Apples neuer Online-Service

03. Juni 2011 18:18; Akt: 03.06.2011 19:13 Print

Raubkopierer fallen aus allen iWolken

von Daniel Schurter - Mit iTunes hat er den Musikmarkt revolutioniert. Jetzt will uns Steve Jobs einen Platz in der iCloud verkaufen. Kommt das gut?

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Und so sieht Apples Wolke von oben aus: Das Satellitenbild aus Google Earth zeigt das neue «Data Super Center» in North Carolina, wo die iCloud-Server laufen.

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Die Wetterprognose für Montag ist klar: «Heiter bis wolkig», sagen Apple-Fans rund um den Globus voraus. Um 19 Uhr Schweizer Zeit wird Steve Jobs in Kalifornien die Bühne betreten. Zwei neue Betriebssysteme wird der Apple-Chef laut offizieller Ankündigung vorstellen. Doch die gewichtigste Neuerung betrifft iCloud.

Es ist schon sehr viel geschrieben worden über Apples «Schritt in die Wolke». Dieser Schritt erfolgt spät, auf jeden Fall nach der Konkurrenz. Dafür sind nun die Deals mit den vier grossen Musik-Labels unter Dach und Fach. Nach Warner Music, EMI Music und Sony Music ist auch Universal Music an Bord, wie «CNet» berichtet.

Bei den Cloud-Diensten von Amazon und Google muss die auf dem eigenen Computer gespeicherte Musik auf die virtuelle Festplatte im Internet hochgeladen werden. Dieser je nach Grösse der Musiksammlung ziemlich aufwändige Schritt entfällt wohl bei iCloud. Dank der Verträge mit den Musik-Labels genügt es, die eigene iTunes-Bibliothek scannen zu lassen. Daraufhin werden alle gefundenen Titel automatisch in der Cloud gespiegelt.

Wermutstropfen zum Start

Die gespiegelten Songs werden in bester Qualität von den iCloud-Servern zur Verfügung gestellt. Das klingt gut. Doch vorerst können die Nutzer nur jene Musiktitel in der iWolke speichern, die sie im iTunes-Store rechtmässig erworben haben. Alle anderen MP3-Songs, die nicht über Apple gekauft wurden, bleiben aussen vor. Das betrifft wohl auch Songs von Original-CDs. Ob iCloud dereinst auch kopierte Musikstücke aus unbekannten Quellen (Stichwort Filesharing) akzeptieren wird, ist offen.

Und es gibt noch einen weiteren Wermutstropfen: Das Musik-Streaming aus dem Internet beziehungsweise von den iCloud-Servern werde ab Montag noch nicht erhältlich sein, berichtet «CNet». Mit der Markteinführung sei aber «bald» zu rechnen.

Nur 25 Dollar pro Jahr?

Erst am Montagabend wird sich zeigen, welche Dienste Apple unter dem Begriff iCloud tatsächlich anbieten wird. Laut Gerüchten soll der Musikdienst durch weitere Streaming-Angebote ergänzt werden. Dies könnten Filme, TV-Serien und andere Inhalte aus dem Online-Laden iTunes sein.

Schliesslich darf man auch auf die Weiterentwicklung von «MobileMe» beziehungsweise die Integration in den iCloud-Service gespannt sein. Denn eigentlich stellt Apple seinen Kunden ja schon heute eine virtuelle Festplatte zur Verfügung - gegen eine Jahresgebür von 99 US-Dollar.

iCloud soll deutlich günstiger werden. Während einer zeitlich begrenzten Anfangsphase werde Apple den neuen Dienst kostenlos anbieten. Dies berichtet die «Los Angeles Times». Später werde eine Abonnementsgebühr von 25 US-Dollar pro Jahr berechnet - ein Kampfpreis.

Das Super-Datenzentrum

Apple hat in den vergangenen Monaten im US-Bundesstaat North Carolina ein gewaltiges Rechenzentrum gebaut. Satellitenbilder in Google Earth und Bing zeigen das «Super Data Center» von oben. Der Gebäudekomplex ist glänzend weiss - das passt hervorragend zur iCloud.

Schliesslich sollte man ob all der Gerüchte und Spekulationen nicht vergessen, dass Apple immer wieder für eine Überraschung gut ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass Steve Jobs einen weiteren unerwarteten Trumpf präsentiert. Der Kampf der IT-Giganten um die lukrativen Wolken-Anteile wird am Montag so richtig lanciert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Flütsch am 04.06.2011 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel - Vorinformation

    So wie das Apple will, brauche ich nicht. Ich habe fast alle CD's auf den imac eingelesen und ein Backup auf eine externen HD gespiegelt. Da will uns dieser Herr Jobs wohl wieder was verkaufen, was niemand wirklich braucht.

  • Peter Klaus am 04.06.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    das gibts auch gratis

    Bei roxxmail.ch bekomme ich 1 GB gratis und 20 GB für 30.-fr jährlich.

  • Underground Music Lover am 04.06.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    "Nur" vier Labels!

    Warner Music, EMI Music, Sony Music und Universal Music!!! Die meiste Musik die mir gefällt kommt nicht von diesen Kommerzlabel. Was ist mit der Independent Musik?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Timo am 10.06.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Und wie greife ich dann auf die Cloud zu? Etwa über den Traffic meines Handy-Abo's? Und jetzt soll ich noch bezahlen für Files die soweiso nur ein einziges mal gespeichert werden (und nicht für jeden User einzeln)? Da nehm ich lieber die Gratis Dropbox und lade jedes beliebige File hoch.

  • Räto Camenisch am 07.06.2011 00:43 Report Diesen Beitrag melden

    unnötig

    Auf die 32GB microSD Karte meines Smartphones kann ich bis zu 10'000 Songs speichern, das sollte reichen.

  • Leo Kuhn am 06.06.2011 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schlaumeier

    Ist ja schon lustig .... noch ist gar nicht klar was und zu welche Preis kommt... und schon wissen jede Menge Schlaumeier dass es unbrauchbar sei... wen interessierts ob ihr's braucht oder nicht.... klar gibs auch gratis dinger... und dann das grosse heule wenn der gratis Service dann eigestellt wird.

    • Ronny Flury am 07.06.2011 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ich Schlaumeier...

      vergleiche jetzt mal icloud mit einem Steamaccount. Kenne so Schlaumeier die Ihre Spiele dort haben. Problem (oft)... nix Internet... nix spielen. Server überlastet... nix spielen. Icloud überlastet... nix Musik, Filme, Bücher etc. Aber hey, jedem das seine wenn er/sie sich zum Sklaven macht.

    • M.Müller am 08.06.2011 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      Steam

      Was denn?? ich besitze 46(!) Spiele bei Steam und hatte noch NIE probleme. Mir egal was andere über Steam sagen. Ich finds einfach nur praktisch. Ausserdem wenn du kein Internet hast, oder dauernt probleme mit dem Netz ist klar das Steam nicht funktioniert.

    • Alex Steiner am 08.06.2011 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      falsch

      Bei der iCloud trifft es zu - aber bei Steam lädt man seine Spiele immer noch runter. Onlive.com wäre das was du meinst.

    • Fritz Box am 11.06.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      piraten

      wenn du keine ICloud hast, hast du keine iCloud..

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  • Camille Katze am 05.06.2011 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal jemand eine Energiebilanz?

    Vielleicht ist die sogar positiv, wenn man bedenkt, was für eine CD an Herstellungsaufwand und Transport anfällt. Einberechnen müsste man aber auch die kulturelle Seite. Was aus der iCloud fällt, ist weg. Gibt es nicht mehr. Ein einziges Mass-Media-Brain wird zum grossen Welt-Dieter-Bohlen, der sagt, was Musik ist und was nicht. Bei Pop-Schmacht mag das noch angehen. Was, wenn wir so auch unsere Bücher zentralisieren? Ein Knopfdruck und die Welt ist geistig gestreamlined. Ich bleib bei meinen CDs und Büchern. Irgendwann reissen mir Sammler den Kram aus der Hand.

  • Fansian Heiser am 04.06.2011 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    schon genug wolken

    völlig uninteressant solange die provider mobile-daten nicht zu einer flattrate anbieten.

    • räto simon camenisch am 07.06.2011 07:10 Report Diesen Beitrag melden

      Wolkenlos...

      Richtig, und auf die meisten Handys und Smartphones kann man jetzt schon tausende Songs laden... und das sehr einfach. Das reicht für Wochen...

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