Soziales Netzwerk

16. Februar 2011 13:25; Akt: 16.02.2011 19:55 Print

Facebook fischt in fremden Gewässern

Mark Zuckerbergs Social Network wächst rasant und tritt mit immer mehr Unternehmen in Konkurrenz. Ehemalige Partner wenden sich von der Plattform ab.

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Facebook weitet seine Tätigkeiten aus und tritt dabei immer mehr Unternehmen auf die Füsse. (Bild: Marcio Jose Sanchez)

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Mark Zuckerbergs Social Community zählt zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt. Facebook avanciert damit nach nur sieben Jahren zum ernstzunehmenden Konkurrenten für Technologie-Giganten wie Google, Yahoo oder Apple. Facebook zählt heute über 600 Millionen Nutzer mit einem geschätzten Unternehmenswert von 50 Milliarden Franken. Ein Grund für diese phantastisch anmutende Bewertung: Je mehr Besucher Facebook auf seine Seite lockt, desto mehr gräbt es Google, Myspace - aber auch den traditionellen Medien - Einahmen aus dem Online-Werbegschäft ab.

Facebook nahm im letzten Jahr knapp zwei Milliarden Franken ein, wie das «Wall Street Journal» berichtet; der Grossteil davon Werbeeinnahmen. Facebooks Wachstum geht daher vorerst primär zu Lasten von Firmen wie Google, Yahoo oder AOL, die sich ebenfalls über Online-Werbung finanzieren.

Facebook tritt Konkurrenz auf die Füsse

In letzter Zeit beackert Zuckerbergs Unternehmen auch lokale Anzeigenmärkte, die lange Zeit von Google vernachlässigt wurden. Damit tritt Facebook in direkte Konkurrenz mit Rabatt-Vermittlern wie Groupon oder Dein Deal. Und das ist erst der Anfang: Je mehr Geschäftsfelder Facebook erschliesst, desto mehr Firmen wird das Soziale Netzwerk auf die Füsse treten. Bereits heute werben sich Facebook, Google oder Microsoft die besten Software-Entwickler ab.

Die aktuelle Entwicklung lässt zudem auf weitere Expansionspläne schliessen. Seit Facebook-Nutzer mit der internen Währung Facebook Credits für Apps und Spiele bezahlen können, ist ein eigenes elektronisches Bezahlsystem, wie von eBays PayPal-Service bekannt, wohl nur noch eine Frage der Zeit. Gegenüber dem «Wall Street Journal» dementierte Facebook eine Ausweitung des Bezahlsystems auf physische Produkte, unmöglich scheint der Schritt indes nicht. Damit könnte Facebook gar das etablierte Internet-Versandunternehmen Amazon konkurrenzieren.

Facebook versus Apple

Ebenfalls bald auf der Rivalen-Liste figurieren wird Smartphone-Hersteller Apple, dessen eigene Social-Network-Bemühungen bislang wenig erfolgreich waren. Wie Konkurent Twitter möchte auch Facebook künftig besser in mobile Betriebssysteme wie Google Android integriert sein. Kein Zufall somit, dass Smartphone-Hersteller HTC diese Woche am Mobile World Congress zwei Handys mit Facebook-Button aus dem Hut zauberte. Facebook-Chef Zuckerberg bestätigte zudem, dass weitere Smartphones mit erweiterter Facebook-Einbindung erscheinen sollen. Facebook dementiert zwar die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems, aber auch die für Facebook optimierten Geräte von HTC dürften bei der jungen Käuferschaft auf grossen Anklang stossen und Facebook weiteren Auftrieb bescheren.

Freund oder Feind?
Als Konsequenz des Facebooks-Wachstums stehen immer mehr Firmen vor der Frage, ob sie Facebook als Freund behandeln wollen, oder das Social-Network als bedrohliche Krake verstehen, die mit ihren Tentakeln alles greift, was sich ihr in den Weg stellt. Unbestritten ist: Facebook hat vielen Entwicklern von Social-Games den Weg geebnet, und zahlreiche andere Branchen nutzen Facebook als Marketing-Instrument.

Der bekannteste Social-Games-Hersteller Zynga hat massiv vom Facebook-Boom profitiert, muss nun allerdings 30 Prozent der Einnahmen an Facebook abtreten. Vielen Unternehmen ist Facebooks Kontrolle über seine Plattform ein Dorn im Auge und sie suchen nach Alternativen, wie das «Wall Street Journal» schreibt. Die Konsequenzen bereits gezogen hat der Online-Dating-Service Zoosk. Statt direkt über Facebook läuft die Kommunikation der Zoosk-Nutzer nun über E-Mail und die eigene Website.

(owi)