Nach Suizid-Serie

30. März 2012 05:59; Akt: 30.03.2012 13:13 Print

Apple setzt Foxconn unter Druck

Die schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken des iPhone-Herstellers Foxconn trieben Dutzende in den Selbstmord. Dagegen hat Apple nun Massnahmen ergriffen. Das dürfte branchenweite Auswirkungen haben.

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In einer Fabrik in China hat Foxconn die Anzahl der Mitarbeiter von 110'000 auf 50'000 reduziert. Grund dafür ist der Einsatz von Robotern. Der chinesische Zulieferer Foxconn ist berüchtigt für seine zweifelhaften Arbeitsbedingungen. So stand das Unternehmen im Verdacht, Studenten gezwungen zu haben, Playstation 4 zu fertigen statt ein studiumrelevantes Praktikum anzubieten. Ein Reporter der chinesischen Zeitung «Southern Weekend» ging den Arbeitsbedingungen und den Gründen für die Selbstmorde von elf Mitarbeitern auf die Spur. Er fand bald heraus, dass Foxconn den Selbstmord von 30 weiteren Mitarbeitern verhindert hatte - in einem Zeitraum von nur drei Wochen. Um bei Foxconn angestellt zu werden, muss der Kandidat als Erstes einen Arbeitsfähigkeitstest absolvieren. Dabei werden Mathematik und Englisch geprüft. Wer 20 von 100 Punkten erreicht, bekommt eine Stelle. Katastrophale Bedingungen fand Reporter Liu Zhiyi bei Foxconn nicht vor. Vielmehr stellte er fest, dass die Löhne äusserst niedrig sind ... ... und sich Arbeiter mit diesen Bezahlungen nie die hauseigenen Produkte wie ein iPad leisten können. Der Journalist stellte allerdings fest, dass keine Kollegialität oder Freundschaft unter den 400'000 Mitarbeitern besteht. Da die Arbeiter Tag ein, Tag aus mit monotoner Arbeit beschäftigt sind, ... ... nehmen die Angestellten ihre Kollegen nicht mehr als Individuen wahr. Es gibt einige Arbeiter, die nicht einmal den Namen ihrer nächsten Kollegen kennen, ... ... selbst wenn sie zusammen in den Foxconn-eigenen Appartements wohnen. Die Arbeiter dürfen einmal täglich eine 10-Minuten-Pause im gemeinsamen Schlafzimmer machen. Um den Zimmerschlüssel zu bekommen, müssen sie ihren Badge abgeben. Wer innerhalb der vereinbarten Zeit nicht zurück ist, wird bestraft. Foxconn versucht nun nach der Selbstmord-Serie die «Würde der Angestellten» mit einer saftigen Lohnerhöhung sicherzustellen. Das Unternehmen kündigte gleichzeitig an, keine Entschädigungen mehr an Hinterbliebene von Mitarbeitern zu zahlen, die Selbstmord begangen haben.

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Nach massiver Kritik an den Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in China geht der iPhone-Hersteller Apple in die Offensive. Die Kalifornier vereinbarten mit dem Unternehmen Foxconn weitreichende Verbesserungen in den chinesischen Fabriken.

So soll der asiatische Auftragsproduzent diverser Apple-Produkte von iPhone bis iPad Zehntausende neue Arbeiter einstellen, wie Apple am Donnerstag nach der ersten offiziellen Reise des neuen Konzernchefs Tim Cook nach China mitteilte. Foxconn werde zudem illegalen Überstunden einen Riegel vorschieben, Sicherheitsmassnahmen verstärken und die Unterbringung der Arbeiter verbessern.

Die Vereinbarung des wertvollsten börsennotierten Technologiekonzerns mit dem chinesischen Partner dürfte branchenweit Folgen haben. Foxconn wird zur Last gelegt, die Arbeiter unter sehr schlechten Bedingungen zu beschäftigen. Für negative Schlagzeilen sorgten zudem die Selbstmorde mehrerer Angestellter.

Arbeitskosten steigen

Doch Experten zufolge geht es vielen chinesischen Arbeitern in Zulieferbetrieben für westliche Konzerne noch schlechter. Kritiker wie unabhängige Arbeitsorganisationen hoffen, dass mit Apples Schritt nun Standards gesetzt werden.

Auch für andere Foxconn-Vertragspartner wie Dell und Amazon könnten nun die Arbeitskosten steigen. Für die Konsumenten wird der Effekt dagegen als gering eingestuft, weil Ausgaben für die Arbeitskraft bei den meisten Technik-Produkten nur einen geringen Kostenfaktor darstellen.

Inspektion deckt Missstände auf

Eine unabhängige Untersuchung bei Foxconn hat einige Missstände bei den Arbeitsbedingungen aufgedeckt. Demnach arbeiten Beschäftigte häufig mehr als 60 Stunden pro Woche und manchmal eine ganze Woche am Stück, was gegen chinesische Vorschriften verstösst, wie die Fair Labor Association (FLA) in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht erklärte.

Foxconn habe inzwischen zugesagt, die Wochenarbeitszeit auf das zulässige Maximum von 49 Stunden zu senken. Zum Ausgleich für die Kürzung sollten die Stundenlöhne in den Fabriken, in denen unter anderem iPhones und iPads von Apple gefertigt werden, angehoben werden. Apple hatte die FLA-Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Inspekteure besuchten im Februar und März drei Foxconn-Komplexe mit insgesamt 178 000 Beschäftigten.

(dsc/sda/ap)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Apple ist sicher Mitschuld an den Arbeitsbedingungen, aber alle die jetzt wieder gegen Apple schiessen, es ist unser Konsumverhalten und die Gier nach Gewinnen, die solche Umstände generieren. Falls ihr lieben Apple-Hasser es nicht begriffen habt, ALLE IT Firmen produzieren bei Foxconn oder ähnlichen Firmen und Apple ist der erste IT Konzern der sich öffentlich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt. Sollte sich Samsung und Co. eine Scheibe davon abschneiden, die profitieren genau gleich von diesen Umständen. Ein objektiver Blick zeigt, dass das ganze System ungerecht ist und nicht einzelne. – I. Kant

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Burkhalter am 30.03.2012 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wären solche massnahmen nicht schon früher möglich

    Ich bin atheist. ich glaube genausowenig an einen gott, wie an apple. der vergleich ist gerechtfertigt: apple hällt sich für gottgleich in seiner selbstbeweihräucherung. zugegeben: apple hat den handymarkt revolutioniert. dennoch oder gerade desswegen heben sie nun immer mehr vom boden der tatsachen ab. jedenfalls bis zu dem zeitpunkt wo der mediale druck zu gross wird. doch seien wir ehrlich: ist apples "genug" wirklich genug? genügt es, massnahmen zu ergreifen, erst wenn die medien die tatsachen aufdecken? abgehoben wirkt auch die forderung, dass millionenbeträge entrichtet werden müssen, nur damit apple-produkte überhaupt von einem händler verkauft werden dürfen!!! ich hatte vor 3 jahren ein iphone. nun sind meine augen geöffnet: nie mehr apple!

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  • Meinfazit am 30.03.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man das Schicksal von

    Steve Jobs durch den Kopf gehen lässt, dann darf man sich fragen, ob er seinen Mitmenschen kein besseres Schicksal gegönnt hat. Überteuerte Produkte in der Billigstproduktion hergestellt. Auch eine Logik.

  • Marcel Füllemann am 30.03.2012 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Apple

    so hab nun alle Commis gelesen und stelle fest: 1. produzieren alle bei Foxconn. Ob nun Apple, Microsoft, HP, Sony oder Samsung, alles läuft über Foxconn. Also lasst mal Apple in Ruhe. 2. Klar Apple macht nun was, was auch gut ist, aber die Fanboys sollten sich mal fragen wieso. Sicherlich nicht wegen der Firmenphilosphie. Jobs wären diese Umstände nämlich ziemlich egal gewesen. So auch den CEO's. Dies ist alles Cook's verdienst. Und 3. 400Fr pro Handy gehen momentan an die Marken. Erst wenn die Zahl auf 100 schrumpft und die x-tausend Mitarbeiter leben können, wird sich was ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Füllemann am 30.03.2012 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Apple

    so hab nun alle Commis gelesen und stelle fest: 1. produzieren alle bei Foxconn. Ob nun Apple, Microsoft, HP, Sony oder Samsung, alles läuft über Foxconn. Also lasst mal Apple in Ruhe. 2. Klar Apple macht nun was, was auch gut ist, aber die Fanboys sollten sich mal fragen wieso. Sicherlich nicht wegen der Firmenphilosphie. Jobs wären diese Umstände nämlich ziemlich egal gewesen. So auch den CEO's. Dies ist alles Cook's verdienst. Und 3. 400Fr pro Handy gehen momentan an die Marken. Erst wenn die Zahl auf 100 schrumpft und die x-tausend Mitarbeiter leben können, wird sich was ändern.

  • crypt(name) am 30.03.2012 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    In Time

    Im übertragenen Sinne: "Für die Unsterblichkeit einiger müssen viele sterben"

  • Lord Billig am 30.03.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Das gleiche beim Fleisch

    Wenn die Konsumenten von günstigem Fleisch profitieren verdient auch jemand weniger! Da sind es natürlich nicht die Produzenten, nein die Arbeitskraft und auch das Tier wird schlechter behandelt ... Hier gewinnt nicht jede Seite ... es gibt da auch Verlierer. Leider gibt es zu viele Menschen die nach dem Grundsatz "Was interessiert mich fremdes Elend!?" leben ...

  • Marcus Severus am 30.03.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    China schon bald zu teuer

    Ich habe neulich einen interessanten Bericht gelesen. Darin stand dass die Löhne in China im Moment recht schnell steigen und auch China schon bald zu teuer für Billigproduktion sein wird. Viele Produzenten fangen deshalb jetzt schon an auf noch ärmere Länder auszuweichen. China muss im Gegenzug jetzt versuchen von seinem Ramschqualität-Image wegzukommen wenn sie noch konkurrenzfähig bleiben wollen.

  • Meinfazit am 30.03.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man das Schicksal von

    Steve Jobs durch den Kopf gehen lässt, dann darf man sich fragen, ob er seinen Mitmenschen kein besseres Schicksal gegönnt hat. Überteuerte Produkte in der Billigstproduktion hergestellt. Auch eine Logik.