Was bringt Thunderbolt?

25. Februar 2011 16:00; Akt: 25.02.2011 16:19 Print

Kein «USB-Killer»

Intels neue Computer-Schnittstelle bricht Rekorde und wirft Fragen auf. 20 Minuten Online hat die wichtigsten Antworten zusammengestellt.

storybild

Aus «Light Peak» wurde «Thunderbolt»: Intels Highsped-Schnittstelle setzt neue Massstäbe, doch die PC-Firmen hinken Apple hinterher. (Foto: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Apple verwendet in seiner am Donnerstag vorgestellten neuen «MacBook Pro»-Serie als erster Hersteller Intels Thunderbolt. Tatsächlich setzt die Schnittstelle mit Bandbreiten von 10 Gigabit pro Sekunde neue Massstäbe bei der Datenübertragung. Die neue Technik ist doppelt so schnell wie USB 3.0 und zwölfmal schneller als Firewire 800. Die Zeit sei reif für den neuen Standard, da hochauflösendes Video immer beliebter werde, heisst es bei Intel. Thunderbolt könne die Übertragung eines vollen 1080p-Films in weniger als 30 Sekunden erledigen.

Wann ist es erhältlich?

Apple ist mit seiner gestern präsentierten Notebook-Serie der erste grosse Hersteller, der auf Thunderbolt setzt. Direkt nutzen können selbst MacBook-Pro-Käufer die Schnittstelle allerdings noch nicht, fehlt es doch zurzeit an Peripheriegeräten.

Gibt es das auch für den PC?

Apple dürfte mehrere Monate Vorlauf gegenüber der Konkurrenz haben, bevor andere Computer-Hersteller auch auf den Thunderbolt-Zug aufspringen. Laut Schätzungen von Intel dürfte es sogar noch länger dauern, wenn die Produktionszyklen für neue Hardware berücksichtigt werden. PC-Firmen erhalten das für die Entwicklung erforderliche Kit erst im Frühjahr, wie electronista.com berichtet.

Wann gibt es Zubehör?

In näherer Zukunft dürften die ersten «Thunderbolt ready»-Geräte auf den Markt kommen. Einige Partner konnte Intel bereits an Bord holen, darunter LaCie, das im Sommer ein auf Thunderbolt basierendes Speichersystem «Little Big Disk» präsentieren will. Zusagen soll es auch von Western Digital und Sony geben. Weitere Unternehmen, von denen in den nächsten Monaten Thunderbolt-kompatible Hardware kommen soll, sind Aja, Apogee, Avid und Blackmagic, wie golem.de berichtet.

Ersetzt es USB?

Thunderbolt soll USB nicht ersetzen, wie Intel betont. Denn: Maus und Tastatur brauchen keinen derart schnellen Anschluss. Vielmehr soll Thunderbolt den allgemein etablierten USB-Standard ergänzen. Entsprechend verwenden auch die neuen Mac-Notebooks Thunderbolt nicht als einzige Schnittstelle, sondern parallel zu USB 2.0, Firewire 800 und Gigabit-Ethernet. Richtungsweisend könnte Apple damit allemal sein - hatte das Unternehmen doch auch bei USB eine Vorreiterrolle.

Wer braucht es?

Intels Schnittstelle dürfte vorerst vor allem Profi-Anwender locken. Anders als bei USB erlaubt Thunderbolt, bis zu sechs Geräte hintereinander an die gleiche Buchse anzuschliessen, wobei mit Adapter auch Geräte ohne Thunderbolt-Anschluss kompatibel sind. DisplayPort- als auch PCI-Express-Signale laufen über ein einziges Kabel und auch Buchsen und Anschlüsse gleichen jenem des DisplayPorts, sind allerdings mit einem Blitzsymbol versehen. Die Kabel sind laut Intel äusserst robust und können theoretisch bis zu 100 Meter lang sein.

Funktioniert es mit Licht?

Thunderbolt wurde zwar als optische Technologie entwickelt - unter dem Codenamen «Light Peak». Doch die erste Version verwendet ein herkömmliches Drei-Meter-Kupferkabel. Das bringt den Vorteil, dass angeschlossene Geräte ähnlich wie bei USB mit einer 10-Watt-Leistung versorgt werden können. Langfristig führe am Licht kein Weg vorbei, heisst es bei Intel. Seien doch mit mehreren Lasern 50 Gigabit pro Sekunde und mehr erreichbar. Derzeit stelle es für Hersteller allerdings noch eine Hürde dar, auf rein optische Datenübertragung zu setzen.

Kann es bei bisherigen Geräten verwendet werden?

Wer einen PC hat, sollte dereinst das Motherboard ausbauen können und durch ein neues, Thunderbolt-fähiges ersetzen. Ob eine Erweiterung über die PCI Express Slots möglich sein wird, will Intel noch nicht verraten. Bei Laptops wäre es durch die ExpressCard-Technologie denkbar, auch hierzu schweigt bislang Intel, wie cnet.com berichtet.

Wie viel wird es kosten?

Zu den Preisen hat Intel noch nichts verlauten lassen. Sie dürften aber angesichts der Entwicklungskosten relativ hoch sein, sicher teurer als USB, wie die New York Times schreibt. Weil Thunderbolt eine patentrechtlich geschützte Schnittstelle ist, dürfen die Kabel nicht einfach von anderen Firmen nachgebaut werden.


(Technische Angaben sowie Statements von Intel sind einer Pressemitteilung vom 25. Februar entnommen worden)

(dsc)