Empfangsprobleme

19. Juli 2010 13:36; Akt: 19.07.2010 16:18 Print

«Kunden müssen vor dem iPhone gewarnt werden»

Schutzhülle hin oder her: Der Stiftung für Konsumentenschutz passt es nicht, dass das iPhone 4 hierzulande in den Handel kommt. Sie nimmt nun die Provider in die Pflicht.

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Sara Stalder, Geschäfstführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) forderte am vergangenen Freitag von den Schweizer Providern, dass sie den Verkaufsstart des iPhone 4 in der Schweiz verschieben. Da dies aber nicht der Fall sein wird, verlangt sie nun von Swisscom, Orange und Sunrise, dass die Kunden zumindest auf die vorhandenen Mängel aufmerksam gemacht werden: «Es ist absolut unverständlich, dass der Verkauf eines Geräts in Betracht gezogen wird, welches nachweislich über technische Mängel verfügt. Wir fordern die Anbieter weiterhin auf, den Verkauf des Geräts zu verschieben. Sollte dies nicht geschehen, was in der freien Marktwirtschaft durchaus möglich ist, müssen die Anbieter die interessierten Käuferinnen und Käufer über das Empfangsproblemen des iPhone 4 informieren - und zwar direkt beim Verkauf», sagt Stalder gegenüber 20 Minuten Online.

Die Forderungen der SKS stützen sich auf eine Studie des US-Verbraucherschutzes. Darin hat man die Empfangsprobleme untersucht und ist zum Schluss gekommen, das iPhone 4 nicht empfehlen zu können (20 Minuten Online berichtete). Eigene Tests haben die Schweizer Konsumentenschützer nicht durchgeführt. Sara Stalder selbst benutzt kein iPhone und will auch in naher Zukunft darauf verzichten. Kaufwilligen empfiehlt sie, wenn schon auf ein iPhone 3GS zurückzugreifen, da diese im Preis deutlich sinken dürften und keine Empfangsprobleme haben.

Swisscom lässt sich Zeit

20 Minuten Online wollte von der Swisscom wissen, ob man dem Wunsch der SKS nachkommen will: «Wir beobachten die Diskussion, wollen uns dazu aber noch nicht äussern. Bis zum 30. Juli bleibt uns schliesslich noch ein bisschen Zeit», so Mediensprecher Carsten Roetz.

In den vergangenen Wochen wurde der Druck auf Apple dermassen gross, dass Steve Jobs am vergangenen Freitag kurzfristig zu einer Pressekonferenz geladen hatte. Dafür hat er auch extra seinen Hawaii-Urlaub unterbrochen. Jobs Lösung kommt für ein Unternehmen, das sich immer wieder der Überlegenheit seiner Produkte rühmt, allerdings ein bisschen bescheiden daher: Käufer erhalten einfach zum iPhone 4 eine Schutzhülle gratis dazu, an der Hardware ändert sich nichts. Ausserdem erhalten unzufriedene Kunden innerhalb von 30 Tagen den vollen Kaufpreis zurückerstattet. Ab dem 30. Juli werden Swisscom, Orange und Sunrise hierzulande das iPhone 4 anbieten.

Konkurrenz schiesst zurück

Während der Konferenz sprach der Apple-CEO von generellen Empfangproblemen bei Mobiltelefonen. Um seine These zu untermauern, liess er Videos einspielen, auf denen zu sehen war, dass auch Konkurrenzmodelle darunter leiden. Blackberry-Hersteller RIM wollte diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. Für die beiden Geschäftsführer Mike Lazaridis and Jim Balsillie ist klar, dass Apple versucht anderen Firmen anzuschwärzen um sie in ihr «selbstgemachtes Debakel» hineinzuziehen. Sie schreiben in einer Stellungnahme: «Eines ist sicher: RIMs Kunden brauchen keine Schutzhülle für ihre Blackberry-Smartphones, um in Verbindung zu bleiben.» Und Nokia teilt per Pressemitteilung mit, dass ihnen die Empfangsleistung wichtiger als das Aussehen eines Geräts sei.

(mbu)