Fieser Führungsstil

07. Oktober 2011 08:43; Akt: 07.10.2011 10:20 Print

Die dunkle Seite des Genies

Steve Jobs war die Sonne im Apple-Universum. Doch so hell er gegen aussen leuchtete, so dunkel war es in seinem Schatten. Anekdoten von der «Helden-Arschloch-Achterbahn».

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Steve Jobs ist tot. Der Apple-Gründer hat mehr als einmal die Welt verändert. In den 70er-Jahren stand er mit den ersten Apple-Rechnern an der Wiege der Computer-Revolution. Zuletzt krempelte er den Mobilfunk-Markt um. Den Apple-Fans wird er mit seinen charismatischen Auftritten in Erinnerung bleiben. Am 1. April 1976 gründete Steve Jobs (links) zusammen mit Steve Wozniak (rechts) und Ronald Wayne die Firma Apple Computer. Die ersten Geräte bauten sie in der Garage von Jobs Eltern zusammen. Auch diese Aufnahme datiert aus dem Jahr 1976 und zeigt die Firmengründer Wozniak (links) und Jobs mit einer Computer-Platine. 1977 präsentierte Jobs im kalifornischen Cupertino den «Apple II»-Computer - heute würde man wohl eher von einer elektronischen Schreibmaschine sprechen. 1984 war das Jahr, in dem der Apple Macintosh vorgestellt wurde. Das Bild zeigt Jobs an der jährlichen Apple-Generalversammlung am 24. Januar 1984. Der erste Mac kostete 2495 US-Dollar. 1985 wurde Jobs bei Apple entmachtet. Daraufhin investierte er sein Privatvermögen in die Gründung der Computerfirma NEXT. Das Bild zeigt ihn am 30. Oktober 1991. Er hielt an der Unix-Expo in New York eine «Keynote» (Ansprache). Es folgten gute Jahre für den bekennenden Buddhisten. Der Computer-Pionier konnte sich wieder etablieren, das Bild zeigt ihn 1993. Zwei Jahre später gingen die von Jobs mitbegründeten Pixar Animation Studios an die Börse. Dieses undatierte Bild stammt vermutlich aus dem Jahr 1996. Steve Jobs hatte inzwischen bei Apple wieder eine Beraterfunktion übernommen und er trat im typischen schwarzen Pullover vor die Kamera. 1997 war Jobs zurück auf der Apple-Kommandobrücke. Das Bild zeigt ihn am 6. Januar 1997, als er an der MacWorld Expo in San Francisco die Keynote hielt. Das Unternehmen war - ohne Jobs - in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Im selben Jahr folgte die Kooperation mit dem «Erzfeind» Microsoft. Das am 6. August 1997 aufgenommene Bild zeigt Jobs neben Microsoft-Gründer Bill Gates auf Grossleinwand. 1998 folgte ein weiterer Meilenstein. Jobs präsentierte ein neues, farbiges Computer-Modell namens iMac. Das Gerät war zum Preis von 1299 Dollar zu haben. Während Jahren hatte Jobs als Interims-CEO die Geschicke des Unternehmens geleitet. Am 5. Januar 2000 gab er in San Francisco bekannt, dass er wieder vollwertiger Geschäftsführer sei. Das Bild zeigt Jobs mit Bono (Mitte) und dem Musiker The Edge (rechts), zwei Bandmitgliedern der legendären Rockband U2. Apple stellte am 26. Oktober 2004 in San Jose neue iPods mit U2-Logo vor. Eine Aufnahme von 6. Juli 2005: Im Jahr davor musste sich Jobs einer schweren Operation unterziehen, bei der ein Tumor seiner Bauchspeicheldrüse entfernt wurde. Am 9. Januar 2007 präsentierte Steve Jobs an einer seiner legendären Keynotes in San Francisco das iPhone. Mit «One more thing» kündigte er jeweils neue Technologien an. Jobs suchte immer wieder den direkten Kontakt zu den «Kunden». Das vom 29. Juni 2007 datierte Bild zeigt ihn im direkten Gespräch mit Besuchern eines Apple-Stores. Aufnahme vom 27. Januar 2010: Jobs hält ein iPad in seinen Händen. Im Jahr davor hatte er sich für mehrere Monate zurückgezogen. Grund war eine Lebertransplantation, wie später bekannt wurde. Am 7. März 2010 wurde Jobs auf dem roten Teppich fotografiert. Er nahm in Los Angeles an den Oscar-Verleihungen teil. Dieses Bild vom 23. Juni 2010 zeigt Jobs mit dem russischen Präsidenten, Dmitri Medwedew. Der Russe erhielt bei seinem Besuch im Silicon Valley ein iPhone 4. Im Juli 2010 sprach ein sichtlich abgemagerter Apple-CEO über seinen jüngsten Coup, das iPad. Über den Gesundheitszustand von Jobs kursierten erneut wilde Gerüchte. Jobs am 5. Oktober 2010 mit dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Die beiden setzen sich öffentlich für Organspenden ein. Der Apple-Chef musste sich selbst einer Lebertransplantation unterziehen. Der alte und der neue Apple-Chef, vereint auf einem Bild aus dem Jahr 2010. Tim Cook (links) hat Steve Jobs in diesem Jahr offiziell an der Spitze des Unternehmens abgelöst. An der Apple-Entwicklerkonferenz im Juni 2011 posierte Jobs mit einer jungen Apple-Anhängerin. Damals wurden erneut Gerüchte über einen baldigen Rücktritt laut. Am darauffolgenden Tag, dem 7. Juni, hatte Jobs einen überraschenden Auftritt in Cupertino. Vor den versammelten Lokalpolitikern informierte er über die Pläne seines Unternehmens, ein futuristisches Firmengebäude zu bauen. Es sollte der letzte öffentliche Auftritt als Apple-Chef werden. Nachdem er Apples Weg in die Wolke (iCloud) angekündigt hatte, trat Jobs im August zurück. Noch in diesem Jahr soll die autorisierte Biografie des Apple-Gründers erscheinen. Steve Jobs hat dem Autor offenbar bereitwillig Auskunft gegeben über sein bewegtes Leben. Der als medienscheu geltende Innovator suchte immer wieder den Kontakt zu den Nutzern. Nun ist er im Alter von 56 Jahren gestorben.

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Nun ist er also tot, der «Pionier», «Visionär», «Messias» – «iGod». Steve Jobs hatte bereits zu Lebzeiten Kultstatus erreicht. Nun trauert die ganze Welt um das Genie von Cupertino und sein Stern strahlt noch heller am Firmament. Doch so genial der 56-Jährige gegen aussen wirkte, so diabolisch konnte er gegen innen sein. Geschichten über sein Herrschaftsprinzip gibt es zuhauf.

Zum Beispiel diese: Die Mitarbeiter in Cupertino mieden es angeblich, Lift zu fahren, wenn Jobs im Hause war. Wer es dennoch tat, musste um seinen Job fürchten. So soll Steve Jobs einmal einen Mann im Lift gefragt haben, woran er gerade arbeite. Der überforderte Mitarbeiter scheiterte bei Versuch, dem obersten Boss während der kurzen Liftfahrt seine Arbeit schmackhaft zu machen. Die Reaktion des Chefs fiel hart aus: Steve Jobs kündigte dem Mann noch im Lift.

Es gab nur «grossartig» oder «Scheisse»

Wer es in die Umlaufbahn von Jobs schaffte, berichtet von einem kreativen, cholerischen und extrem fordernden Fanatiker. In seinem Weltbild gab es nur «wahnsinnig grossartige» Ideen oder «Scheisse». Mitarbeiter konnten heute Genies sein und morgen Vollidioten. Eine ewige Fahrt auf der «Helden-Arschloch-Achterbahn», wie die Angestellten Jobs' Herrschaftsprinzip nennen.

Schmückte er seine Vorträge früher gerne noch mit Piratenflaggen, um die Unabhängigkeit vom Business-Establishment zu zeigen, ging er zuletzt rigoros gegen Blogger vor, die negativ über Apple schrieben.

Steve Jobs war ein Getriebener. So kursiert die Geschichte, dass er an einem frühen Sonntagmorgen einen Google-Manager anrief und ihm erklärte, dass das zweite O von Google auf der iPhone-App nicht korrekt dargestellt werde. Das könne Google doch nicht wirklich so wollen, soll er gesagt und darum gebeten haben, dass Google am Montag einen Programmierer vorbeischicke. Man werde ihm bei Apple helfen.

Messen mit zweierlei Ellen

Sein Perfektionismus ging so weit, dass er in Restaurants regelmässig das Essen zurückschickte – weil es nicht so aussah, wie er es sich aufgrund der Beschreibung des Kellners und auf der Karte vorgestellt hatte.

Jobs mass gerne mit zweierlei Ellen. In einem offenen Brief an Adobe erklärte er, dass er keine Flash-Software auf Apple-Computern wolle, weil das Programm «ein geschlossenes System» sei und ausschliesslich von Adobe kontrolliert werde. Wer je ein Apple-Produkt gekauft hat, kann ob dieser Begründungen nur schmunzeln.

Legendär ist auch der Narzissmus der Nummer 0 im Apple-Betrieb. Diese Nummer liess sich Steve Jobs unter Tränen geben, weil er auf keinen Fall die Nummer 2 sein wollte. Die 1 hatte sich Steve Wozniak, Mitgründer und technisches Genie des Konzerns, geschnappt. Einen Verlag, der eine unautorisierte Biografie über Jobs herausbrachte, schmiss er kurzerhand aus dem Apple-Store.

Gerne werden auch Anekdoten herumgereicht über Jobs’ Umgang mit neuen Ideen: Wenn jemand mit neuen Vorschlägen zum Chef komme, verreisse er die erstmal und tue sie als Blödsinn ab, um sie einige Wochen später als seine Ideen zu präsentieren.

Selbst Geiz konnte seinem Image nicht schaden

Obwohl er wahnsinnig reich war, hat Jobs sein Geld – zumindest offiziell – nie für wohltätige Zwecke eingesetzt. Es war sogar ein Gerichtsurteil nötig, damit Jobs für seine Tochter und deren Mutter - die Journalistin Chrisann Brennan - aufkam, die zu Sozialfällen geworden waren. Auch die Geschichten über Lohndumping in den Apple-Shops in den USA und die moderne Sklaverei, welche der Betrieb in den Foxconn-Fabriken in China betreibt, dürfen in einem Bericht über die Schwächen des Genies aus Cupertino nicht vergessen werden.

Die Fabrik, in der iPads und iPhones in China hergestellt werden, beschreiben NGOs als Baustelle: Die Fabrikangestellten gelangen durch ein Loch in der Wand zum Arbeitsplatz, wo sie unter schlimmen Verhältnissen zwölf Stunden am Fliessband stehen. Es gibt ein Redeverbot, kurze oder gar keine Esspausen und es herrscht militärischer Drill. Um die riesige Nachfrage zu befriedigen, lockt die Firma Studenten mit Praktika in den Betrieb. Apple versprach Besserung, passiert ist aber bisher nichts, berichtet aktuell die «Zeit».

«Vergeudet eure Zeit nicht damit, das Leben eines anderen zu leben!

In den USA arbeiten Apple-Shop-Angestellte für ein Butterbrot. Sie erhalten 8 bis 14 Franken pro Stunde, müssen aber einen strengen Code of Conduct befolgen. Jede Zuwiderhandlung wird geahndet. Wer inoffiziell über Produkte oder Gerüchte spricht, fliegt raus. Wer sich erdreistet, irgendwelche Informationen über neue Geräte zu verraten, wandert auch mal ins Gefängnis, wie das Beispiel von zwei Chinesen zeigte. Sie hatten die Masse des iPad 2 verraten.

Steve Jobs ist menschlich nie die Ikone gewesen, die er für seine Marke Apple darstellte. Gestört hat ihn das nie. In einer Rede vor Stundenten in Stanford sagte Jobs einmal: «Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen – dem Resultat des Denkens anderer.»

(amc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jacques Rüfenacht am 06.10.2011 04:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosser PERSOENLICHKEIT

    Danke für alles das Du Uns gebracht hast... R.I.P.

  • Tony S. am 06.10.2011 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple Gott

    Mein Beileid.... und danke für dein da sein und deine Umsetzung!!!!

  • Igor am 06.10.2011 02:47 Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    R.i.P Steve Jobs. Respekt von meiner Seite an Ihn. Er hat echt vieles Verändert. :(

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Frei am 12.10.2011 01:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wir alle sind Bill Gates so dankbar!

    Steve Jobs hat definitiv mehr Arbeitsplätze geschaffen als Leute im Lift entlassen. Die Entlassungen haben übrigens zu einer Zeit stattgefunden als Apple am Abgrund stand. Das ist halt auch die unangenehme Aufgabe eines Chefs, Mitarbeiter zu entlassen. Übrigens wisst ihr wie viele Mitarbeiter Foxconn hat? > 1 Mio. Ich kann euch versichern, dass die Selbstmord-Rate in der Schweiz höher ist als bei Foxconn (11) und die Chinesen sind übrigens absolut begeistert von Apple. Übrigens das einzige, für was Bill Gates je in die Geschichte eingehen wird, ist der Fakt, dass er Apple gerettet hat.

    • Roman H. am 12.10.2011 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      Gates?!

      Bill Gates ist (übrigens) der Gründer von Microsoft und hat wenig mit Apple am Hut, aber sonst stimme ich Ihnen voll und ganz zu!!

    • Jonas B. am 13.10.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ohja, Gates. Bill Gates.

      @Roman H, das was Michael geschrieben hat stimmt voll und ganz, DANK Bill Gates existiert Apple noch, hat er doch damals etwa 150 Millionen USD in das morsche Unternehmen von Steve gepumpt und Apple somit vor dem Konkurs bewahrt! ;-)

    • unwichtig am 14.10.2011 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      gates

      Nicht nur das er dies getan hatte, auch hat Gates etliches Geld für wohltätige Zwecke gespendet und war sowohl beruflich als auch menschlich eine Ikone.

    • Schrottkröte am 16.10.2011 10:11 Report Diesen Beitrag melden

      Bundesliga

      Ja, Bill Gates ist quasi der Uli Hoeneß der IT-Branche und Apple ist St. Pauli!

    einklappen einklappen
  • Saki Tzikas am 11.10.2011 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz oder gar nicht

    Warum hört sich das so absurd an - in der Businesswelt ist es wie im Leben. Entweder Schwanger oder nicht - es gibt nichts dazwischen. Ganz oder gar nicht. Steve wollte nur Leute die 100% dabei waren...

  • Leser am 10.10.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    alles schön und gut

    ... aber es bleiben fürchterlichen Herstellungsbedingungen bei Foxconn & Co. Er hätte seinen Einfluss darauf ausüben können.

  • Daniel Grob am 10.10.2011 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst es doch entlich gut sein

    Was soll das, er war ein Genie, hat viele neuerung Verbessert gebracht. Hatte lang mit dem Krebs gekämpt, nun leider verloren. Nun lasst ihn doch einfach mal sein, nach dem Tod über einen zu lästern ist einfach gemein.

    • Raffael Brun am 11.10.2011 07:51 Report Diesen Beitrag melden

      R.I.P

      Muss ich dir vollkommen Recht geben. Ohne Steves extremismus hätten wir in so kurzer Zeit niemals diesen Technischen fortschritt gemacht. Ausserdem sollte man respektieren wenn jemand tot ist und dies akzeptieren. Wenn man Steve Jobs als zu extrem beschreiben will, sollte man sich mal Überlegen was er alles geschaffen hat.

    • franz am 11.10.2011 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      jeder hat mehr als ein gesicht

      man kann aber auch bei allem technischen extremismus menschlich bleiben. dies ist ihm anscheinend nicht gelungen. wenn jemand zum iGod hoch stilisiert wird, dann muss man damit rechnen, dass auch sein anderes gesicht offen gelegt wird. das ist in keiner weise verwehrflich.

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  • Markus am 10.10.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    aufhören

    letzte Woche war er noch iGott und diese Woche wird die schlechte Seite von SJ offengelegt - Was er aber auf keinen Fall war, ein Weltverbesserer - er war ein Geschäftsmann wie es einige gibt auf der Welt - nicht mehr und nicht weniger. Manche haben gefallen gefunden an den Apple Produkten und manchen hat es nicht gefallen. Dieses Gehabe der Apple-Jünger ist sowas von..... na ja, das schreibe ich lieber nicht R.I.P Steve Jobs