Kartellbehörde

22. Februar 2011 08:54; Akt: 22.02.2011 09:18 Print

Missbraucht Apple seine Dominanz?

Die US-Kartellbehörden interessieren sich für Steve Jobs neuen Abo-Service. Das Preismodell für iPad–Zeitungen wirft Fragen auf.

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Apples Abo-Service für iPad-Zeitungen ruft die US-Kartellbehörde auf den Plan. (Bild: AP Apple Inc.)

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Die US-Kartellbehörden haben ein Auge auf Apple geworfen. Ungemach droht, weil der iPhone- und iPad-Hersteller aus Cupertino vor einer Woche ein umstrittenes Abo-Modell für Zeitungen und Zeitschriften lanciert hat. Die Verleger bestimmen zwar den Preis und die Dauer des Abos, müssen aber 30 Prozent der Einnahmen an Apple abtreten. Was für den kalifornischen Konzern ein gerechtfertigter Obolus ist, da die Kunden die Abos bequem über iTunes verwalten können, stösst bei Medienhäusern teils auf harsche Kritik. In der Schweiz sei Apples Abo-Service bei der Wettbewerbskommission (WEKO) momentan allerdings kein Thema. «Es laufen deshalb auch keine diesbezüglichen Abklärungen», teilte die WEKO auf Anfrage mit.

In den USA sollen sich nun die Kartellbehörde und das Justizdepartement für den neuen Abo-Service interessieren, wie das Wall Street Journal mit Berufung auf gut informierte Quellen schreibt. Noch ist aber völlig offen, ob die Behörden ein Untersuchungsverfahren einleiten werden.

Schlechte Erfahrungen mit den US-Behörden hat Apple indes schon mehrmals gesammelt. Vor Jahresfrist untersuchte die US-Kartellbehörde Apples Vorschriften, die App-Entwickler daran hindern sollten, Programme von Konkurrent Adobe einzusetzen. Die Behörden untersuchten im Weiteren mutmassliche Einschränkungen für Google-Werbung auf Apple-Geräten. Im September 2010 gab Apple in beiden Streitfragen klein bei und wendete so weitere Untersuchungen ab.

Apple diktiert die Regeln

Im Gegenwind steht Apple derzeit, da den Medien untersagt wird, ihre Inhalte ausserhalb des iTunes-Stores billiger zu verkaufen. Auch Links aus den Apps auf eigene Verkaufs-Kanäle sind verboten. Apple kanalisiert so die Kunden auf den eigenen Vertriebsweg und zweigt stolze 30 Prozent des Verkaufspreises ab. Zum Vergleich: Konkurrent Google beansprucht lediglich zehn Prozent Umsatzbeteiligung.

Rechtsgelehrte in den USA stellen Apples Abo-Service daher in Frage, da er möglicherweise den Wettbewerb und somit tiefere Preise für die Konsumenten verhindere: «Es scheint ausschliesslich im Interesse von Apple zu sein, wenn sie zu verhindern versuchen, dass Konsumenten Käufe tätigen, bei denen sie leer ausgehen», sagt Eric Goldmann, Direktor des Rechtsinstituts für High-tech an der Santa Clara Universität, gegenüber dem Wall Street Journal.

Schlechte Karten für Verleger

Die Chancen für die Verleger auf gesetzlichem Weg Änderungen zu erstreiten, scheinen aber gering zu sein. Die Kartellbehörden müssten beweissen, dass Apple eine marktbeherrschende Stellung hat und sie missbraucht. Ob Apple ein Monopol besitzt, hängt davon ab, wie man den Markt definiert. Apples iPhone ist zwar die erste Wahl für viele begüterte Konsumenten – in der Schweiz beträgt der Marktanteil 52 Prozent – weltweit stammen aber weniger als zwei von zehn Smartphones aus dem Hause Apple. Im Handy-Gesamtmarkt beträgt der Marktanteil weltweit gar nur drei Prozent. Bei den Tablet-PCs hat die Firma mit dem Apfel im Logo zwar mit rund 75 Prozent Marktanteil global klar die Nase vorne, die Zahlen könnten aber bald sinken, da für dieses Jahr zahlreiche Konkurrenz-Tablets angekündigt worden sind.

Kommt es zu einer Untersuchung, müssten die Wettbewerbsbehörden beurteilen, ob den Medienhäusern alternative Vertriebswege zur Verfügung stehen. Mit dem derzeit rasch wachsenden Marktanteil von Android-Phones und -Tablets, scheint dies durchaus gegeben. Für Schweizer Medienhäuser wird die Situation in nächster Zeit aber kaum einfacher werden, da Apple hierzulande derzeit 92 Prozent des Tablet-Markts für sich beansprucht und es noch eine Weile dauern dürfte, bis sich Konkurrenzprodukte etablieren können.

(owi)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel am 22.02.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ausnutzung der Kunden

    Vor einiger Zeit wurde Microsoft beschuldigt, dass sie ihre Stellung im PC-Markt ausnutzt. Nun haben wohl einige gemerkt, dass Apple dies seit längerer Zeit schon viel extremer macht. Für mich ein Grund keine Apple-Produkte zu kaufen.

  • H.G. am 22.02.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wucher!

    Die Frage ist hier nicht, ob es sich um ein Monopol handelt oder nicht (das ist eine Grauzone die nicht objektiv beschreibbar ist!). Die Frage ist viel mehr ob es sich bei der Strategie von Apple um Wucher handelt! Genauso wie ein Geldinstitut nicht beliebig hohe Zinsen verlangen darf, so müsste man Apple einen Riegel vorschieben wenn beliebig hohe Gebühren abgezweigt werden (beachte: der Service, den Apple bietet, hat keine Preisobergrenze! Stattdessen wird einfach ein - sehr grosser - Anteil des Fremd-Umsatzes, also eine potentiell unbegrenzte Entschädigung, eingefordert!)

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  • Windows am 27.02.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mäks? selber schuld wer einen hat

    Wer es immer noch nicht glaubt: Protektionismus und Abhängigkeit ist bei Apple grossgeschriben. Und besser sind die Mäks auch nicht - aber teuer und proprietär. Jeder selber schuld der so ein Teil 'braucht'. Nichts gegen dei Funktionen - aber gegen das Verhalten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Windows am 27.02.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mäks? selber schuld wer einen hat

    Wer es immer noch nicht glaubt: Protektionismus und Abhängigkeit ist bei Apple grossgeschriben. Und besser sind die Mäks auch nicht - aber teuer und proprietär. Jeder selber schuld der so ein Teil 'braucht'. Nichts gegen dei Funktionen - aber gegen das Verhalten.

  • Windows am 22.02.2011 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Mäci Mäci

    Apple hat es geschafft eine 'Religion' zu bilden - (zu)viele glauben daran. Auch Jobbs kocht nur mit Wasser - war auch schon früher nicht besser. Geile Geräte herstellen und die Macianer meinen gleich das Neueste haben zu müssen. Selber schuld!

  • Marcel am 22.02.2011 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ausnutzung der Kunden

    Vor einiger Zeit wurde Microsoft beschuldigt, dass sie ihre Stellung im PC-Markt ausnutzt. Nun haben wohl einige gemerkt, dass Apple dies seit längerer Zeit schon viel extremer macht. Für mich ein Grund keine Apple-Produkte zu kaufen.

  • Logi am 22.02.2011 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Standartbrowser bei Microsoft ein Problem

    Wenn Microsoft standartmässig einen Browser instaliert ist das ein problem. Wenn Apple Technologien kategorisch ausschliesst, zensur bei Inhalten übt und vorschreibt auf was und wie entwickelt werden muss ist das ja alle ok.

  • H.G. am 22.02.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wucher!

    Die Frage ist hier nicht, ob es sich um ein Monopol handelt oder nicht (das ist eine Grauzone die nicht objektiv beschreibbar ist!). Die Frage ist viel mehr ob es sich bei der Strategie von Apple um Wucher handelt! Genauso wie ein Geldinstitut nicht beliebig hohe Zinsen verlangen darf, so müsste man Apple einen Riegel vorschieben wenn beliebig hohe Gebühren abgezweigt werden (beachte: der Service, den Apple bietet, hat keine Preisobergrenze! Stattdessen wird einfach ein - sehr grosser - Anteil des Fremd-Umsatzes, also eine potentiell unbegrenzte Entschädigung, eingefordert!)

    • Hans.Huber am 23.02.2011 17:30 Report Diesen Beitrag melden

      Was hat Apple neu entwickelt?

      Was hat Apple neu entwickelt? der MAC ist ein Intel-Rechner mit einem von Linux abgeleiteten OS. Tablets-PCs gibt es schon lange. Ein Touchscreen hatte schon der Palm - also was hat Apple 'erfunden'? Das Einzige das Apple 'entwickelt' ist das Design und darüber kann man streiten. Apple=Overdesigned +Overpriced

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