App Store

29. März 2011 06:25; Akt: 29.03.2011 08:26 Print

Handy-Strahlen - bei Apple kein Thema

Dank Tawkon soll sich die elektromagnetische Strahlung beim Telefonieren in Grenzen halten. Doch Apple hat der App die Zulassung verweigert: «Kein Interesse.»

Tawkon hat auch für Android-Smartphones eine App entwickelt, um die Mobilfunk-Strahlung anzuzeigen. In diesem Video zeigt eine Tawkon-Mitarbeiterin, wie das Ganze funktioniert. (Quelle: youtube.com/tawkon)
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Wer mit dem iPhone telefoniert, sollte das Gerät mindestens 15 Millimeter von Körper und Kopf entfernt halten. So zumindest steht es im offiziellen iPhone-3G-Manual von Apple nachzulesen. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, um die elektromagnetische Strahlung beim Telefonieren möglichst gering zu halten. Auf dieser Erkenntnis basiert die Software der israelischen IT-Firma Tawkon. Die gleichnamige App zeigt dem Smartphone-User an, was er tun kann, um sich nicht übermässiger Strahlung auszusetzen (siehe Box). Dumm nur, dass die iPhone-App nicht über den offiziellen Vertriebskanal heruntergeladen werden kann. Denn Apple hat die Zulassung zum App Store endgültig verweigert.

Im firmeneigenen Blog zeigen sich die israelischen Programmierer nicht nur über die Zurückweisung verwundert, sondern auch über die Art und Weise. «Wir haben es durch die Vordertür versucht via Apples App Store», heisst es enttäuscht. Doch der Apple-Chef Steve Jobs persönlich habe diese Tür zugeschlagen - begründet mit einem mageren Zwei-Wort-Mail: «Kein Interesse», hiess es. Als Beweis wird ein Screenshot des kurzangebundenen Absage-Mails auf der Tawkon-Website aufgeführt.

Umstrittenes Prozedere

Um für den App Store zugelassen zu werden, muss jede App einen strengen Prüfungsprozess durchlaufen. Seit der Lancierung der Software-Plattform 2008 stand Apple wegen mangelnder Transparenz immer wieder in der Kritik. Für viele Entwickler ist es ein langwieriger Weg, bis ihre Apps endlich zugelassen werden.

Auch wenn Apple auf die Proteste reagiert hat und den registrierten Entwicklern inzwischen die Zulassungsbestimmungen offenlegt: Immer wieder muten Zulassungs-Entscheide willkürlich an oder lassen objektiv nachvollziehbare Kriterien vermissen. Jüngstes Beispiel ist die Anti-Gay-App einer religiösen Gruppierung, die sich mit der «Heilung von Homosexualität» befasste (20 Minuten Online berichtete). Die App wurde trotz fragwürdigem Inhalt zugelassen. Erst nach öffentlichen Protesten lenkte Apple ein und entfernte die App wieder. Bei programmiertechnischen Bedingungen ist Apple hingegen gnadenlos.

Durchs Hintertürchen

Bei der Tawkon-App hätte es eine Ausnahmebewilligung von Apple gebraucht, weil das Programm eine Software-Funktion nützt, die gemäss den Zulassungsbedingungen nicht verwendet werden darf. Die App misst fortlaufend die Strahlung, die das Gerät absondert und gibt notfalls Tipps, wie man die Strahlung verringern oder sich selber besser schützen kann. Trotz «sehr konstruktiver Dialoge» mit hochrangigen Apple-Vertretern, die sich zunächst positiv geäussert hatten, gab es schliesslich kein Pardon.

Weil Tawkon der Zutritt zum App Store verweigert wurde, blieb nur noch der Weg über die Hintertür. Seit vergangenem Mittwoch steht die App nun trotzdem für Apples mobiles Betriebssystem iOS zur Verfügung. Allerdings kann die App nur von iPhone-Besitzern genutzt werden, die zuvor auf ihrem Gerät einen Jailbreak durchgeführt haben. Allen anderen - sprich der Mehrzahl der iPhone-Nutzer - bleibt die Möglichkeit verwehrt, die Mobilfunk-Strahlung ihres Geräts zu kontrollieren und wenn nötig darauf zu reagieren.

Für Android und Blackberry

Anderen Smartphone-Nutzern steht die Tawkon-App seit längerem uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung. So zum Beispiel der am schnellsten wachsenden Plattform, Android. Die am 3. März zuletzt aktualisierte App kann bequem über den Android Market heruntergeladen werden. Und auch für Blackberry-Nutzer gibt es die App kostenlos im Internet, allerdings ebenfalls mit Werbe-Einblendungen.

«Antennagate» lässt grüssen

Die Tawkon-App hat bereits vor über einem Jahr Marktreife erlangt. Zunächst hatte Apple die Strahlenmessungs-App sogar für den App Store zugelassen, dann jedoch wieder daraus entfernt. Komische Begründung: Die User würden durch die App verwirrt, hiess es.

Mitte letztes Jahr schaffte es Tawkon erneut in die Medien. In Zusammenhang mit Apples «Antennagate» tauchten Videos im Internet auf. Dank der Tawkon-App wurde der sogenannte «Death Grip» demonstriert. So konnte gezeigt werden, wie das Halten des Smartphones das Strahlungsniveau beeinflusst. Wenn das Gerät mit der ganzen Faust umschlossen wurde, nahmen der Energieaufwand und die Strahlung zu.

(dsc)