Gizmodo

27. April 2010 13:25; Akt: 06.05.2010 11:38 Print

Cops stürmen Haus von iPhone-Blogger

Die Posse um den vermeintlichen iPhone-Prototypen geht in die nächste Runde. Jetzt wurde das Haus des Gizmodo-Bloggers Jason Chen von einer Spezialeinheit durchsucht.

So präsentierte Jason Chen auf gizmodo.com den vermeintlichen iPhone-Prototypen.
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Wie 20 Minuten Online berichtete, zieht die Aufregung um den verloren gegangenen iPhone-Prototypen auch juristische Konsequenzen nach sich. Offenbar haben Beamte einer Spezialeinheit für Computerkriminalität nun damit begonnen, die Ermittlungen aufzunehmen. In deren Fokus ist Jason Chen gerückt. Er hatte auf dem renommierten US-Blog Gizmodo exklusiv über das iPhone der vierten Generation berichtet. Die Tech-Blogger wollen es für 5000 US-Dollar jemandem abgekauft haben, der das Gerät in einer Bar gefunden haben soll. Wie 20 Minuten Online berichtete, soll der Apple-Mitarbeiter Gray Powell das Gerät dort liegen gelassen haben.

Cops haben inzwischen das Haus des Bloggers auf den Kopf gestellt, berichtet Gizmodo. Der Vorwurf dürfte auf Hehlerei lauten. «Meine Frau und ich kamen nach einem Dinner so gegen 21.45 Uhr nach Hause. Ich bemerkte, dass unser Garagentor halb offen stand. Als ich es öffnen wollte, traten Polizisten heraus und erklärten mir, dass sie einen Hausdurchsuchungsbefehl dabei hätten. Ich musste meine Hände über den Kopf halten, damit sie mich nach Waffen und scharfen Gegenständen abtasten konnten», schildert Chen den Vorfall.

Laptops, Handy und PCs beschlagnahmt

Offenbar waren die Cops schon mehrere Stunden im Haus zugange. Weil niemand zu Hause war, hatten sie kurzerhand die Eingangstüre aufgebrochen. Chen und seine Frau mussten noch eine weitere halbe Stunde vor der Tür warten, bis der Spuk wieder vorbei war. Zuletzt händigte einer der Cops ihnen eine Liste mit insgesamt 22 beschlagnahmten Objekten aus. Darunter befinden sich Laptops und Desktop-PCs, ein iPod, ein iPad, Handys und mehrere Festplatten. Zudem teilten sie Chen mit, dass die einzelnen Räume vor und nach der Durchsuchung abfotografiert wurden, damit sie bei Schwierigkeiten den Beweis liefern können, dass durch ihre Arbeit kein Sachschaden entstanden ist. Nur die Tür, die werde natürlich ersetzt.

Sind Blogger Journalisten?

Nachdem über die Hausdurchsuchung berichtet wurde, ist in der Blogosphäre eine Diskussion darüber entbrannt, ob ein Blogger nicht auch als Journalist gelte. Denn «weder das US-Bundesrecht noch das Recht des Staates Kalifornien erlauben es, einen Durchsuchungsbefehl auszustellen, mit dem das Eigentum eines Journalisten konfisziert werden dürfe», schreibt der COO von Gawker Media in einem öffentlichen Brief. Nick Denton, Gründer und Chef von Gawker Media, gibt gegenüber der «New York Times» an, dass sie genau diese Frage nun klären wollen. Im Artikel ist des Weiteren zu lesen, dass man sich mit dem Kauf eines gefundenen Geräts strafbar machen kann. Gizmodo gab den iPhone-Prototypen erst an Apple zurück, als sie schon ausführlich darüber berichtet hatten.

Dass Apple sehr strikt ist, wenn es um die Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen geht, ist allseits bekannt. Selbst für Apple-Mitgründer Steve Wozniak sind die getroffenen Massnahmen nicht über alle Zweifel erhoben. Er schilderte Gizmodo den Fall eines Apple-Mitarbeiters, der ihm während des iPad-Launches unerlaubterweise während zwei Minuten ein iPad gezeigt hatte und zu seinem Erstaunen deshalb gefeuert wurde. Selbst Steve Jobs habe das keine grosse Sache gefunden. Erstaunlicherweise hat Gray Powell, der vermeintliche Verlierer des iPhone-Prototypen, seinen Job bei Apple immer noch inne.

Für den 22. Juni ist einmal mehr das Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco reserviert worden. Darin wurden in der Vergangenheit schon mehrmals neue Produkte vorgestellt. Höchstwahrscheinlich kommt dieses Mal das iPhone der vierten Generation zum Zug. Spätestens dann wird sich zeigen, was es mit dem angeblichen Prototypen auf sich hat.

Update (28.4.2010): Wie die Staatsanwaltschaft von San Mateo County in einem Telefoninterview mit dem IT-Newsportal cnet.com sagte, konnte der Finder des iPhones inzwischen eruiert und vernommen werden. Es sei nicht klar, ob es sich dabei auch um die Person handle, der den vermeintlichen Prototypen an Gizmodo verkauft hatte. Angaben zur Person wurden keine gemacht. Die Blogger von Wired wollen erfahren haben, dass der Finder versucht habe, das iPhone direkt an Apple zurückzugeben, dort aber nicht ernst genommen wurde. Er habe sich nur mit Gizmodo in Kontakt gesetzt, um die Echtheit seines Fundes bestätigen zu lassen.

(mbu)