt, dass in Android-Geräten Standortdaten des Telefons gespeichert werden. Diese Informationen seien dem System aber erst nach expliziter Genehmigung durch den Anwender zugänglich - zudem lasse sich die Funktion abschalten. Von Apple gibt es weiterhin keinen offiziellen Kommentar. Mehrere von 20 Minuten Online eingereichte Medienanfragen blieben bislang ebenfalls unbeantwortet - die PR-Abteilung scheint auf Tauchstation. Laut einem Bericht des Blogs «MacRumors» soll sich dafür Steve Jobs zur Angelegenheit geäussert haben. Der krankgeschriebene Apple-Chef habe auf ein provozierendes Mail eines iPhone-Besitzers geantwortet, der angeblich zur Android-Plattform wechseln wollte.

Kurz angebunden

Dabei war der Apple-Chef - wie bei früheren Antworten auf Kunden-Mails - sehr kurz angebunden. Die zurzeit zirkulierende Information, dass Apple die iPhone-Besitzer «tracke», also ihren genauen Aufenthaltsort bestimme, sei falsch. Gleichzeitig widersprach Jobs der Behauptung des besorgten Kunden, dass Android die Smartphone-Nutzer nicht «tracke». Ob das Mail tatsächlich vom Apple-Chef geschrieben wurde, steht nicht mit letzter Gewissheit fest. Durch seinen wirren Inhalt dürfte es kaum zur Klärung der Angelegenheit beitragen.

Noch immer sind viele Fragen offen, wie die zahlreichen öffentlichen Reaktionen rund um den Globus zeigen. Auch der oberste Datenschützer der Schweiz, Hanspeter Thür, prüft dem Vernehmen nach weitere Schritte. Es sei momentan noch zu früh, über das weitere Vorgehen zu informieren, liess er gegenüber 20 Minuten Online verlauten. Zumal sich die Sachlage im Vergleich zum Fall Google Street View anders präsentiere. Die Schweiz werde sich auch mit anderen Datenschutzbehörden über das weitere Vorgehen absprechen, heisst es.

US-Politiker machen Druck

Die Justizministerin des US-Staats Illinois, Lisa Madigan, und der demokratische Senator Al Franken aus Minnesota haben Apple und Google aufgefordert, Informationen über die Ortsdaten zu liefern, die von Mobiltelefonen aufgezeichnet werden. Die Anfragen der US-Politiker erfolgten am Montag unabhängig voneinander, nachdem in der Vorwoche bekannt geworden war, dass iPhone- als auch Android-Geräte ohne Wissen der Benutzer automatische Aufzeichnungen über ihren jeweiligen Standort bei der Benutzung des Handys machen.

Die Systeme beider Hersteller bitten für bestimmte Anwendungen um die Zustimmung der Anwender, bevor sie Ortsdaten speichern. Allerdings zeigen die Berichte von Datenschutzexperten, dass die Geräte auch Standortdaten anlegen, wenn diese von laufenden Anwendungsprogrammen nicht angefordert werden.

Madigan verlangt nun ein Treffen mit beiden Firmen, die erklären sollen, welche Daten sie speichern und wie lange und wofür die Informationen verwendet werden. Franken will beide Unternehmen nach Minnesota kommen lassen und hat bereits eine Anhörung auf den 10. Mai terminiert. Auch der demokratische US-Abgeordnete Edward Markey aus Massachusetts hat einen Brief an Apple-Chef Steve Jobs geschickt, und um Aufklärung gebeten.

(dsc/ap)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Ark am 26.04.2011 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    die handy-frage

    jeder sollte prüfen wozu er überhaupt ein handy braucht und ob es nicht bessere alternativen gibt. zum beispiel weniger telefonieren, mit leuten von auge zu auge sprechen und weniger blablabla...

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  • Peschä am 26.04.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Google Streetview

    Im Vergleich dazu ist Google Streetview geradezu harmlos. Wenn sich der Schweizer Datenschützer über Streetview ärgern kann, dann sollte er jetzt schäumen vor Wut. Die digitale Überwachung der Bürger schreitet immer weiter voran. Dies birgt dann grosse Gefahren, wenn totalitäre Staaten, oder Kriminelle diese Daten missbrauchen. So könnte z.B. ein Einbrecher die Ortsangaben der Bewohner hacken, oder ein totalitärer Staat kann demokratische Bewegungen im Keim ersticken.

  • Sven Unternährer am 26.04.2011 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft!

    ich kann diese empörung nicht nachvollziehen... bestimmt jede/r zweite/r verfasser/in der untenstehenden kommentare besitzt bestimmt eine cumulus- oder supercard: wisst ihr eigentlich, dass die herausgeber dieser karten auswertungen machen, was ihr wann und in welcher filiale kauft, um euch danach u.a. zielgerichtete werbung zukommen zu lassen? da ist wohl das 'locationgate' ein tropfen auf dem heissen stein!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • maGic_mammut am 04.05.2011 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Ich verstehe nicht, wie man sich so darüber aufregen kann. Wenn ihr euch einmal das Programm herunter ladet, mit dem man dieses Bewegungsprofil ansehen kann, dann werdet ihr merken wie ungenau alles ist. Bei mir wurden sogar bewegungen in England angezeigt, obwohl ich noch nie in England war. Ausserdem posten viele Leute sowieso alle 5 Minuten ihre Position im FB. Also wieso all die Aufregung?

  • hholzer am 27.04.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Hilfe!

    Schlussendlich trägt jeder selbst die Verantwortung darüber. Grundsätzlich ist dieser 'Datenklau' nicht in Ordnung, doch man kann dem abhelfen: >> 'Einstellungen' >> 'Ortungsdienste' >> dann ganz oder nur gewisse Apps ausschalten. Zusätzlich kann man sich auf: abmelden (um KÜNFTIGE Ads nicht zu speichern). Auch die Back-ups kann man via iTunes mit einem Code sichern. Möglichkeiten sind vorhanden - nur werden sie (bewusst) nicht offen kommuniziert. Der Kunde ist dem nicht 'hilflos' ausgesetzt...

    • hholzer am 27.04.2011 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag nicht möglich

      leider können keine Links aufgeführt werden... sry

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  • Sym Sa am 27.04.2011 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Apple Fehler

    Wie immer will Apple Fehler nicht eingestehen, stattdessen werden Konkurrenten angeschwärzt. So war es auch schon bei Antennagate und so wird es wohl immer bleiben.

    • S.p.MillerJr. am 27.04.2011 20:03 Report Diesen Beitrag melden

      ?Antennagate?

      Sym! Die Reaktion Seitens Apple auf das Antennenproblem ist verständlich, schliesslich liegt der Fehler nicht bei Apple sondern bei dem Überlasteten Netz von AT&T. In der Schweiz gibt es meines Wissens keine solchen Probleme.

    • Sym Sa am 28.04.2011 07:43 Report Diesen Beitrag melden

      Überlastetes Netz

      Das mag wohl stimmen, allerdings haben in Amerika die Mobiltelefone anderer Hersteller keine Probleme mit dem "überlasteten" Netz von AT&T, bzw. ist mir nicht bekannt dass diese exzessiv die Verbindung verlieren. Worauf ich hinweisen wollte ist, anstelle einen Fehler einzugestehen und sich der Sache anzugehen macht es Apple folgendermassen: die machen das auch/bei denen ist das auch so

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  • r.aregger am 27.04.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    was ist nun genau euer problem?

    wenn ich all diese negativen kommentare lese verstehe ich die welt nicht mehr. hier wird viel lärm um nichts gemacht. erstens steht in den nutzungsbedingungen von apple geschrieben, dass diese daten gesichert werden. die daten werden auf dem mac/pc gesichert. bisher gibt es aber keine anzeichen dafür, dass die daten an apple gesendet werden. zudem wird nur die mobilfunk-antennen position gespeichert. zudem zeichnen sämtliche mobilfunkprovider auch solche daten auf. den meisten hier geht es offensichtlich nur um "apple bashing". dies wird hier auf 20min jeweils besonders stark zelebriert.

  • Michi am 27.04.2011 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    ...ist offizieller bestandteil von iOS 4

    20 Minuten und alle anderen Medien machen aus der Sache eine riieeesen Geschichte. "Using Core Location in iOS" wurde an der WWDC 2010 mit iOS 4 vorgestellt. Die Daten der Antennen dienen zum schnelleren Wechsel zwischen den einzellnen Funkzellen.

    • A. Kipfer am 27.04.2011 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Wozu?

      Sorry aber das finde ich jetzt etwas verharmlosend. Erstens bräuchte man dazu sicherlich nicht alle standortdaten des letzten jahres und zweitens braucht man sie dazu überhaupt nicht. Könnte mich nicht erinnern, dass mein altes Nokia 3310 jemals ein problem hat die Funkzellen zu wechseln. Das hat immer gut geklappt, ohne eine einzige gespeicherte Geolocation. Här doch mal auf Apple zu verteidigen, nur weil es Apple ist. Ich habe ein Android Handy und bin ja vieleicht auch etwas ein Fanboy, aber die Tatsache, dass mein Handy meinen Standort speichert stört mich extrem.

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